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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zur Herkunft der Daniten

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1. Der biblische Stamm Dan und die Danaer

2. Bēlos und Bilha

3. Manoah

4. "Dan auf fremden Schiffen"

 

Der biblische Stamm Dan scheint ursprünglich kein semitischer, sondern ein indogermanischer Stamm gewesen zu sein, identisch mit dem Seevolk der Danaer:

1. Der biblische Stamm Dan und die Danaer

2. Bēlos und Bilha

Weitere Hinweise auf das Indogermanentum der Daniten ergeben sich aus dem Stammbaum Dans und einem Vergleich mit der griechischen Sage:

a. Der Jakobs-Sohn Dan hat zusammen mit seinem Bruder Naphthali unter den anderen Söhnen Israels insofern eine Sonderstellung, als die beiden Söhne einer Nebenfrau namens Bilha (בלהה, Βαλλα [Bilhâ, Balla]), also keine vollberechtigten Nachkommen des Erzvaters sind.

b. Zwischen den Stammbäumen des biblischen Dan und des griechischen Danaos ergeben sich auffallende Übereinstimmungen:

griechisch

biblisch

Bēlos (Βηλος)

בלהה Bilha

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danaos

Aigyptos

Dan

Naphthali

Es liegt nahe, den Namen Bēlos in diesem Fall nicht von בעל (Beʕel, osemit. Bēl) [1] abzuleiten, sondern mit dem Namen von Bilha in Verbindung zu bringen, wobei beachtet werden muss, dass es im griechischen keine Möglichkeit gibt, ein inlautendes /h/ zu kennzeichnen.

Der Name בלהה (Bilha) kommt auch als Ortsname vor (1. Chron 4,29) und wird an anderer Stelle בלה (Bálâ, Jos 19,3) und בעלה (Baʕalâ, Jos 15,29) geschrieben. Bei der dritten Variante ist der Bezug zum Gott Baal bzw. zur Göttin Baala(t) deutlich.

c. Wenn Belos = Bilha und Danaos = Dan keine Semiten, sondern Indogermanen sind, dann müsste das auch für Naphthali gelten.

3. Manoah

Der Vater Simsons trägt den semitisch klingenden Manoah (מנוח, Μαναε [Mánôaḥ, Manae]), eine Partizipialbildung von נוח (nûaḥ), so wie auch Simson einen semitischen Namen trägt: שמשון (šimšôn), Σαμψων (Sampsōn), von שמש (šämäš) 'Sonne'

Man kann den Namen des Vaters aber auch aus dem Indogermanischen erklären:

  • zu *mān 'Mond', was gut zum Sonnennamen des Sohnes passen würde.

  • zum Namen des Urmenschen, germ. Mannus, ind. Manu, Manush, wobei hbr. /ḥ/ einem idg. /s/ entspricht.

4. "Dan auf fremden Schiffen"

Im Deboralied (Ri 5) werden die Stämme aufgeführt, die an der Schlacht gegen Sisera teilgenommen und nicht teilgenommen hatten. Dabei wird Dan der Vorwurf gemacht, er würde auf fremden Schiffen dienen (5,17). Da dieser Stamm mit Ruben und Gilead (Ostjordanien) und mit Asser (Galiläa) genannt wird, ist anzunehmen, dass Dan zu dieser Zeit schon im Norden des Landes wohnte. Dies wird noch wahrscheinlicher, weil der alte Nachbar Juda gar nicht erwähnt wird. Dann wäre aber zu fragen: Wie kommt das Binnenvolk Dan auf die Idee, "auf fremden Schiffen zu dienen"? Auch auf seinem alten Wohnsitz zwischen Juda und den Philistern hatte Dan wohl keinen Zugang zum Meer. Ist das Interesse an der Seefahrt altes Seevölker-Erbe?

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Wenn von בעל, lernten die Griechen den Namen nicht von den Ostsemiten, sondern von den Aramäern (beʕel) kennen.

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Datum: 1986 / 2015

Aktuell: 16.04.2017