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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Was bedeutet der heilige Gottesname?

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"Was heißt "ich bin" auf Hebräisch?

Wie wurde der Name Gottes ausgesprochen?

Fientisches und statisches Qal

 

Jahwe leitet sich von הוה h-w-h ab, was dasselbe sein soll wie היה h-j-h 'sein', und wird Ex 3,14 ausgelegt als אהיה אשר אהיה ähjäh ašär ähjäh 'Ich werde sein, der ich sein werde'.

Was heißt "ich bin" auf hebräisch?

Was bedeutet dieser Satz? Für eine Übersetzung im Futurum spricht: Wenn der Hebräer sagen will "ich bin", ist die Copula ("bin") nicht nötig, sondern er kann sagen:

1. הנני hinne 'hier bin ich' (von einem, der sich meldet)

2. אני הוא anî hû' 'ich bin's' (und kein anderer)

3. prädikativ: אני קטון anî qáṭôn (Nominalsatz) oder קטנתי qáṭantî bzw. אקטן äqton (Verbalsatz) 'ich bin klein'.

Wenn aber der Hebräer sagen will 'ich war' oder 'ich werde sein', dann nimmt er das Wort היה h-j-h. Also bedeutet אהיה ähjäh 'ich werde' oder 'will sein', nicht 'ich bin'.

"Ich werde sein" - da fehlt das Prädikatsnomen. Gemeint ist "Ich will mit dir sein" (vgl. Ex 3,12), "ich will gnädig sein" (vgl. Ex 33,19), "ich will euer Gott sein" usw. An die Stelle des fehlenden Prädikatsnomens tritt "der ich sein werde": also nicht irgendwelche Aussagen über Gott, sondern Gott hat die Freiheit zu sein, was er will.

"Ich werde sein" ist keine Aussage, sondern eine Verheißung: "Was ich bin, erkläre ich nicht, sondern das wirst du sehen."

Wie wurde der Name Gottes ausgesprochen?

Hinweise liefern uns die Personennamen, in denen der Gottesname enthalten ist. Noch Jeremia nannte sich mit der Vollform ירמיהו JRM-JHV = Jirmejáhû. Später ließ man das V weg: ירמיה Jirmejáh.
Dagegen hieß der Freund Davids יהונתן JHV-NTN =
Jehônátán, später nur יונתן JV-NTN = Jônátán. Dadurch dass das Hebräische am Ende betont, wurde das A zu einem Murmellaut verkürzt und das U zu O verdumpft.
Das ist zwar die mittelalterliche Aussprache des Hebräischen, aus der Zeit, als der Bibeltext vokalisiert wurde. Aber Formen wie griechisch / lateinisch
Ieremias (mit A) oder keilschriftlich Jâhûnatannu zeigen, dass schon in vorchristlicher Zeit die Kurzform des Gottesnamens (ohne H am Ende) Jáhû lautete, mit langem A, das zu einem offenen O neigte [jɔ:hu].
In griechischen Texten kommt der Gottesname in der Umschrift Ιαου J
a-u (Kurzform) oder Ιαβε Jawe [1] (Langform mit Beta, das schon wie W gesprochen wurde). Letzteres entspricht genau der modernen Aussprache als Jahwe. Wenn ich mich richtig entsinne, sprechen die Samaritaner den Namen aus, aber ich weiß nicht mehr wie. In samaritanischen Gedichten reimt sich der Gottesname auf Wörter mit -e. [2]
Die Behauptung, man wisse nicht wie der Gottesname richtig gesprochen wird, kommt daher, dass er in der hebräischen Bibel so vokalisiert ist, dass man
Adonáj, Elohim oder Še 'Herr, Gott, der Name' lesen muss. Das war der Brauch der mittelalterlichen Massoreten, die die Bibel vokalisiert hatten. Luther hat den Gottesnamen wie schon die Septuaginta konsequent mit der HErr (modern: der HERR) übersetzt und sich um die richtige Aussprache nicht gekümmert. Später, als man sich dafür interessierte, las man aus Unkenntnis Jehova.  Viele berufen sich mit Wissen um die Vokalisierungsgeschichte darauf, dass die ursprüngliche Aussprache unbekannt sei, was einfach nicht stimmt.

Fientisches und statisches Qal

Fientisch ist abgeleitet von lateinisch fieri 'werden', statisch von lateinisch stare 'stehen'.
Im Deutschen ändern wir die Bedeutung von Verben durch Vorsilben, z.B. schneiden > abschneiden, anschneiden, beschneiden usw. Oder wir ändern im Wortinnern was und erhalten schnitzen. Während aber bei uns die Zusammensetzungen genauso konjugiert werden wie das einfache Wort, haben im Hebräischen die erweiterten Formen eigene Konjugationsklassen, die man einzeln mühsam lernen muss. Die einfachste davon ist Qal (
katab 'er hat geschrieben'), daneben gibt es die Formen kitteb, niktab, hiktib, hitkateb usw.
Den Bedeutungsunterschied nennen wir bei

  • jihwä "statisch" drückt einen Zustand aus, bei dem sich nichts verändert)

  • jahwä "fientisch" (da geschieht etwas).

Der heilige Gottesname scheint also Jahwǟ ausgesprochen worden zu sein.

Welche Form ist das? יהיה 'er wird sein' (hbr. Imperfekt) wird nicht jahjäh, sondern jihjäh ausgesprochen. Was ist das also für eine Form mit /a/?

Nach einigen handelt es sich um Hiphʕil nach dem Muster jaktîb Aber das Hiphʕil von יהיה h-j-h ist weder auf Hebräisch noch auf Aramäisch noch auf Syrisch überliefert. Warum sollte der Gottesname eine Hiphʕilform sein, die sonst nirgends überliefert ist?

Meyer [3] zeigt, dass es im Altkanaanäischen drei Qal-Formen gab:

 

 

"fientisch" (zeigt ein Geschehen an)

jaktub/ katab

jaktib / katab

 

"statisch" (zeigt einen Zustand an)

jiktab / katib oder katub

 

Meyer findet die alte Form jaktib in ויטמנו wajjaṭminû 'und sie verbargen' (2 Sam 7,8) neben ויטמון wajjiṭmôn 'und er verbarg'. Nach Gesenius handelt es sich um Qal und nicht um Hiphʕil.

Zweites Beispiel: der Jussiv יאמץ ja'ameṣ 'er soll stark sein' (Ps 31,25). Das ist nach Gesenius Hiphʕil.

Also könnte jahjäh eine fientische Form nach dem Muster jaktib sein. Jihjäh dagegen ist die statische Form (jiktab) und bedeutet 'er wird sein'. Was aber bedeutet jahjäh? Etwa 'geschehen, wirksam sein'?

Jahjäh ist also nicht dasselbe wie jihjäh 'er wird sein', ist aber auch kein Hiphʕil, der jahjäh lauten müsste 'er macht, dass ... ist': auch kein Kausativum ('er macht, dass ...'), sondern das Wort hat aktive Bedeutung 'Er wird geschehen, wirksam sein'.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] angeblich Theodoret, Ex Interogationes 15

 

 

[2] Link nicht mehr verfügbar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[3] Hebr. Gramm. 2 Einfache Formen 111

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Übersicht

 

Wikipedia

 

Datum: 1987 / 2007

Aktuell: 16.11.2016