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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schöpfung oder Entwicklung?

Eine Auseinandersetzung mit dem Kreationismus

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Wie alt ist die Welt?
Erschaffen oder entwickelt?
Die Tatsache der Evolution lässt sich kaum bestreiten.
Was ist der Motor der Entwicklung?
Parallelen in der Technik

Zufall oder Notwendigkeit?

 

Eine aus Amerika kommende Glaubensrichtung sorgt auch in Deutschland für Aufsehen: Der Kreationismus behauptet gegen die Auffassung der modernen Naturwissenschaft, die Welt sei genau so entstanden, wie es in der Bibel steht. Sie sei vor rund 10.000 Jahren erschaffen worden und es habe keine Evolution gegeben, sondern Gott habe alle heute lebenden und ausgestorbenen Arten von Lebewesen zu Beginn der Welt erschaffen.

Die Kreationisten verteidigen nicht die Bibel, sondern das naturwissenschaftliche Weltbild vor 250 Jahren. Damals ging man davon aus, dass Gott die Welt und alle Arten von Lebewesen vor ca. 6.000 Jahren erschaffen hatte.

Wie alt ist die Welt?

Das angebliche Alter der Welt kann man an Hand von Bibelangaben nachrechnen. So setzt es die jüdische Zeitrechnung voraus und zu ähnlichen Angaben kam schon Luther. Wenn die heutige Wissenschaft nicht von Tausenden, sondern von Milliarden von Jahren redet, tut sie das nicht aus der Überzeugung heraus, dass es Gott nicht gibt und die Bibel lügt, sondern sie wurde durch Fakten zu der heutigen Überzeugung gedrängt - oft wohl gegen den inneren Widerstand der Forscher, die ja eine liebgewordene Lehrmeinung aufgeben mussten.

Erschaffen oder entwickelt?

Zu den naturwissenschaftlichen Lehrsätzen vor 250 Jahren gehört auch die Überzeugung des Schöpfers der biologischen Systematik, Karl von Linne: "Tot sunt genera et species, quot ab initio creatae sunt – es gibt so viele Gattungen und Arten, wie von Anfang an erschaffen wurden."

Das steht bei Linné, nicht in der Bibel. Zugegeben, man kann die Bibel so verstehen. Man kann sie aber auch anders verstehen: Gott hat die verschiedenen Kreaturen nicht gleichzeitig, sondern an verschiedenen "Tagen" erschaffen. Dabei war dem biblischen Erzähler bewusst, dass nach Psalm 90 für Gott "ein Tag wie tausend Jahre" ist. Genesis 1 stützt also eher eine allmähliche Entstehung der Kreaturen als die Meinung Linnés.

Die Tatsache der Evolution lässt sich kaum bestreiten.

Es lässt sich kaum leugnen, dass das die einfacheren Formen des Lebens älter sind als die komplizierteren. Es lässt sich auch kaum leugnen, dass es ziemlich lückenlose Stammbäume von Lebewesen gibt, etwa vom Urpferdchen über das Wildpferd bis zum Haflinger. Die Tatsache der Evolution oder der "Abstammung der Arten" scheint sich nicht wegdiskutieren zu lassen.

Was ist der Motor der Entwicklung?

Eine andere Frage ist allerdings, was der Motor der Entwicklung ist. Dass dabei nach Darwin Mutation und Selektion eine Rolle gespielt haben, lässt sich kaum bezweifeln. Die Frage aber ist, ob das die einzigen Ursachen sind. Darüber wird heute fleißig diskutiert.

Parallelen in der Technik

Für mich als gläubigen Christen sind Kreation und Evolution keine Gegensätze. Das neuste Modell von Opel wurde im Laufe der Jahrtausende aus dem ersten primitiven Ochsenkarren entwickelt. Und doch bezweifelt keiner, dass die verschiedenen Modelle erschaffen wurden, nur nicht alle, wie Linné meint, "ab initio – von Anfang an", sonder nach und nach und eins aus dem anderen.

Zufall oder Notwendigkeit?

Das Problem ist ein ganz anderes: Die neuzeitliche Naturwissenschaft hat sich in den Kopf gesetzt, die Welt zu erklären, "als ob es Gott nicht gäbe". Gewitter ist eine elektrische Entladung und nicht die Stimme Gottes. Vor Blitzschlag schützen wir uns durch Blitzableiter und nicht durch Opfer und Gebete.

Wenn wir unter diesen Gesichtspunkten aber nach dem Sinn der Welt, des Lebens und meines Existenz fragen, hat die Naturwissenschaft keine Antwort. Denn sie fragt ja nach den Ursachen, "als ob es Gott nicht gäbe". Wenn ein Forscher konsequent sein will, kann er nur sagen: "Ich kann die Frage nach dem Sinn mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht beantworten. Frage die Theologen oder die Philosophen."  So weit denken aber viele nicht und versuchen doch eine Antwort. Dann tritt an die Stelle des Schöpfers der "Zufall", die "Natur" oder gar das mythische Wesen "Evolution", das alles so weise und raffiniert eingerichtet hat.

Das Problem ist nicht die Evolutionslehre an sich, sondern die Auskunft, es sei alles nur "Zufall". Darüber wäre weiter zu diskutieren.

   

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Übersicht

 

Schöpfung – theologisch und naturwissenschaftlich

Finalität im Naturgeschehen

 

Datum: 2003 / 05

Aktuell: 26.03.2016