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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Leidensgeschichte Jesu

Anhänge

2. Doketismus in den Evangelien?

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1. Das letzte Wort Jesu am Kreuz

2. Die Grabgeschichte

3. Die Grabgeschichte von Johannes

a) Magdalena erkennt Jesus nicht

b) Die Grabtücher

4. Leibhaftige Auferstehung gegen Doketismus

 

1. Das letzte Wort Jesu am Kreuz

"Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" ist zwar Zitat aus Psalm 22, könnte aber doketistisch verstanden worden sein: Der "Gott" von dem sich Jesus verlassen fühlte, war nicht der himmlische Vater, sondern der Geist oder der Gottessohn Christus, der bisher bei ihm gewesen war.

2. Auch die Grabgeschichte

könnte ursprünglich doketistisch verstanden worden sein: Es wird bei Markus nicht behauptet, dass die Leiche nicht mehr im Grab gelegen hätte. Darauf legen erst die anderen drei Evangelisten Wert. Sie glauben also an eine leibhaftige Auferstehung, die ein Doketist nicht akzeptieren könnte. Matthäus und Lukas versuchen mit allen Mitteln die Leibhaftigkeit der Auferstehung zu beweisen und nehmen sogar Widersprüche in Kauf. Von alle dem ist bei Markus noch keine Rede. Die Frauen bekommen im Grab gesagt, Jesus sei auferweckt worden, und da sei der Ort, wo sie ihn hingelegt haben. Das muss man im jetzigen Wortlaut im Sinne einer leibhaftigen Auferstehung verstehen. Aber könnte der "Engel" in einer Vorstufe der Überlieferung nicht gesagt haben: "Hier ist nur Jesus der Gekreuzigte; der Gottessohn Christus ist nicht hier, sondern im Himmel"?

3. Die Grabgeschichte von Johannes

macht ein paar Andeutungen, die man so verstehen könnte:

a) Magdalena erkennt Jesus nicht

Magdalena sieht beim Grab den Auferstandenen, den sie nicht gleich erkennt. Hat eine Vorstufe der Überlieferung erzählt, die Frauen hätten schließlich in dem "Engel" das Geistwesen Christus erkannt? Dafür könnte sprechen, dass Johannes von einem zusätzlichen "Engel" nichts erwähnt. Was bei Markus der "Engel', ist, ist bei Johannes der vermeintliche Gärtner, der sinnvollerweise nicht im Grab, sondern außerhalb des Grabes ist.

b) Die Grabtücher

Johannes berichtet von den Grabtüchern, die Petrus ordentlich zusammengelegt im Grab gefunden hätte. Das ist im jetzigen Zusammenhang natürlich ein Beweis für die leibhaftige Auferstehung, könnte ursprünglich auch doketistisch verstanden worden sein: Wenn man das Leichentuch symbolisch versteht, ist es ein Symbol für die Leiche des Menschen Jesus. Der liegt, sinnbildlich dargestellt, immer noch im Grab, während sich der Gottessohn Christus in menschlicher, aber veränderter Gestalt draußen im "Garten" (Symbol für Leben) aufhält. Dann hätte auch die Gestalt des Gärtners eine symbolische Bedeutung: Er pflegt das Reich des Lebens.

4. Leibhaftige Auferstehung gegen Doketismus

Warum haben dann aber die Doketisten nicht einfach behauptet, im Grab habe selbstverständlich die Leiche Jesu gelegen, und warum mussten sie das Symbol des Leichentuchs wählen? Der Schluss liegt nahe, dass sie das leere Grab nicht leugnen konnten. Es gab in Jerusalem wirklich ein leeres Grab und vielleicht sogar gebrauchte Grabtücher, die man als Beweis für eine leibhaftige Auferstehung vorbrachte. Daran kamen auch die Doketisten nicht vorbei. Die doketistische Auffassung ist also nicht die ursprüngliche.

   

 

 

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Datum: 1989 / 2015

Aktuell: 26.03.2016