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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Tot. Und jetzt?

Praktischer Ratgeber für den Ernstfall

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1. Ordnen Sie rechtzeitig Ihre Verhältnisse.

2. Lassen Sie einen Sterbenden nicht allein.

3. Lassen Sie den Sterbenden los.

4. Leisten Sie die letzten Liebesdienste nach dem Tod.

5. Haben Sie den Mut zu trauern.

 

Der Tod beginnt nicht erst dann, wenn das Herz stehen bleibt, sondern er meldet sich schon wesentlich früher, spätestens dann, wenn wir ahnen oder wissen, dass das Leben unwiderruflich zu Ende geht.

Wir sind dem Tod hilflos ausgeliefert. Wenn es drum und dran geht, sind alle unsere Bemühungen vergeblich. Wir stehen hilflos dabei und können nichts machen. Wir fühlen uns genauso hilflos, wenn es drum geht, unser eigenes Ende oder den Verlust eines lieben Menschen zu akzeptieren oder zu verstehen, was ist, wenn wir sterben und tot sind. Aber wir brauchen nicht hilflos dazustehen, wenn es darum geht, ein paar praktische Dinge zu beherzigen:

1. Ordnen Sie rechtzeitig Ihre Verhältnisse.

Dazu ist folgendes zu bedenken?

  • Haben Sie Ihr Testament gemacht? Ehepartner und Kinder erben auch ohne Testament, aber nicht automatisch der Lebensgefährte.

  • Sind alle Papiere greifbar? Hat ein Angehöriger eine Bankvollmacht?

  • Wünsche wegen der Abschiedsfeier sollten nicht im Testament stehen, sondern auf einem eigenen Blatt. Sprechen Sie auch mit Ihren Angehörigen darüber.

  • Sollen die Ärzte alles versuchen, um Ihr Leben zu verlängern, oder sollen sie nur versuchen, die Beschwerden zu lindern? Überlassen Sie nicht den Angehörigen die Entscheidung, sondern schreiben Sie auf, was Sie wollen.
    Die Christliche Patientenverfügung kann Ihnen helfen, Ihren Willen zu formulieren.

  • Sie müssen es auch schriftlich festhalten, wenn Sie Organe spenden oder Ihren Körper für medizinische Zwecke zur Verfügung stellen möchten.

2. Lassen Sie einen Sterbenden nicht allein.

Auch wenn der Sterbende sich nicht mehr äußern und nicht mehr sichtbar reagieren kann, merkt er offenbar doch, dass Sie bei ihm sind. Es ist sowohl für ihn als auch für Sie gut, wenn Sie in der letzten Stunde bei ihm sein können. Leider lässt sich das nicht immer verwirklichen.

3. Lassen Sie den Sterbenden los.

Nicht nur die Angehörigen müssen Abschied nehmen, sondern auch der Sterbende. Machen Sie den Abschied nicht noch schwerer, sondern geben Sie dem Sterbenden zu verstehen, dass jetzt alles geregelt ist und dass er gehen darf.

4. Leisten Sie die letzten Liebesdienste nach dem Tod.

Eine Abschiedsfeier ist keine fachmännische Entsorgung einer Leiche, sondern der letzte Liebesdienst, den wir einem Menschen erweisen können. Darum:

  • Nutzen Sie die Zeit unmittelbar nach dem Tod zu einer Totenwache. Wir wissen nicht, wann das Bewusstsein wirklich erlischt. Mindestens kann es für Sie eine Hilfe sein, mit dem geliebten Menschen noch eine Zeitlang zusammen zu sein. Holen Sie auch, wenn möglich, noch weitere Menschen dazu, die dem Toten wichtig waren. Sie können für eine gottesdienstliche Aussegnung auch einen Pfarrer dazu bitten.

  • Bevor Sie weitere Schritte unternehmen können, muss ein Arzt den Tod bescheinigen. Danach sollten Sie einen Bestattungsunternehmer kommen lassen, der Ihnen sagt, was weiter zu tun ist.

  • Sie können die Tote beerdigen oder verbrennen lassen. In beiden Fällen ist es üblich, dass wenige Tage nach dem Tod eine Abschiedsfeier in der Friedhofshalle stattfindet. Die Trauerfeier kann statt vor der Einäscherung auch im Zusammenhang mit der Urnenbeisetzung mehrere Wochen später stattfinden. Ferner ist es möglich, bei der Urnenbeisetzung auch dann eine kurze gottesdienstliche Handlung zu begehen, wenn eine regelrechte Trauerfeier schon stattgefunden hat.

  • Zuständig für die Abschiedsfeier ist grundsätzlich der örtliche Pfarrer oder die Pfarrerin der Kirche, welcher der Verstorbene angehört hatte. Für Menschen, die keiner Kirche angehörten, gibt es freie Redner. Das Bestattungsunternehmen kann Anschriften vermitteln. Es braucht aber keiner wie ein Hund verscharrt zu werden, nur weil sich niemand für eine anständige Beerdigung zuständig fühlt.

  • Es besteht die Möglichkeit, Nachrufe zu halten. Die Redner werden gebeten, sich vorher beim Bestattungsunternehmer zu melden.

  • Es ist üblich, dem Toten als letzten Gruß einen Kranz aufs Grab zu legen. Das sind manchmal so viele, dass die einzelnen, oft sehenswerten und bedeutenden Blumengrüße gar nicht mehr zur Geltung kommen können. Erwägen Sie daher folgende Alternativen:
    - Wie wär's mit einem Blumengutschein, damit das Grab auch dann geschmückt ist, wenn die Kränze abgeräumt sind?
    - Verantwortungsbewusste Menschen bitten oft an Stelle von Kränzen um eine Spende für einen guten Zweck. Wäre eine Spende statt eines Kranzes auch in Ihrem Sinne? Bitte reden Sie mit Ihren Angehörigen darüber.

  • Vergessen Sie nicht, die Trauergäste zum Kaffeetrinken einzuladen. Sie haben sich Zeit genommen für die Abschiedsfeier; wer weiß, wann Sie wieder mit ihnen zusammenkommen.

5. Haben Sie den Mut zu trauern.

Viele Menschen schämen sich heute, ihre Trauer zu zeigen. Für sie ist Trauer eine Sache des Gefühls, das andere nichts angeht. Sie tun dann so, als ob nichts gewesen wäre und verdrängen damit ihre Gefühle. Aber Gefühle leben davon, dass sie geäußert werde. Die alten Trauerbräuche haben einen Raum für Gefühlsäußerungen geschaffen, der allgemein anerkannt wurde.

Beispiele:

  • Ich saß bei einer Vereinsfeier in der Nähe eines Mannes, der einen schwarzen Schlips trug. Die Veranstaltung schloss mit einem Tanz; der Herr erklärte, dass er in Trauer sei und nicht tanzen möchte. Man akzeptierte das und ließ ihn in Ruhe.

  • In einer Odenwaldgemeinde, wo ich öfter Vertretung hatte, ist es üblich, dass die Hinterbliebenen in lautes Wehgeschrei ausbrechen, sobald der Sarg ins Grab gelassen wird - der kritischste Punkt bei der ganzen Zeremonie. Hier hat also jeder das Recht, laut zu weinen, wenn ihm danach ist, ohne sich bloßzustellen. Und wenn jemand nicht danach sein sollte, dann hält man sich eben an die Sitte und klagt mit, um diejenigen zu decken, die wirklich weinen müssen: ein Zeichen dörflicher Solidarität.

  • Mir selbst hat es bei einem Trauerfall sehr geholfen, dass wir nicht allein gelassen wurden, sondern dass unsre Freunde tagelang bei uns waren.

Haben Sie also Mut, ihre Trauer einzugestehen und nehmen Sie die Hilfe in Anspruch, die Ihnen andere bieten. Schon die Tatsache, dass die Abschiedsfeier eine öffentliche Veranstaltung ist, zeigt, dass Sie Ihre Trauer nicht allein bewältigen müssen, sondern dass es Menschen gibt, die Verständnis haben und Ihnen helfen wollen.

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Datum: 1998 / 2015

Aktuell: 26.03.2016