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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der reiche Jüngling

Kritisches Weihnachtsspiel für Konfirmanden

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Personen

1. Akt:
Maria und Josef auf der Herbergssuche

2. Akt:
Der reiche Jüngling

3. Akt:
Familie feiert Weihnachten.

 

Personen:

Jesus von Nazareth, Wanderprediger                           

Maria, seine Mutter

Josef Sohn Davids, sein Vater

Lindenwirt

Bärenwirt

Johannes, reicher Jüngling, Betriebsleiter

Salome, seine Mitarbeiterin

Stefan Habegeld, Industriekaufmann, Vater

Anja Habegeld, Mutter

Dirk Habegeld, 11 Jahre

Anke Habegeld, 8 Jahre

Sprecher

 

1. Akt: Maria und Josef auf der Herbergssuche

(Familie Habegeld sitzt nebeneinander auf einer Kirchenbank als Zuschauer des 1. Akts. Maria, Josef und der Wirt stehen während des vorhergehenden Lieds auf und stellen sich an den Weihnachtsbaum, dessen Kerzen bis zum 3. Akt aus sind.)

Lindenwirt: Tut mir leid, bei mir ist kein Platz. Fragt mal beim Bärenwirt.

Josef: Sie sehen doch, dass meine Frau ein Kind erwartet und dass es  jeden Augenblick kommen kann. Sind Sie denn so herzlos, uns wegzuschicken, wo Sie genau wissen, dass die Stadt mit Fremden überfüllt  ist und der Bärenwirt wahrscheinlich auch kein Zimmer frei hat?

Lindenwirt: (schweigt verlegen, nach kurzer Pause:) Ich könnte Ihnen ja noch ein Zimmer frei machen. Aber das ist gegen die Vorschrift. Ich möchte keine Scherereien. Also, bei mir ist nichts zu machen. Auf Wiedersehn.

(Maria und Josef gehen enttäuscht weiter).

Lindenwirt: Das wäre ja noch schöner, wenn ich dieses Gesindel aufnehmen würde. Wer weiß, ob sie überhaupt zahlen können. (ab).

Maria: Ach Josef, es ist so entmutigend, wenn man überall abgewiesen wird. Die Traube ist belegt, in der Linde ist kein Platz, und der Bärenwirt wird uns auch nicht wollen.

Josef: Ich habe den Eindruck, das sind nur  faule Ausreden! Die wollen uns nicht, weil wir arm sind, und weil sie glauben, dass wir nicht zahlen können.

Maria: Wir stellen doch gar keine großen Ansprüche. Nur ein Dach über dem Kopf und ein weiches Lager. Lange mach ich das nicht mehr mit. Ich glaube, ich habe schon die ersten Wehen. Es wird dringend Zeit, dass wir irgendwo unterkommen. Und wenn’s in einem Stall ist.

(Kommen beim Bärenwirt an und gehen in die Wirtschaft = Sakristei. Man hört sie sprechen.)

Josef: Wir suchen ein Zimmer. Meine Frau muss sich dringend hinlegen, weil das Kind jeden Augenblick kommen kann.

Bärenwirt: Haben Sie es schon in der Linde probiert?

Josef: Ja, aber da war kein Zimmer frei. Und in der Traube auch nicht.

Bärenwirt: Ich kann Ihnen leider auch keins geben. Unser Haus ist belegt. Gehn Sie doch zum Verkehrsbüro und fragen nach einem Privatzimmer. Das Büro ist im Rathaus.

Josef: Danke für den Hinweis. wir werden’s mal versuchen. Wiedersehn. (Maria und Josef kommen wieder raus).

Maria: Die wollen uns auch nicht. Ich hab bald keine Lust mehr zu fragen. Aber wir müssen doch irgendwo unterkommen!

Josef: Du hast mich vorhin auf eine Idee gebracht, Maria! Hast du die Höhle gesehen, kurz bevor wir in die Stadt kamen? Die wird als Stall benutzt, steht aber um diese Zeit leer, weil die Schafe auf der Weide sind. Dort gibt’s bestimmt ein bisschen Stroh, wo du dich hinlegen kannst. Komm wir gehen dorthin. Es ist gar nicht weit. (beide ab)

Maria: Besser ein Stall als auf der Straße liegen. Ich kann bald nicht mehr.

Lied

(Dabei verlässt Familie Habegeld die Kirche durch den Haupteingang, geht außenherum in die Sakristei und bleibt drinnen stehen.)

Zwischenstück

Sprecher: Jesus wurde arm geboren. Der Engel sagte, Er sei der Retter der Welt. Die Hirten glaubten dem Engel und besuchten Jesus. Die Weisen aus dem Morgenland huldigten Ihm als dem neuen König der Juden. Daran denken wir an Weihnachten.

Aber die Geschichte muss weitergehen. Wir dürfen nicht bei dem Kind in der Krippe stehen bleiben.

Dreißig Jahre später. Aus dem Kind in der Krippe wurde ein erwachsener Mann, der als Wanderprediger durch das Land zog, Wunder tat und sagte: “Gott ist in die Welt gekommen und richtet Seine Herrschaft auf. Er liebt die Menschen und will, dass keiner verloren geht, sondern dass alle das Heil finden.“

Eines Tages bekam Jesus Besuch.

2. Akt: Der reiche Jüngling

(Während des Zwischenstücks stellen sich Johannes und Salome an den Haupteingang. Sobald der Sprecher fertig ist, gehen sie langsam nach vorn und beginnen ihr Gespräch).                       

Johannes: (noch unterwegs): Ich bin ja mal gespannt auf den Meister. Ich habe schon viel von Ihm gehört;

Salome: Ja, Er soll viele Kranke geheilt und sogar Tote auferweckt haben.                    

Johannes: Und hat ein Herz für die Armen. Wenn ich die vielen Bettelkinder unterwegs ansehe, (zeigt auf die Gottesdienstbesucher) tun sie mir richtig leid. Aber ich kann doch nicht mein ganzes Geld für Unterstützungen ausgeben.        

Salome: Dann wäre ihnen ja auch nicht geholfen. Heute haben sie zu essen und morgen wieder Hunger.

Johannes: Der Meister Jesus scheint eine Idee zu haben, wie man ihnen helfen könnte. Wenn Er Geld braucht, ich wäre bereit, ihm 1000 Mark zu geben.

Salome: Und vergiss ja nicht, was du von Ihm willst!

Johannes: Ja natürlich, ich denke dran: Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Anständig sein, das reicht ja wohl nicht. Gott verlangt sicher mehr. Vielleicht kann mir der Meister eine Antwort geben.

(Sie kommen zu Jesus.)

Johannes: Guten Tag, sind Sie der Meister Jesus, von dem man so viel erzählt?

Jesus: Ja, der bin ich.

Johannes: Angenehm, ich bin Johannes und das ist meine Mitarbeiterin Salome. - Ich habe da eine Frage, guter Meister, und hoffe, dass Sie mir sie beantworten können: Was muss ich tun, damit ich in den Himmel komme?

Jesus: Wieso nennst du mich gut? Keiner ist gut außer Gott.- Aber um deine Frage zu beantworten: Du kennst ja die Gebote: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren - du sollst nicht töten - du sollst nicht ehebrechen - du sollst nicht stehlen - du sollst nicht falsches Zeugnis reden - du sollst nicht begehren.

Johannes: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an. Ich möchte aber mehr tun für Gott.

Jesus: Das gefällt Mir. Ich finde gut, dass du dir Gedanken machst und nicht so in den Tag hinein lebst. (Pause).

Johannes:  Ja, was soll ich tun? Was raten Sie mir?

Jesus: Du gibst dir Mühe, so zu leben, wie es Gott gefällt. (Pause) Du machst dir Gedanken über Gott. (Pause) Du hältst die Gebote. (Pause) Du hast Geld und spendest doch sicher auch für die Armen.

Johannes:  Aber natürlich, Meister.

Jesus: Da fehlt dir nur noch eins.

Johannes: Und das wäre?

Jesus: Verkaufe alles, was du hast und gib’s den Armen, dann hast du ein großes Vermögen im Himmel. Und dann komm und folge mir nach und nimm dein Kreuz auf dich. Verlass alles, was du hast, komm mit mir und teile mein Leben in Armut und Entsagung.

Johannes (schweigt verlegen; nach einer Pause): Danke für Ihre Auskunft, Meister. Wissen Sie, das ist gar nicht so einfach, das ist kein leichter Schritt, den Sie von mir verlangen. Ich werde mir’s noch mal überlegen. Auf Wiedersehen.

Johannes (im Weggehen zu Salome): Ich weiß nicht, ob ich das kann, Salome. Was mach ich dann mit meinem alten Vater, den muss ich doch unterstützen, weil er alt und krank ist. Und wenn ich unseren Betrieb aufgebe, dann werden 20 Leute arbeitslos und müssen betteln. Ich kann doch nicht alles hergeben. Weißt du, Salome, ich hätte ihm auch 3.000 oder 5.000 gegeben. Aber alles für Gott - ist das nicht ein bisschen viel?

Salome:   Vielleicht ist ein Bisschen besser als gar nichts.

Johannes:  Du hast recht. Ich spende dem Waisenhaus in Jerusalem 5.000 Euro.

Zwischenstück:

Sprecher: Eintausend neunhundert drei und siebzig Jahre (bitte vom Jahr 30 aus aktualisieren) später. Die Probleme haben sich verlagert. Zwar gibt es auch Arme in unserem Land; aber im wesentlichen geht es allen gut, viel besser als Jesus und seinen Zeitgenossen. Vielleicht gehören wir auch zu den reichen Jünglingen und Jungfrauen. Dagegen gibt es sehr viele Arme  in anderen Teilen der Welt. Wir erleben ihr Elend nicht so hautnah wie zur Zeit Jesu, aber wir wissen davon. Wie verhalten wir uns? Gilt das, was Jesus gesagt hat, auch heute?

3. Akt: Familie feiert Weihnachten.

(Die Habegelds stehen noch immer in der Sakristei. Der Altarraum ist jetzt das Weihnachtszimmer. Die Szene beginnt in der Sakristei.)

Mutter:: So Kinder, ich gehe jetzt ins Wohnzimmer, dem Christkindchen helfen. Wenn’s klingelt, dürft ihr kommen. Und dass mir keiner durchs Schlüsselloch guckt. Der Papa bleibt bei euch und passt auf. (kommt in die Kirche, legt Päckchen unter den Weihnachtsbaum und steckt die Kerzen an. Dann klingelt sie).

(Vater und Kinder kommen herein).

Anke: Ich bin mal gespannt, was ich kriege. Hoffentlich sind die Reitstiefel dabei, und der Fernseher. Und auf den CD-Player freu mich auch schon.

Dirk: Das werden wir ja gleich haben, komm, wir machen die Päckchen  auf.

Vater: Jetzt erst mal langsam. Erst wird gesungen. Das haben wir  immer so gemacht.

Dirk: Wir haben doch erst in der Kirche gesungen. Außerdem hab ich Halsweh!

Vater: Dann singst du halt nicht mit, aber die anderen können doch singen. Anke,  leg mal die CD auf!

(Singen mit Orgel:) Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all.

Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall

und seht, was in dieser hochheiligen Nacht

der Vater im Himmel für Freude euch macht.

Mutter: Wie geht’s denn weiter?

Vater: Weiß auch nicht, ist ja auch egal. Da guckt halt mal, was euch das Christkindchen gebracht hat.

(Kinder stürzen sich auf die Geschenke und reißen hastig die Päckchen auf.)

(währenddessen): Dirk: Nach viel sieht das nicht aus, jeder bloß ein Päckchen.

Anke: Ja, letztes Jahr hatte ich mindestens fünf.

Dirk: Da muss sich das Christkindchen schon sehr anstrengen, wenn in dem kleinen Päckchen was Anständiges drin sein soll.

Mutter: Jetzt hört mal auf zu maulen und guckt erst, was drin ist.

Dirk (hat sein Päckchen auf): Ooch, bloß den Astronomiekasten! Ich hatte mir doch auch einen Gameboy und das neue Buch der Rekorde und einen Camcorder und die neue CD von den Mountain Rockers gewünscht.

Anke: Und ich hab bloß die Reitsteifel gekriegt. Und keinen Fernseher und kein Keyboard und keinen CD-Player und die Lewis auch nicht.

Vater: Gelt ihr seid enttäuscht?

Anke: Und wie!

Dirk: Enttäuscht ist überhaupt kein Ausdruck. Das ist ja mager dieses Jahr! Ihr habt wohl die Telefonrechnung nicht bezahlen können?

Vater: Setzt euch mal an den Tisch, ich muss euch was erzählen.

Dirk: Vom Weihnachtsmann, der im Schnee stecken geblieben ist.

Vater: Nein, von meiner Geschäftsreise nach Indien.

Anke: Was hat denn das mit Weihnachten zu tun?

Vater: Das werdet ihr gleich sehen. Ich hatte euch doch schon im November, wie ich gerade daheim war, erzählt, was in Indien für eine große Armut herrscht. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

Dirk: Ja, und wir hatten uns überlegt, was wir tun könnten, um zu helfen.

Mutter: Da fiel mir ein, dass im Gemeindebrief was von “Brot für die Welt“ steht.

Anke: Stimmt ja, und wir hatten gemeint, da könnten wir in diesem Jahr mal ein bisschen was an den Weihnachtsgeschenken sparen und etwas mehr für die Hungernden tun. Da habe ich gar nicht mehr dran gedacht.

Dirk: Ich hätte aber doch lieber den Gameboy gehabt.

Vater: Alles kann man nicht haben. Wir hatten uns doch geeinigt, dass es dieses Jahr nur ein Geschenk gibt. Und ihr habt euch einfach zu viel gewünscht. Da ist uns die Auswahl schon ein bisschen schwer gefallen.

Dirk  Da hast du vielleicht recht.

Anke: Und was machen wir jetzt mit den armen Kindern in Indien?

Mutter: Papa hat ausgerechnet, dass wir 600 Euro gespart haben, dadurch dass wir euch nur ein Geschenk gemacht haben. Und wir legen noch mal 400 drauf, da haben wir 1000.

Dirk: Ich könnte 70 Euro von meinem Sparbuch locker machen.

Anke: Und ich geb 80 von meinem Taschengeld. Da muss ich halt noch ein bisschen länger für … sparen.

Mutter: Wir haben auch schon die Oma gefragt, die gibt auch 150 Euro dazu.

Dirk: Das wären zusammen 1300 Euro.

Vater: Da wollen wir mal gleich Nägel mit Köpfen machen und das Geld überweisen.- Weiß jemand die Kontonummer?

Dirk: Die steht doch im letzten Gemeindebrief. Anke, guck mal, wo der ist!

Anke (mault): Immer ich! (ab).

Dirk: Der Pfarrer hat neulich in Reli die Geschichte vom reichen Jüngling erzählt. Der sollte alles den Armen geben. Aber er konnte nicht, weil er zu viel hatte. Papa, meinst du nicht, dass ein Bisschen besser ist als gar nichts?

Vater: Ich glaube schon. (Anke bringt inzwischen den Gemeindebrief; Vater sucht die Nummer und füllt ein Überweisungsformular aus).

Vater: Kommt, wir machen einen Spaziergang und bringen den Zettel gleich auf die Sparkasse.

Anke: Au ja!

(Alle ab.)

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Datum: 1984 / 1995 / 2015

Aktuell: 26.03.2016