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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die keltischen Sprachen

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1. Spracheigen-tümlichkeiten

a. keine festen Konsonanten

b. Ausfall von /p/ (gemeinkeltisch)

c. Ersatz von /qu/ durch /k/ oder /p/

d. Ausfall des anlautenden /s-/ (nur im Britannischen)

e. Ersatz von /w/ durch /f/- oder /gw/

2. Parallelerschei-nungen in anderen indogermanischen Sprachen

a. Ausfall des /p/

b. Ersatz von /qu/ durch /p/

c. Ausfall des anlautenden /s-/

3. Keltische Dialekte

a. Gaelisch

b. Britannisch

c. Gallisch

d. Vergleich

i. Laute
ii. Neukeltische Vaterunser

 

1. Spracheigentümlichkeiten

Das Keltische weist folgende Eigentümlichkeiten im Vergleich mit anderen idg Sprachen auf:

a. keine festen Konsonanten

Die modernen keltischen Sprachen unterscheiden auch im Anlaut verschiedene Variationen der Konsonanten je nach lautlicher Umgebung und bringen das auch in der Schrift zum Ausdruck, z.B.

cymr. merch 'Mädchen' - y ferch 'das Mädchen, cadair 'Stuhl' - y gadair 'der Stuhl'
car 'Wagen' - ei gar e 'sein Wagen' - 'y nghar i 'mein Wagen' - ei char hi 'ihr Wagen'
ir. bán 'weiß'  - bhán 'eine weiße Kuh', mór 'groß' - fir mhóra 'große Männer'

Das müssen wir auch fürs Altkeltische annehmen, wie verschiedene Schreibvarianten nahelegen:

air mrog =  cymr. bro 'Land'
Duc / Ðuc (Stadt)
gena / cenna 'Tochter'
Vesontio / Besantio - Bingium / Vincum (Städte)

Diese Eigentümlichkeit könnte zu manchen der folgenden keltischen Lautänderungen geführt haben:

b. Ausfall von /p/ (gemeinkeltisch)

lat. pater  = air áthair 'Vater'
dt. Hafen = air. cúan (< *copno-)
Aber: lat. piscis = ir. iasc = cymr. pysgod 'Fisch'

Das Cymrische hat auffallend viele Wörter mit /p-/, von denen eine ganze Anzahl lateinischer und englischer Herkunft sind; wieder andere sind aus /qu-/ entstanden; dennoch ist damit wohl noch nicht alles erklärt. Liegt hier der Einfluss einer weiter Sprache vor?

Anlautendes /p-/ findet sich schon in römischer Zeit in gallischen und britannischen Namen: VN Parisii an der Seine, Picti in Schottland, Pictones an der Loire-Mündung (Poitou), Petrocorii und Pitanii in Aquitanien, Pleu­moxii im Herrschaftsgebiet der Nervier; PN Prasutagus (Icener): Überbleibsel vorkeltischer Namen?

c. Ersatz von /qu/ durch <c> = /k/ oder /p/

Idg /qu/ ist im Gallischen und Britannischen zu /p/, im Gaelischen zu <c> = /k/ gewor­den:

idg. penque 'fünf' = ir. cúig, gall pompe, cymr. pump
lat.
equus 'Pferd' = gael. each, gall epo-; cymr. ebol 'Fohlen' (< *epolos)

Wahrscheinlich wurde zur Zeit der Abwanderung der Gaelen nach Irland das /qu/ noch als [kw] gesprochen, so dass die Differenzierung erst nach der Abwanderung erfolgte.

d. Ausfall des anlautenden /s-/ (nur im Britannischen)

lat. senex 'Greis' = ir. sen, cymr. hen.

Wie altbritische Namen zeigen, war das /s/ noch in römischer Zeit erhalten, vgl. etwa den Flussnamen Severn < Sabrina. Der Wandel /s > h/ scheint also erst später vollzogen worden zu sein.
Andererseits scheinen verschiedene Ortsnamen in Deutschland offenbar eine ähnliche Entwicklung: Salzgewinnung in Halle a.d. Saale, Hallein a.d. Salzach, Hallstadt (zu cymr. halen 'Salz'; Hallstadt gab der älteren keltischen Kultur regelrecht den Namen). Wie im Städtenamen Halle und dem Flussnamen Saale haben sich anscheinend auch in Halle 'großes Haus' und Saal 'großer Raum' zwei Dialektformen nebeneinander gehalten.

e. Ersatz von /w/ durch /f/ oder /gw/

lat. vir 'Mann = ir. fear, cymr. gwr

Gallische (VN: Volcae) und altbritannische Namen (Insel Vectis 'Wight') haben noch die Schreibung <v->; die Römer sahen also keinen Unterschied zu ihrer Aussprache dieses Buchstabens; die Differenzierung erfolgte also erst später (romanischer Einfluss in Britannien, cymr. Gwilym = frz. Guillaume 'Willhelm'; ein Versuch der Romanen, das keltische und germanische /w/ auszusprechen - eigene Entwicklung im Gaelischen).

2. Parallelerscheinungen in anderen indogermanischen Sprachen

a. Ausfall des /p/

im Armenischen (lat. pater 'Vater' = ir. áthair, arm. hair), evtl. über den Umweg über /p > f > h/. Im Spanischen ist lat. /f/ in einigen Fällen zu stummen /h-/ geworden (lat. farina = span. harina 'Mehl'.

b. Ersatz von /qu/ durch /p/

teilweise im Griechischen (lat. equus = gall. epona = griech hippos).

c. Ausfall des anlautenden /s-/

im Griechischen, Iranischen und Armenischen

'Salz' = cymr. halen, griech. halas, arm al
'Sommer' = acymr. ham, awest. hama, armen amarn

Es zeigen sich also besonders deutliche Beziehungen zum Armenischen und Iranischen, ferner zum Griechischen: vorgeschichtliche Wanderbewegung oder Überlagerung einer gleichartigen Urbevölkerung?

3. Keltische Dialekte

Von allen keltischen Sprachen, die im Altertum von Portugal bis nach Böhmen und von Schottland bis nach Oberitalien gesprochen wurden, sind nur die keltischen Dialekte der britischen Inseln und der Bretagne übrig geblieben. Wir kennen ferner schriftliche Dokumente dieser Sprachen, vor allem des Irischen, die bis ins 7er-Jahrhundert zurückgehen, antike Inschriften aus Westeuropa sowie ein paar Zeugnisse bei griechischen und römischen Autoren. Über die keltischen Sprachen des Altertums sind wir also nur oberflächlich informiert (→ Erbwörter, Altkeltische Wörterliste).

Die modernen keltischen Sprachen lassen sich in zwei große Gruppen einteilen:

a. Gaelisch

gesprochen in Irland (Gaeilge), Schottland (Gàidhlig) und auf der Insel Man (Manx). Die Vorfahren der Schotten waren im frühen Mittelalter aus Irland gekommen. Diese Sprachen unterscheiden sich nicht mehr als Deutsch und Niederländisch.
Das Gaelische hat anlautendes /s/ erhalten und ersetzt altes /q/ durch /c = k/ und /w/ durch /f/. Es unterscheidet sich vom Britannischen erheblich in Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung.

b. Britannisch

gesprochen in Wales (Cymraig, cymrisch) und in der Bretagne (Breton). Dazu gehört auch das ausgestorbene Cornische auf der Halbinsel Cornwall.
Diese Sprachen ersetzen anlautendes /s/ durch /h/ und /q/ durch /p/ und /w/ durch /gw/. Auch sie sind einander ähnlich, unterscheiden sich aber vom Gaelischen wie Deutsch und Schwedisch.

Die Vorfahren der Britannier waren aus Gallien gekommen; daher ist die alte Sprache Galliens:

c. Gallisch

dem Britannischen sehr ähnlich.

Sicher gab es auch im Festländischen Keltischen dialektische Unterschiede. So scheinen die Raeter (im Alpenvorland), die Iberer in Spanien und die Ligurer in Südfrankreich eine eigene, nicht keltische Sprache gehabt zu haben, die sich später auf die keltischen Mundarten ausgewirkt haben.
Aber auch im keltischen Kerngebiet, das von Böhmen bis ins östliche Frankreich ging, wird es regionale Dialekte gegeben haben, die sich aber nicht recht fassen lassen.

d Vergleich

i. Laute

Wort gallisch cymrisch gaelisch

lat. plenus 'voll'

lanos

lawn

làn

lat equus 'Pferd'

epo-

ebol 'Fohlen'

each

lat. senex 'Greis'

senos

hen 'alt'

sen 'alt'

lat. quattuor 'vier'

petor

pedwar

ceithir

lat. vir 'Mann'

viros

gŵr

fear

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

 
   


ii. Neukeltische Vaterunser
Einige Unterschiede sind durch verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten bedingt (Satzbau, Wortwahl), sind also keine Unterschiede zwischen den Sprachen.
cymrisch bretonisch irisch gaelisch
Ein Tad, yr hwn wyt yn y nefoedd, Hon Tad, c'hwi hag a zo en Neñv, Ár n-Athair, atá ar neamh:
.
Ar n-Athair a tha air nèamh,
sancteiddier dy Enw. ra vo santelaet hoc'h ano. go naofar d’ainm gu naomhaichear d'ainm
Deled dy deyrnas. Ra zeuio ho Rouantelezh. Go dtaga do Ríocht.  Thigeadh do rìochachd.
Gwneler dy ewyllys
megis yn y nef, felly ar y ddaear hefyd.
Ra vo graet ho youl war an douar evel en neñv. Go ndéantar do thoil ar an talamh, mar dhéantar ar neamh. Dèanar do thoil air an talamh, mar a nìthear air nèamh.
Dyro i ni heddyw ein bara beunyddiol. Roit dimp hizio bara hor bevañs. Ár n-arán laethiúl tabhair dúinn. Tabhair dhuinn an-diugh ar n-aran làitheil.
A maddeu i ni ein dyledion,
fel y maddeuwn ninnau i'n dyledwyr.
Distaolit dimp hon dleoù
evel m' hor bo ivez distaolet d' hon dleourion.
Maith sinn ár bhfiacha, mar mhaithimid dár bhféichiúnaithe féin. Agus maith dhuinn ar fiachan, amhail a mhaitheas sinne dar luchd-fiach.
Ac nac arwain ni i brofedigaeth; Ha n' hon lezit ket da vont gant an temptadur, Agus ná lig sinn i gcathú, Agus na leig ann am buaireadh sinn;
eithr gwared ni rhag y drwg. met hon dieubit eus an Droug. ach saor sinn ó olc. ach saor sinn o olc;

Quelle: Convent of Pater Noster. The Lord's Prayer in 1221 languages and dialects

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1990 / 2015

Aktuell: 07.11.2016