Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die keltischen Völker

Email:

1. Gesamtnamen:

Kelten

Hyperboreer

Gallier / Galater

 Walen

2. Mitteleuropa:

Boii

Volcae

3. Westeuropa

Belger

Gallier

 Aquitaner

4. Pyrenäenhalbinsel:

Keltiberer

5. Britische Inseln

a. Britannier:
Bretonen
Cornen
Pikten

Cymren

b. Gaelen:
Schotten
Iren

 

Caesar, Bellum Gallicum 1,1

Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.

Gallien ist in drei Hauptteile gegliedert: Den einen bewohnen die Belger, den zweiten die Aquitaner, den dritten die Stämme, die in ihrer eigenen Sprache "Kelten", auf Lateinisch "Gallier heißen".

 

1. Gesamtnamen

Kelten: Selbstbezeichnung

  • zu germ. hilðja 'Kampf' oder

  • zu lat. celsus 'hoch', lit. keltas 'gehoben' [1]

Hyperboreer: alter griechischer Name für die Leute an der Donau

  • griech. ὑπέρ hypér 'über' + βορέας boréas 'Norden' (oder alter Gebirgsname), also 'Nordleute' bzw. 'Leute hinterm Berg'.

Später haben die Griechen den Namen durch Kelten oder Galater ersetzt.

Gallier: römischer Name
Name der Keltenstämme, die sich um 400 in der Poebene niederließen (Gallia Cisalpina) auf die Bewohner Südfrankreichs (Gallia Transalpina) übertragen (keltisierte Ligurer)

Walha: germanischer Name

  • < Stammesname Volcae, die einmal die südwestlichen Nachbarn der Germanen waren

2. Mitteleuropa

Boii:
nach Cosinna ursprünglich am Main und Neckar,
[4] wurden nach Südgallien vertrieben.
Ein Teil zog nach Italien und weiter über Griechenland nach Kleinasien, wo sie sich als Galater  niederließen.
Ein anderer Teil zog wieder nach Mitteleuropa und gab der Landschaft Boehaemum 'Boiheim' > Böhmen ihren Namen.
Von den Boiern leitet sich der Name der Bai-warii > Baiern ab (eigentlich 'die Bewohner von Boiheim')

  • Vgl. russ. бой boj 'Kampf'

Volcae:
ursprünglich zwischen Rhein, Main und Leine, um 300 vertrieben. Ihr Name wurde zum germanischen Wort für 'Kelten'

  • 'Krieger'

3. Westeuropa

Belger = linksrheinische Kelten, die nach Frankreich, Britannien (um 130 v. Chr.) und Spanien vorstoßen [6]

  • Der Name hängt wohl mit air. bolgaim 'ich schwelle', anord. belgja 'aufblasen', ahd. belgan '(anschwellen >) in Zorn geraten' zusammen. Die Bedeutung ist unklar: 'die Aufgeblasenen > Stolzen'? Dazu würde Kelten 'die Hohen > Hochmütigen' passen.

Nach irischer Tradition hieß ein Volk, das die Insel besiedelte, Fir Bolg 'Leute der Aufgeblasenheit (?)'. Das scheinen die ersten keltischen Siedler auf Irland gewesen zu sein, also lange vor 130.

Gallier: keltisierte Ligurer in Südfrankreich, später auf alle Kelten westlich des Rheins übertragen.

Aquitaner = Basken in Südwestfrankreich. Der keltische Name des Landes war  Aremorica 'Meerland'. [7]

  • Der Name Aquitanien kommt aus dem Lateinischen (aqua 'Wasser', also 'Wasserland')

4. Pyrenäenhalbinsel

Keltiberer 'Kelten im Land des Flusses Iber / Ebro, keltische Spanier'

 

5. Britische Inseln

a. Britannier

 

Die Bretonen sind von den Angelsachsen nach Gallien verdrängte Britannier.

Ein britannischer Dialekt war das Cornische auf der Halbinsel Cornwall, das bis vor kurzem noch gesprochen wurde.

  • lat. Cornovii war der Name eines Stammes, der sich auf der südöstlichen Halbinsel niedergelassen hatte, daher lat. Cornubium, corn. Kernow, cymr. Cernyw

  • engl. Cornwall < *Corn-Wealha 'die cornischen Kelten'

  • der Stammesname zu akelt. *cornu 'Horn'

Die Pikten
in Ostschottland waren wohl Nachkommen der vorbelgischen Inselbewohner, sprachen aber in historischer Zeit einen britannischen Dialekt.

  • Ihr lateinischer Name bedeutet dasselbe wie keltisch Britannier: 'die Bemalten, Tätowierten'.

Cymren: keltische Bewohner von Wales
akelt. Com-brogos > bret. kenvro 'Landsmann', cymr. Cymro 'Waliser', Cymru 'Wales'

 

b. Gaelen

aus Irland gekommene Bewohner von Schottland, heute Selbstbezeichnung der keltischen Iren und Schotten.

  • cymr. Gwyddyl, air. Góidel, gael. Ghàideal, ir. Gael

  • Wie die cymr. Form zeigt, scheint der Name eine Bezeichnung der Britannier für ihre neuen Nachbarn im Norden zu sein: zu acymr. gwyddeli 'Buschland', also 'Bewohner der Wildnis'? Vgl. unser Heiden, ursprünglich 'Heidebewohner'

Schotten: Ursprünglich gleichbedeutend mit Gaelen, später auf die Nordbritannier eingeschränkt. Wenn Gaelen eine Fremdbezeichnung ist, war Schotten wohl die Selbstbezeichnung.
Im heutigen Sprachgebrauch ist Scots der englische Dialekt von Schottland.
Scotti, aengl. Scyttisc, ir. Scuit, cymr. Yscot

  • vgl. aslaw. скотъ skotŭ 'Vieh, Besitz', got. scats 'Geldstück', also 'Viehbesitzer' [9]

Iren: Ursprünglich 'Bewohner von Irland'
Das Land hieß griech.
Ἰέρνη, Ἰουέρνη Iérnē, Iuérnē, air. Ériu, ir. Éire, cymr. Iwerddun, mbret. Yuerdon, lat. Hibernia

  • vgl. griech. πίειρα píeira 'fett, fruchtbar', Πιερία Piería, Landschaft. [10]
    Altes /p/ ging im Keltischen verloren.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

[1] Holder 1,888. Vielleicht im Sinn von 'Hochland-, Mittelgebirgsbewohner', vgl. zu den Chauken.

[4] Holder  1,463

[6] Pauly 1,853f

[9] Holder  2,1406

[10] Holder  2,99f

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2003 / 2015

Aktuell: 27.05.2017