Quellen: Beruf

  • Sirach 11

    • hebräisch 21 בני שלם בחוקך ובו  ובמלאחכתך התישן 20 אלתתמה בפעלי און האמין לי'י וקוה לאורו
      20
      Bənî, šəlam bə-ḥuqqə-ká u-bô tähgǟ; u-bi-malʔaktə-ká hitjášen. 21 Al titmáh bə-poʕªlê áwän; haʔªmen bə-JJ wə-qawwǟ lə-ʔôrô.

      • = 20 Mein Sohn, sei ganz bei deiner Bestimmung und sinne über sie, und mit deinem Auftrag werde alt. 21 Wundre dich nicht über die, die Unrecht tun, vertraue auf Jahwe und harre auf sein Licht.

    • Septuaginta 20 Στῆθι ἐν διαθήκῃ σου καὶ ὁμίλει ἐν αὐτῇ καὶ ἐν τῷ ἔργῳ σου παλαιώθητι. 21 μὴ θαύμαζε ἐν ἔργοις ἁμαρτωλοῦ, πίστευε δὲ κυρίῳ καὶ ἔμμενε τῷ πόνῳ σου·

      • = Stehe in deiner überkommenen Pflicht ("Testament") und wandle in ihm und in deinem Tun von alters her. Hab keinen Gefallen an den Taten des Sünders, vertraue aber dem Herrn und bleibe bei deiner Bemühung.

    • Vulgata 21 sta in testamento tuo et in illo conloquere et in opere mandatorum tuorum veteresce 22 ne manseris in operibus peccatorum fide autem in Deo et mane in loco tuo

      • =  Stehe in deiner Verfügung ("Testament") und wandle in ihr und werde alt im Tun, was dir geboten ist. Bleibe nicht bei den Taten der Sünder, vertraue aber auf Gott und bleibe auf deinem Posten.

    • Luther 1545 20 BLeibe in Gottes wort / vnd vbe dich drinnen / vnd beharre in deinem Beruff / Vnd las dich nicht jrren / wie die Gottlosen nach Gut trachten. 21 Vertrawe du Gott / vnd bleibe in deinem beruff

    • Luther 2017 20 Bleibe bei dem, was dir anvertraut ist, und übe dich darin, und bis ins Alter bleibe bei deinem Tun. 21 Lass dich nicht davon beirren, wie die Gottlosen zu Geld kommen, sondern vertraue dem Herrn und halte aus in deinen Mühen

Kommentar

  • חוק ḥoq 'Bestimmtes, Festgesetztes' 254 kann man verstehen als

    • 'schicksalhafte Bestimmung, Stand, Beruf'

    • 'religiöse Pflicht' (Pl. 'Gebote Gottes)

      • תהגה tähgǟ 'sinne nach' // Ps 1,2 jähgǟ 'und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!'

    • 'deine Arbeit'

      • // מלאחכתך malʔaktə-ká 'dein Auftrag'

    • Dass nicht 'dein momentanes Pensum' gemeint ist, zeigt "werde alt".

    Sinn nach dem Kontext: Trachte nicht nach schnellem Reichtum (wie die Übeltäter), sondern ernähre dich redlich in deinem Beruf und bleibe dabei.

  • διαθήκη diatʰḗkē 'Anordnung, Testament, Bündnis' 344; hbr. ברית bərît 'Abmachung, Bündnis, auch Gottes Bund mit Israel' 116; ≧ lat. testamentum 'letztwillige  Verfügung'.

    • Luther denkt an die Testamente der Bibel und übersetzt nicht ganz zu Unrecht "Gottes Wort" // חוק ḥoq


  • 1. Kor 1,26f

    • griechisch

      • 26 Βλέπετε γὰρ τὴν κλῆσιν ὑμῶν, ἀδελφοί, ὅτι οὐ πολλοὶ σοφοὶ κατὰ σάρκα, οὐ πολλοὶ δυνατοί, οὐ πολλοὶ εὐγενεῖς· 27 ἀλλὰ τὰ μωρὰ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεός...

      • Blépete gàr tḕn klêsin hymôn, adelpʰoí. hóti ou polloì sopʰoì katà sárka, ou polloì dynatoí, ou polloì eugeneîs; allà tà mōrà toû kósmou exeléxato ho tʰeós...

      • = Denn seht eure Berufung an, Brüder, dass nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Wohlgeborene; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt...

    • lateinisch

      • 26 videte enim vocationem vestram fratres quia non multi sapientes secundum carnem non multi potentes non multi nobiles 27 sed quae stulta sunt mundi elegit Deus

      • = Denn seht eure Berufung an, Brüder, dass nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle; sondern was töricht ist der Welt hat Gott auserwählt...

  • 1. Kor 7,20

    • griechisch

      • ἕκαστος ἐν τῇ κλήσει ᾗ ἐκλήθη, ἐν ταύτῃ μενέτω.

      • hékastos en têı klḗseiı eklḗtʰē, en taútēı menétō.

      • = Jeder in der Berufung, in der er berufen ist, in der bleibe er.

    •   lateinisch

      • unusquisque in qua vocatione vocatus est in ea permaneat

      • Jeder, in welcher Berufung er berufen ist, in der bleibe er.

      • Luther
        1522 Eyn yglicher bleybe ynn dem ruff, darynnen er beruffen ist.

      • 1912 Ein jeglicher bleibe in dem Beruf, darin er berufen ist.

      • 2007 Ein jeder bleibe in der Berufung, in der er berufen wurde.

Kommentar

  • Kontext:

    • 1.Kor 1

      • Das frühe Christentum rekrutierte sich vor allem aus der Unterschicht, ohne Bildung und politischen Einfluss.

      • Man könnte κλήσις klêsis fast mit 'Bürgerklasse' übersetzen, um so mehr, als nicht von Gottes Ruf, sondern von seine Erwählung die Rede ist.

    • 1.Kor 7

      • Paulus behandelt vorher eine Behauptung der Korinther: "Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren" und geht auf Ehe, Ehelosigkeit und Scheidung ein und kommt zu der Überzeugung: der Personenstand spielt für einen Christen keine Rolle (verheiratet / unverheiratet, beschnitten / unbeschnitten, Sklave / frei) und muss nicht nach der Bekehrung geändert werden.

      • Gemeint ist zunächst der Ruf Gottes zur Umkehr, dem sie gefolgt sind; der Begriff wandelt sich aber unter der Hand zu 'Bürgerklasse > Personenstand' (griechisch Nebenbedeutung).

  • sonst im NT immer nur von Gottes Ruf.


  • DiWbLuther (1870) 1,261

    • 'Berufung / Erwählung zum Christen; Einberufung, Einladung; Berufung zu einem Amt; schicksalsmäßige Bestimmung, göttlicher Auftrag, mit einem Amt verbundene Verpflichtung'

  • Crosner, Alexius: Ein Sermon von der heiligen Christlichen Kirchen. Wittenberg, 1531.

    • Wie wol diese Ampter / durch ordentlichen beruff der Kirchen / vnd one beruff der selben / als jnn nöt / eusserlich zu vben menniglich nicht verbotten / sondern gebotten wird.

    • = Obwohl diese priesterlichen Aufgaben durch ordnungsgemäße Berufung der Kirche und ohne  Beauftragung dazu, wie es not wäre, äußerlich [nicht aus innerer Überzeugung] auszuüben jedem nicht verboten, sondern geboten wird.

  • Andreä, Jacob: Ein Christliche Predig. Tübingen, 1564.

    • also sollen sie sich auch künfftig vor allen Sünden hüten/ ein ehrlich/ Christlich/ vnd Gott wolgefellig leben führen/ vnnd ein jeder seinem Beruff trewlich außwarten/ sich gegen Gott vnd den menschen/ vermög Gottes Gebotts/ verhalten.

    • = so sollen sie sich auf in Zukunft vor allen Sünden hüten, ein ehrliches und Gott wohlgefälliges Leben  führen und jeder seine Tätigkeit treu verrichten, und sich Gott und den Menschen gegenüber  nach Gottes Gebot verhalten

  • Braunschweig-Wolfenbüttel, Heinrich Julius von: Kirchenordnung ... 1569.

    • jeder nach seinem beruff vnd stande

    • = jeder nach seiner Tätigkeit und Stellung

  • Kirchner, Timotheus: Vom Flickwercke M. Irenaei... 1572.

    • Denn gedencken an seinen beruff / zur zucht vermahnen / sehen / hören / gehen / stehen / acker bawen / essen / trincken / schlaffen / dem nechsten dienen / regieren / straffen die vbeltheter / ist nicht böse noch Sünde / an vnd für sich selbst / vnd eigenet ja S. Paulus den Heiden eine Gerechtigkeit zu / die er nennet Gottes Gerechtigkeit Roma

    • = Denn an seine Aufgabe denken, zur Disziplin mahnen, sehen, hören, gehen, stehen, Acker bauen, essen, trinken, schlafen, dem Nächsten dienen, regieren, die Übeltäter strafen, ist nicht böse und Sünde an sich, und Paulus spricht sogar den Ungläubigen eine Rechtschaffenheit zu, die er Gottes Gerechtigkeit nennt. (Röm 2,14.15)

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 12.06.2017