Diskussion Funsel

Befund

  • änhd. (hauptsächlich norddeutsch) verächtlich Funse 'trübe Lampe'
    GrWb 4,613: Das Wort stammt aus dem Ndt. und hat sich 19-er Jh. nach Süden ausgebreitet.

    Die trübe Funse stand ursprünglich im Gegensatz zur helleren Kerze.

    Ältester Beleg bei Güntner (wohl Johann Christian, 1695-1723). die billige Hellerfunze im Gegensatz zur Kerze (GrWb 4,614).

    • nhd. verächtlich Funsel 'trübe Lampe'

    Es gibt kein Verb funzen. Funzeln ist ein junges Wort.
    Göttingen 1858 vunsel 'kleine Öllampe, Laterne'

    Altmark 1859 Funzel 'schlecht brennendes Licht'

    fünzlig, funzlig 'von einer zeitraubenden Arbeit, bei der wenig Fortschritte zu sehen sind'

    Erzgebirge 1911 Funsel, Funzel, Funse: schlecht brennende Lampe, schwach leuchtende Flamme, Öllampe, Petroleumlampe, Funze 'ausgebrannter Docht', steir. Pfunze 'Kerzenstümpfchen, schlecht brennender Docht'

    Wien 1929 Funzen, Funzerl 'schwaches Lichtlein, verächtliches Frauenzimmer'

Diskussion

  • GrWb zu got. fon = nhd. Feuer'

    • dafür

      • germ. *fun- 'Feuer' > Funke 'zum Feuer gehörig'

        • Diese Wurzel ist im Dt. nur bei Funke zu vermuten.

    • dagegen

      • Das Wort ist dafür viel zu jung. Es fehlt noch bei Adelung 1793-1801

  • < Funk-se(l) mit dentalisiertem -k-
    wie in blicken > blitzen, quieken > quieksen > quietschen, ficken 'sich schnell bewegen' > shess. Fitzebine 'empfindliches Mädchen', shess. äk > ätsch (Interjektion)

    • dafür:

      • lautlich hinreichend erklärt

    • dagegen

      • für ein junges Wort zu viele Neuerungen Funke > Funkse > Funze > Funzel

  • < funseln, fusche(l)n 'flüchtige Bewegungen machen'

    • Hamburg 1755 "funsseln: heimlich Hand-Geberde treiben, wegfunsseln: unter der Hand weg- und über die Seite bringen"

    • Altmark 1859 Funzel 'schlecht brennendes Licht'
      fünzlig, funzlig 'von einer zeitraubenden Arbeit, bei der wenig Fortschritte zu sehen sind'

    • GrWb 4,614 funseln 'leicht über etwas wischen, verstohlen die Hand bewegen, sich in Kleinigkeiten verzetteln, stümperhaft arbeiten'

    • Nassau 1860 fusche(l)n 'heimlich entwenden, im Spiel betrügen'
      futscheln 'beim Spiel betrügen (fauteln), mit den Händen schnell hin und her fahren, hudeln, pfuschen'

    • Oberhessen 1897-99 fusseln, fuscheln, futscheln 'an etwas mit den Händen hin und her fahren, auch unzüchtig betasten, geschäftig sein ohne etwas zustande zu bringen'

    • shess. fuschen 'flüchtig arbeiten'  (= pfuschen), fuscheln 'mit den Händen ziellos herumfahren: suchen, fuchteln, flüchtig arbeiten',

      • V erymfuschələn 'herumfuscheln: -fuchteln'

       futscheln 'tastend greifen, fuchteln, herumwühlen, schrubben, scheuern, wischen, betrügen, fälschen', futschen 'huschen, schlüpfen, aufreiben, oberflächlich arbeiten'

    unklare lautliche Basis:

    • zu erwarten wäre ein ndt. !fūs- = hdt. !funs-. Es ist aber umgekehrt.
      Germ. *fu(n)sa 'eifrig, willig' kommt also nicht in Frage.

    • Wenn funseln Nasaleinschub hätte, müsste die einfache Form !fuseln lauten (wie oberhessisch).

    • Fuss-, fusch-, futsch- erweckt den Eindruck, als sei die Grundlage ein dentalisiertes k oder g. Daher zu:

      • GrWb 4,360 ff Fuck 'Schnelligkeit, Fertigkeit, List, Betrug, einer, der seinen Vorteil versteht; Spaß; leichtfertige Person', fuckeln 'betrügen im Handel oder Spiel'; fucken 'schlüpfen, behände sein'; fuckern 'heimlich entwenden, betrügerisch spielen'

      • shess. Fuck 'Stoß, Schwung, Pl. Scherze, Streiche, Ausflüchte, Launen, Tücken', fucken 'stoßen, koitieren', fuckeln 'betrügen, heimlich verkaufen, handeln, tauschen', fuckern 'unbeständig sein, kein Vorhaben zu Ende bringen, ausschlagen (Pferd), scherzen, kritisieren, schelten, heimlich zu Werk gehen, verschwenden'

    • Nasalerweiterung wie bei schräg / Schragen / Schrank; traben / trampeln

    dafür

    • der Bedeutungszusammenhang zwischen funs-, fuss-, fuck-

    • die erklärbare Lautentwicklung *fuck-s- > futsch- > fusch- > fus- > funs-

    dagegen

    • das sehr breite Bedeutungsspektrum der angeführten Vokabeln, bei dem wohl auch andere Deutungen möglich sind und die wohl auf mehrere Wurzeln zurückgehen

Erklärung

  • Also fucken > *fucksen > futschen > fussen > funseln 'unstet bewegen, *flackern' > Funse(l) 'flackerndes Licht'

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.09.2016