Quellen: glesum

  • Tacitus, Germania 45

    • Sed et mare scrutantur, ac soli omnium succinum, quod ipsi glesum vocant, inter vada atque in ipso litore legunt. Nec quae natura quaeve ratio gignat, ut barbaris, quaesitum compertumve; diu quin etiam inter cetera eiectamenta maris iacebat, donec luxuria nostra dedit nomen. Ipsis in nullo usu; rude legitur, informe perfertur, pretiumque mirantes accipiunt. Succum tamen arborum esse intellegas, quia terrena quaedam atque etiam volucria animalia plerumque interlucent, quae implicata humore mox durescente materia cluduntur. Fecundiora igitur nemora lucosque, sicut Orientis secretis, ubi tura balsamaque sudantur, ita Occidentis insulis terrisque inesse crediderim; quae vicini solis radiis expressa atque liquentia in proximum mare labuntur, ac vi tempestatum in adversa litora exundant. Si naturam succini admoto igne tentes, in modum taedae accenditur, alitque flammam pinguem et olentem, mox ut in picem resinamve lentescit.
      = Aber auch das Meer durchwühlen sie, von allen die einzigen, welche den Bernstein, in der Landessprache Glesum, in den Untiefen des Strandes und auf diesem selbst sammeln. Das eigentliche Wesen oder die Entstehungsgesetze des Bernsteins haben diese Barbaren nie untersucht oder ergründet. Lange Zeit sogar blieb er mit andern Auswürfen der See liegen, bis römischer Luxus das Wort für die Sache fand. Die Eingeborenen wissen nichts damit anzufangen; im rohen Zustande sammeln sie ihn, unbearbeitet bringen sie ihn zu uns und staunend nehmen sie die Bezahlung an. Man erkennt indessen den Stoff doch als ein Baumharz, denn man sieht gewisse Arten von Landthierchen und sogar geflügelte Insekten durchschimmern, welche in der flüssigen Masse hängen und beim allmählichen Verhärten von ihr umschlossen bleiben. Wie in den fernen Gegenden des Morgenlandes wo Weihrauch und Balsam ausschwitzt, so gibt es also wohl auch auf den Inseln und in den Landschaften des Abendlands gesegnetere Wälder und Haine; von den Strahlen der nahen Sonne ausgepreßt und in Fluß gesetzt rinnt der Stoff in das nächste Meer und wird durch die Gewalt der Stürme an die gegenüberliegenden Gestade geschwemmt. Eine Untersuchung des Stoffes, welche den Bernstein dem Feuer aussetzt, ergibt, daß er entzündlich ist wie Kienholz und eine fettige, geruchverbreitende Flamme entwickelt; allmählich verdickt er sich wieder zu einer pech- oder harzähnlichen Masse. (Original-Übersetzung)

  • Plinius 37

    • 39 Ctesias in Indis flumen esse Hypobarum, quo vocabulo significetur omnia bona eum ferre; fluere a septentrione in exortivum oceanum iuxta montem silvestrem arboribus electrum ferentibus. 42 Certum est gigni in insulis septentrionalis oceani et ab Germanis appellari glaesum, itaque et ab nostris ob id unam insularum Glaesiariam appellatam, Germanico Caesare res ibi gerente classibus, Austeraviam a barbaris dictam. nascitur autem defluente medulla pinei generis arboribus, ut cummis in cerasis, resina in pinis erumpit umoris abundantia. densatur rigore vel tempore ac mari, cum ipsum intumescens aestus rapuit ex insulis, certa in litora expellitur, ita volubile, ut pendere videatur atque non sidere in vado. 43 arboris sucum esse etiam prisci nostri credidere, ob id sucinum appellantes. pinei autem generis arboris esse indicio est pineus in adtritu odor et quod accensum taedae modo ac nidore flagrat.

      = Ktesias schreibt, in Indien gäbe es einen Fluss Hypobarus 'der alles Gute mit sich führt'; er fließe von Norden zum Ursprung des Ozeans an einem Waldgebirge mit Bäumen, die Bernstein hervorbringen... Sicher dass der Bernstein auf den Inseln des nördlichen Ozeans entsteht und von den Germanen glaesum genannt wird. Deshalb wurde eine dieser Inseln von uns Glaesaria 'Bernsteininsel' genannt, als Caesar Germanicus mit seiner Flotte dort war. Die Barbaren nennen sie Austeravia 'östliche Insel'. Bernstein entsteht aber aus dem ausfließenden Mark von Nadelbäumen, wie der Gummisaft bei den Kirschen, das Harz aus den Kiefern ausfließt wegen eines Überschusses an Feuchtigkeit. Es wird hart durch den Frost oder die Zeit und das Meer. Wenn es anschwillt, reißt ihn die Brandung aus den Inseln heraus. Er wird an einen gewissen Strand geworfen und ist so in Bewegung, dass es zu schweben scheint und nicht auf den Grund liegt. Auch unsre Vorfahren glaubten, dass der Bernstein Baumsaft ist, daher nannten sie ihn sucinum 'Saftstoff'. Ein Hinweis, dass es sich um eine Art Nadelbaum handelt, ist, wenn man dran reibt, riecht er nach Nadelholz und verbrennt mit heller Flamme wie ausgetretenes Fichtenharz. TH

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Aktuell: 16.02.2018