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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Glocke

 deutsch 'ein Signalinstrument'

Email:

zhōng

Gong

κώδων (kôdōn)

Glocke

Klingel

Schelle

belle

signum

campana

zvon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachbildung einer irischen Glocke vor der St. Patrick's Cathedral in Dublin TH

 

 

 

 

 

 

 

zhōng

Man nimmt an, dass die becherförmige Handglocke aus Metall in China erfunden wurde und über Umwege nach Europa kam. Das zeigen nicht nur archäologische Funde, sondern auch

  • chin. zhōng [  ̄tʂuŋ] 'Becher'; 钟 [鐘] 'Glocke, Stunde, Uhr'
    Korea [tʃoŋ] 'Glocke'

vielleicht also aus einem Bronzebecher weiter entwickelt.

Der flache Gong, der ebenfalls aus Ostasien kommt, hat seinen Namen aus dem Malaiischen:

  • malai. gong, gung, egong, egung 'Gong'

Die beiden einander ähnlichen Wörter zeigen auch Anklänge an slaw. zvon. Vielleicht wurde der Name in Osteuropa mit den Sache übernommen und nach einem passenden japhetitischen Wort für 'klingen' umgestaltet.

In Westeuropa dagegen benutzte man Wörter, die ursprünglich die hölzerne Klapper oder Rassel aus trocknen Pflanzensamen bezeichnete. Daran erinnern die kugelförmigen Schellen der Narrengewänder und Pferdeschlitten. Mit Schelle bezeichnen wir aber auch die Handglocke, wie sie etwa der Ortsdiener benutzte, um seine öffentlichen Ausrufe anzukündigen.

κώδων kṓdōn

  • agriech. κώδεια kṓdeia 'Kopf einer Pflanze'
    agriech. κώδων kṓdōn 'Handglocke' > ngriech. κουδούνι kuðúni 'Glocke, Klingel'

Die Metallglocken waren zunächst wohl aus Blech wie die heutigen Kuhglocken. Als Erfinder der gegossenen Bronzeglocke gilt der heilige Paulinus von Nola (354-431). [1]
Bereits Gregor von Tour [2] berichtet im 5er Jahrhundert von einem Zeichen (lat. signum), das die Gläubigen in Frankreich zum Gottesdienst lud. Akustische Signale sind nicht unwahrscheinlich. Es war bei anderen Gelegenheiten aber auch üblich, die Ladung von Haus zu Haus zusammen mit einem legitimierenden Symbol weiterzugeben.

Glocke

Die Kirchenglocke wird um 700 erstmals erwähnt von dem angelsächsischen Kirchenvater Beda [3] (campana) und seinem Zeitgenossen Bonifatius [4] (clocca). Der kirchlicher Gebrauch von Glocken wurde angeblich von Papst Sabinian (604) eingeführt. [1] Irische oder angelsächsische Missionare sollen die Kirchenglocken nach Deutschland gebracht haben. Dafür scheint die Ähnlichkeit der Wörter zu sprechen:

  • noach. *ɢëλ- 'auffallend'

    • japhet. *śɢël > *kël- 'laut sein'

    • mit Guttural-Anfügung: ëlaɢ-

      • air. clocc, ir. clog, gael. clag, cymr., corn. cloch, bret. kloc'h 'Glocke'

      • mlat. clocca 'Glocke' [4]

      • frz. cloche, prov. cloca, clocha 'Glocke' (wohl aus dem Keltischen)

        Sprachecke 15.07.2014

      • ahd. clocca, glocka, nhd. Glocke

      • and. glogga, mnd. klocke, mndl. clocke 'Glocke'

      • ndl. klok 'Glocke'

      • aengl. clucge 'Glocke', engl. clock 'Uhr'

      • anord. klokka, klukka 'Glocke' (wohl aus dem Niederdeutschen)

      • mit Nasal-Einschub (durativer Aspekt): ëlënɢ-

    • mit Labial-Anfügung *ɢëlaб-

      • z.B. dt. klappen, klopfen

      • rumän. glob, glopot 'Glocke'

Schelle

Das alte germanische Wort für die Handglocke ist Schelle:

  • ahd. scella, mhd., mnd. schelle, mnl. scelle 'Handglocke'

  • davon finn. kello 'Glocke, Uhr', estn. kellahelin, kell 'Glocke'

abgeleitet von

  • ahd. scellan 'tönen, lärmen, schallen, klingen'

belle

  • aengl., mnd., mndl. belle, engl. bell 'Glocke', ndl. bel 'Klingel'

ist abgeleitet von

  • aengl. bellan, anord. belja 'brüllen', ahd. bellan 'gauzen', ndl. bellen 'klingeln'

Redensart: In Buxtehude bellen die Hunde mit dem Schwanz

signum

Lat. signum 'Zeichen' lebt fort in

  • port. sino 'Glocke'

  • vgl. deutsch "es läutet Zeichen" (eine Stunde vor dem Hauptläuten zum Gottesdienst).

campana

In Südeuropa heißt der Klangkörper

  • lat., it., span. campana, port. campainha, bask. kanpai, ngr. καμπάνα kambána, bulg. камбана kambána 'Glocke'

angeblich, weil die Glocke in der italienischen Campania erfunden wurde [1] oder dem dortigen Erz gemacht. [5] Eher aber zu

  • japhet. *kamp-, kump-  'biegen, Klangkörper, klingen'

    • mlat. campana 'die zur Biegung gehörige, Glocke'

    • griech. κύμβαλον kýmbalon 'Zimbel' (ein Klanginstrument aus zwei Halbkugeln aus Metall, die gegeneinander geschlagen werden)

    • *śka\m/p- 'Glocke'
      lit. skam̃balas 'Glocke', skambùtis 'Klingel'

zvon

In den meisten slawischen Sprachen heißt die Glocke

  • tschech., slowak. zvon, srbkroat. zvȍno, slowen. zvón, poln. dzwon, ukr. дзвоне dzvońe 'Glocke'

  • lett. zvans 'Glocke'

zu idg. *ƺ̌ʰen- 'tönen, ƺ̌ʰonos 'Ton'

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

[1] Meyer, Konversations-Lexikon 3. Auflage 7,919.
http://www.ccel.org/ccel/
schaff/hcc4.i.x.vii.html#fnf
_i.x.vii-p8.1 bezweifelt diese Tradition, die durch die Quellen nicht bestätigt wird.

[2] 6,25 cum die dominico ... ad matutinus signum conmutum fuisset et populus surgens ad eclesiam conveniret... = als am Sonntag ... zur Messe ein Zeichen ausgetauscht wurde und das Volk aufstand und in der Kirche zusammenkam

 

[3] hist. eccl. 4, 23

[4] Adamnanus, Vitae Columbae 1,8; Bonifatius ep. 62

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Meyer, Konversations-Lexikon 3. Auflage 7,919
http://www.ccel.org/ccel/
schaff/hcc4.i.x.vii.html#fnf
_i.x.vii-p8.1 bezweifelt diese Tradition, die durch die Quellen nicht bestätigt wird.

[5] Der keine Pauly 1,1049

[6] Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Buxtehude, S. 1+2. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 1114 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 288) (c) Verlag Herder

 

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Übersicht

 

Sprachecke 21.12.2004

 

Datum: 2004

Aktuell: 08.10.2016