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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Gott der Herr

Email:

 

 

Asisch

Altaisch

Buddha

Uralisch

Isten

Ostasisch

Ägyptisch

Semitisch

Indogermanisch

 

 

 

Ein besonderer Aspekt der Gottheit ist, dass sie den Menschen überlegen ist und Normen setzt. Daher bezeichnen viele Religionen Gott als "Herrn":

Asien:

Asisch

Altaisch

Buddha, der Herr

Die altaischen Völker waren zum Teil zum Buddhismus übergetreten und bildeten aus chinesisch alt piuət, neu 'Buddha' + altaisch han 'König' den Gottestitel altürkisch burχan, klassisch-mongolisch  burqan, chalcha бурхан burhan.

Uralisch

Isten 'der Herr'

Ungarisch isten stammt aus dem Iranischen (awestisch išti ‚Reichtum’ + Zugehörigkeitsanfügung -an, das durch die Vokalharmonie im Ungarischen zu -en werden musste). Dazu das iranische Partizip 'der Besitzende' in estnisch issand 'Herr'.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

 

 

 

 

 

 

Ostasisch

Chinesisch

 

Ostasisch

Chinesisch

Die Chinesen umschreiben den ihnen fremde Begriff eines souveränen Himmelswesen mit

  • 上帝 shàngdì 'Oberkaiser, Gott'

    • > jap. 上帝, じょうてい jōtei 'Gott, Kaiser, Schöpfer'

  • 天主 tiānzhŭ 'Himmelsherr, Gott'

    • > jap. 天主, てんしゅ  tenshu 'Himmelsherr, Gott'

    • Lehnübersetzung > Mandschu abkai ejen 'Himmelsherr, Gott'

 

 

Ägyptisch

Auch die Ägypter kannten den Titel 'Herr' für die Gottheit:

  • ägypt. nb, kopt. nhb nēb 'Herr', nbt 'Herrin'
    von Göttern z.B.:

    • nb pt 'Herr des Himmels'

    • nb ʕnḫ 'Herr des Lebens' = Osiris

    • nb-r-ḏr 'Allherr, Pantokrator' (von hohen Göttern und dem König)', fem. nbt-r-ḏr

    • Dual nbwj 'beide Herren' = Horus und Seth, fem. nbtj = Nechbet und Uto (Schutzgöttinnen von Ober- und Unterägypten)

Semitisch

Biblisch

König

Adōnáj der HERR

Jesus, der Herr

Islam

Indogermanisch

Griechisch

Lateinisch

Germanisch

Arisch

Slawisch

 

 

Semitisch

Die westsemitischen Sprachen kennen dafür zwei Vokabeln: אדון ádōn 'Chef, der was zu sagen hat' (auch vom König gebraucht) und בעל baʕal 'Besitzer, der die Verfügungsgewalt hat' (auch im Sinn von 'Ehemann'). Beide dienen als Titel der Gottheit wie auch als Göttername (Adonis, Baal, Bel).

Gott, der König

Die Gottheit wird auch mit einem König verglichen. Der oberste Gott ist nicht nur König des Pantheons, sondern auch himmlischer Repräsentant eines irdischen Staates. In der Frühzeit Israels wurde letzterer Gedanke sehr ernst genommen, daher lehnte man das menschliche Königtum zunächst ab. Nach dem Untergang des Königreichs Judas wurden diese Ideen wieder aufgegriffen unter dem Stichwort "Reich Gottes", mit dem Jesus seine Botschaft zusammenfasste..

  • kanaanäische Götter

    • מלכום Milkom, 'König' der ostjordanischen Ammoniter

    • מלך Moläk, griech. Μολοχ Molokʰ, Μολωχ Molōkʰ, lat. Moloch,
      ein Gott, dem man Kinder opferte, ein verbotener Kult, der trotzdem im Hinnomtal bei Jerusalem ausgeübt wurde.

Biblisch

Die frühen Israeliten haben anscheinend beide Wörter auf ihren Gott angewendet. Später haben sie unterscheiden gelernt zwischen Jahwe, den sie אדון ádōn nannten, und dem westsemitischen Wettergott Hadad oder Rimmon, dessen Titel בעל baʕal zum Eigennamen wurde. Die Auseinandersetzung mit der kanaanäischen Religion wird in der Königszeit auf den Nenner gebracht: "Jahwe oder Baal" – anschaulich dargestellt etwa in der Geschichte vom Gottesurteil auf dem Karmel (1Kö 18). Das Wort בעל baʕal bekommt damit die Bedeutung 'Abgott, Götze' und kann im Plural für die kanaanäischen Götter überhaupt angewendet werden.

Adōnáj 'der HERR'
Aus der Anrede אדוני adōnī 'mein Herr' wurde die für Gott vorbehaltene Form אדוני Adōnáj 'mein Herr' gebildet (eigentlich Plural 'meine Herren'), die dann zu einer eigenen Gottesbezeichnung wurde. Im frühen Judentum galt der Name Jahwe als so heilig, dass man ihn nicht aussprechen durfte. Beim Verlesen des Bibeltextes musste für den Gottesnamen stattdessen je nach Zusammenhang אדוני Adōnáj der Herr' oder אלהים älōhīm 'Gott' gelesen werden. Die griechische Bibelübersetzung schrieb daher folgerichtig statt des Gottesnamens κύριος kýrios 'der Herr'. Andere Übersetzungen sind ihr darin gefolgt. Von Luther stammt die Sitte, der HErr (heute: der Herr) zu schreiben, um dem Leser zu zeigen, dass hier der Gottesname steht.

Jesus, der Herr
Auch Jesus wird im Neuen Testament κύριος kýrios 'Herr' genannt und rückt damit in die Nähe Gottes. Ursprünglich war das gar nicht beabsichtigt, denn die Jünger redeten Jesus mit רבי rabbī an, das man etwa mit 'Hochwürden' übersetzen könnte und heute noch Titel des jüdischen Theologen ist. Um auszudrücken, dass Jesus nicht nur Rabbiner, sondern die maßgebliche Autorität ist, bezeichneten ihn die aramäischen Christen mit einem Wort ihrer Sprache als מרא márē 'Herr' und redeten ihn mit מרנא máránā 'unser Herr' an (daher der überlieferte Gebetsruf מרנא תא máránā 'unser Herr, komm!').

Islam

Auch im Islam dient الرب ar-rabb 'der Herr' als Gottesbezeichnung, daher türk. Rab 'der Herr', kabyl. Ṛebbi 'Gott', Somali Rabbi 'der Herr, Gott'.

 

 

 

 

Indogermanisch

Griechisch und Lateinisch

Es fällt auf, dass sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen die vorchristlichen Götter kaum mit 'Herr' bezeichnet werden.

 

 

Germanisch

Frawa(n)

Druhtīn

Herr

Lord

 

 

Germanisch

Germ. *frawa(n) 'der Vorderste, Ranghöchste'

*Frawa(n) m., *frōwō f. 'der vorderste' ist wohl das älteste germ. Wort für 'Herr' und wurde auch auf die Gottheit angewendet. Die Namen der altnordischen Götter Freyr (ein Fruchtbarkeitsgott) und Freyja (die germanische Vĕnus), beides Wanen, bedeuten einfach 'Herr' und 'Herrin'. Ein westgerm. Gott dieses Namens lässt sich nicht nachweisen.

Das bibelgotische frauja ist das normale Wort und bezeichnet auch Gott und Christus. Auch die Westgermanen haben aengl. fréa, ahd. frō auch auf den christlichen Gott und Jesus angewendet. Daran erinnert heute noch der Feiertag Fronleichnam 'Leib des Herrn (Jesu)'.

Wgerm. druhtīn 'Anführer

Germ. *druḡtīnaż bezeichnete ursprünglich den adligen 'Truppenführer', daher 'Herr' und im Altenglischen und Altdeutschen auf Gott und Christus bezogen und ein ganz geläufigere Ausdruck.

Deutsch Herr 'der Ältere'

Ahd. hēriro (Steigerung von hehr 'alt und ehrwürdig) ist Lehnübersetzung von lat. senior 'älter, Herr' und fand auch Anwendung auf Gott und Christus.

Englisch Lord 'der das Brot verwaltet'

Aengl. hláford 'Herr' bedeutet eigentlich 'der des Brotes (hláf) wartet (weard)' und wurde schon im Altenglischen auf Gott bezogen. Das moderne englisch Lord ist nicht nur ein Adelstitel, sondern bezeichnet auch Gott und Christus.

 

 

Arisch

Bhága

Īśvará

 

 

Arisch

Bhága 'Verteiler, Herr'

Aind. भग Bhága 'Verteiler' ist zu einem besonderen Gott von Wohlstand und Ehe geworden. An eine Stelle trat die Erweiterung भगवन्त् bhágavant 'glückselig, herrlich, erhaben, heilig' auch 'Herr, Gott'. Pali bhagavata ist Ehrentitel Buddhas 'der Erhabene'. Hindi भग्वान् bhagvan ist respektvolle Anrede an relgiöse Lehrer, Titel verschiedener Götter und in manchen Richtungen der Name des höchsten Gottes.

Awest. baγa- 'Herr, Gott'

ergab slaw. Богъ bogŭ 'Gott'

Īśvará 'der Vermögende'

Gott als 'Herr' ist aind. ईश्वर īśvará 'vermögend zu, Fürst, Gebieter, reicher Mann, Herr', ursprünglich auf das Brahman, Viṣṇu oder Śiva bezogen, heute im Sinne von 'Herr der Welt, oberster Gott'.

 

 

Slawisch

Богъ bogŭ

Господь gospodĭ

Пан pan

 

 

Slawisch

Богъ bogŭ, 'der Verteiler'

Unsere östlichen Nachbarn nennen Gott богъ bogŭ, offenbar entlehnt aus iran.. baγa- 'Herr, Gott'.
Auch bei den Slawen wäre also Gott als 'Herr' benannt, aber unter einem für uns ungewöhnlichen Gesichtspunkt: Gott wird verstanden nicht als Oberhaupt von Untertanen, nicht als Chef von Knechten, nicht als Besitzer von Sklaven, sondern als 'Verteiler': Nach Auffassung der Alten war es eine wichtige Aufgabe des Oberhaupts, das gemeinsame Vermögen zu verwalten und den Ertrag an die Mitglieder der Gruppe zu verteilen. Die germanischen Krieger banden ihre Treue an die Freigebigkeit des Anführers, der seine erbeuteten und erpressten Schätze an seine Leute weitergab. Die Angelsachsen nannten ihren Herrn einen hláford (daraus das heutige englische lord 'Herr') 'Brotwart', weil er als Hausvater die Nahrungsmittel zuteilte.
So werden wir das slawische Wort verstehen müssen: Gott ist der 'Geber aller guten Gaben', der wie ein Vater für seine Kinder, wie ein guter Chef für seine Untergebenen sorgt.

Господь gospo / пан pan, 'der Herr'

Господь gospodĭ meint eigentlich den 'Gastgeber', vgl. lat. hospes. Das Wort hat seine soziale und religiöse Bedeutung wohl unter christlichem Einfluss bekommen. In anderen slawischen Sprachen heißt 'Herr' in beiderlei Sinn пан pan 'der Ernährer'

 

 

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Übersicht

Systematik

 

Was bedeutet "Gott"? | Wortliste | Etymologie von nhd. Gott | Herr

Sprachecke 14.10.2014

 

Datum: 1998 / 2007

Aktuell: 16.02.2018