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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Halm

dt. 'dünner hohler Stängel'

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  • adam. > noach. *kaљ- 'dünner hohler Stängel'

    • japhet. *cël- 'dünner Schaft'

      • aind. शल śalá 'Stock, Stachel des Stachelschweins (als Längenmaß)'

      • griech. κῆλον kḗlon 'Pfeil, Geschoss'

      • mir. cail 'Speer', celtair 'Speer(spitze)'

      • anord. hali 'Schwanz, Stift'

      • japhet. *cëlɘmos 'Rohr'

        • griech. κάλαμος kálamos 'Rohr, Schreibrohr'

          • syr. qulmos 'Schreibrohr'

            • > arab. قلم qalam 'Schreibrohr, Schreibstift; Schrift, Stil, Amt, Büro'

              • > pers. قلم q̄alam 'Schreibstift, Schreibfeder'

              • > atürk. kalam 'Schreibrohr', türk. kalem 'Schreibfeder, Schreibstift, Meißel, Rechnungsposten, Büro'

        • lat. culmus 'Strohhalm'

        • germ. ħalmaż, ahd. halm, nhd. Halm 'Stängel des Getreides und Grases'

        • vslaw. *solma, kslaw. слама slama 'Stroh'

        • toch. kulmänts 'Schilf'

    • noach. *kan- 'Rohr'

      • semit. qanu 'Rohr'

        • Ugar. qn Armröhre, Speiseröhre, Würzrohr'

        • phön. קנא qnʔ 'Stock'

          • phön.-aram. *qānǡ 'Rohr'

            • > syr. qanô 'Rohr'

              • > griech. κανών kanṓn 'Rohr'

        • hbr. קנה qánâ, sam. קני qani 'Rohr: Pfeilrohr (Pflanze), Gewürzrohr, Messlatte, Rute (6 Ellen), Halm, Röhre am Leuchter, Oberarmbein, Waagebalken'

        • akk. qanu(m) 'Rohr, Schilfrohr Pfeil, Messlatte'

        • äarab. قنا qanâ, قنات qanât 'Rohr, Schilfrohr, Halm', narab. قنىنة qinnîna 'Fläschchen'

        • äth. qanōt 'Stachel'

      • mediterran. kanna 'Schilf, Rohr'

        • bask. kanabera 'Rohr, Halm'

        • idg. *kannabis 'Hanf'

      • sum. gin 'Gras'

      • berber aġanim 'Schilf'

      • ural.

        • finn. kanki 'Stange, Stock, Pfahl', kannus 'Sporn'

        • estn. kang 'Stange'

      • asisch *kënd-

      • alb. kunde 'Rohrkolben'

      • aind. काण्ड kâṇḍa 'Halm, Stängel, Pfeil, Rohr eines Knochens'

      • s-drawid. kan- 'Zuckerrohr'

        • Tamil kaṉṉal 'Zuckerrohr'

          • > aind. खण्ड khaṇḍa 'gebrochen; (u. a.) Art Salz; eingedickter Zuckersaft, Kandis, Art Zuckerrohr'
            Kreuzung des idg. mit dem drawid. Wort

            • arab. قند qand 'Rohrzucker'

              • > nhd. Kandiszucker 'kristallisierter Rohrzucker'

    • sino-kaukasisch

      • Kaukasisch

        • avar. gerégi 'Holzblock'

      • Jenissei *gɔʔl- 'Stumpf'

      • sino-tibetisch  *kaљ-

        • chin. gǎn 'Halm, Halm, Stängel, Stroh'
          gǎn Stange, Schaft, Griff'
          竿 alt: kān, neu: gān 'Mast, Pfahl, Stange, Lesestift, Stock, Gerte, Stab'
          gān 'Mast, Stab'

        • tibet. mgal, ãgal 'Holzscheit'

    • amer.

      • Quechua kin- 'ein Pflanzenteil'

Das Schreibrohr

Die Methode mit Tinte und Binsenfeder zu schreiben, ist eine ägyptische Erfindung, die von den Phönikiern übernommen und mit der Schrift nach Griechenland gebracht wurde. Die Griechen benannten das Schreibgerät nach dem Rohr, κάλαμος kálamos. In hellenistischer oder auch erst byzantinischer Zeit kam dieses Wort in der Bedeutung 'Schreibrohr' in den Orient.
Es ist erst im Spätaramäischen der jüdischen Literatur nachweisbar: קלמין Qalmîn (καλάμιον kalámion) 'Rohr', קלמס qulmós (κάλαμος kálamos) 'Rohr, Schreibrohr'. Dass sich bei Lehnwörtern die Vokale so verändern, scheint uns merkwürdig, lässt sich aber auch in anderen Fällen beobachten. Beispiele: cellarium > qillurîn קלרין 'Vorratskammer' (betontes griech. /a/ > in aram. Nebensilbe > /u/) – σάγιον ságion > סגן sagín (Endung -ion, -ium > -in). Das heißt: קלמין Qalmîn und קלמס qulmos sind ganz normale Lautentsprechungen, auch wenn sie für uns merkwürdig aussehen. Womit bewiesen ist, dass das wirklich Lehnwörter sind und nicht altsemitisch.
Das Althebräische der Bibel sagte dafür עט ʕeṭ, eigentlich 'Griffel für die Tontafel', dann auf das Schreibrohr übertragen. Im Neuhebräischen bezeichnet das Wort die Schreibfeder - ein Beispiel, wie sich mit den Schreibmethoden die Bedeutungen geändert haben.
Ich glaube, dass die arabische Schrift von der (aramäisch-) syrischen abgeleitet ist und die Nordaraber mit ihr die Schreibmethode übernommen haben. Die Südaraber hatten eine eigene Schrift, die aus der phönikischen abgeleitet ist.
Für das Schilfrohr, aus dem das Schreibgerät gemacht wurde, gab es das semitischen qanu, das alle möglichen Bedeutungen haben kann, bloß nicht 'Schreibgerät' (> griech. κάννα kánna 'Rohrkörbchen', κάνον kánōn 'Messlatte' > Kanne, Kanal, Kanone usw.) Auch das Ostsemitische hat qanu 'Schilfrohr'; für die Tontafel benutzte man Griffel. Im Neuarabischen finde ich nur die Ableitung قنىنة´qinnîna 'Fläschchen'; 'Schilfrohr' ist قصب qaṣab.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Datum: 2007

Aktuell: 16.02.2018