Diskussion Maser

Befund

  • Mase
    • ahd. māsa 'Wundmal, Narbe'
      • mhd. mâse
        • änhd. Mase 'Narbe, Muttermal, Schmutz-, Farbfleck''
      • mnd. mase
  • Masel
    • ahd. masala 'Zellgewebsentzündung'
      • nhd. Maser 'Hautausschlag', Pl. 'eine Krankheit'
  • Maser
    • anord. mǫsurr, mọsur-trê 'Ahorn'
    • aengl. mæsen 'aus Ahorn' (neben 'aus Messing')
    • ahd. masar 'Knorren, Auswuchs, Geschwulst'
      • mhd. maser
        • nhd. Maser 'Auswuchs am Holz, Ahorn, auffallende Holzzeichnung'
  • Maßholder

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 3,92-93

    • Die Mase, plur. die -n, Diminut. das Mäschen, Oberd. Mäslein, ein im Hochdeutschen seltenes Wort, welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, wo es wohl eine Narbe als auch ein Mahl bedeutet. Kleine Mäslein oder Blätzlein auf der Zunge, Bluntschli. Blattermasen sind daselbst die Narben von den Blattern. In einigen Gegenden das Mas, in Baiern Mose, im Ital. Macchia. S. Maser.

    • Die Maser, plur. die -n, ein altes Wort, welches einen Flecken, ein Mahl überhaupt bedeutet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) Flecken, krause Adern oder Wolken von anderer Farbe in dem Holze, werden häufig Masern genannt. Die Wurzeln des Nußbaumes, das Holz des Ahornbaumes, die Knorren des Birkenholzes haben schöne Masern. Engl. Measles. S. das vorige und die folgenden Zusammensetzungen. Im mittlern Lat. kommen Mazer, Mazarum, Mazerinus, Masdrinum u.s.f. und im alt Franz. Madre, häufig von einer Art kostbarer Gefäße vor, deren Materie Ihre dergleichen maseriges Holz hält, wowider sich aber, wenn man die Stellen beym Du Fresne zusammen nimmt, noch manches einwenden lässet; obgleich erweislich ist, daß die Alten dieses Holz, zumahl da sie es für seltener hielten, als es wirklich ist, sehr hoch geschätzet haben. 2) Fehlerhafte Flecken auf der Haut, wo es ehedem nicht nur von Narben und Muttermählern, sondern überhaupt von allen unnatürlichen Flecken gebraucht wurde; daher man auch diejenigen Krankheiten, welche solche Flecken verursachen, die Maser, Masel, Massel und auch wohl im Plural die Masern, Maseln, Masseln zu nennen pflegte. So war Masel ehedem der Grund. Im Schwed. ist Massel die Krätze, maslig krätzig, und Mäsling die Blattern oder Pocken, und im Engl. sind Measles die Finnen. Am üblichsten ist es im Deutschen von einer Krankheit, welche am häufigsten die Kinder, oft aber auch erwachsene Personen besällt, und mit einem Fieber verbunden ist, bey welchem am vierten Tage oder gegen denselben kleine rothe Flecken am Leibe ausschlagen, welche sich aber in keine Blasen zusammen ziehen, und gegen den achten Tag wieder abtrocknen, ohne einige Narben zu hinterlassen; Lat. Morbilli. Wenn das Wort diese Krankheit bedeutet, so ist es nur im Plural üblich, dagegen auch ein einzelner Flecken dieser Art eine Maser genannt werden kann. Um dieser Flecken willen wird diese Krankheit, welche Unwissende oft mit dem Friesel und Scharlachfieber verwechseln, auch die Flecken, Kinderflecken, die Rötheln, im Nieders. Ritteln, (Ital. Rosselle,) Maseln, Masseln, Messeln, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Durchschlechten, Urschläg, Urspring, genannt. Im Dän. heißt sie Mäslinger, und im Engl. Measles.
      Anm. In allen obigen Bedeutungen lautet es in einigen Mundarten nach der gewöhnlichen Verwechselung des l und r auch Masel, im Oberdeutschen aber mit der Ableitungssylbe e, Mase, S. dieses Wort. Es gehöret, wenn es anders nicht unmittelbar aus Mahl entstanden ist, zu mischen, welches doch nur ein Abkömmling von machen, verbinden, ist, S. Gemahl. Mase und Maser bedeutet, so wie Makel und Mahl, eigentlich eine Verbindung oder Vermischung mehrerer Farben. Daher sind im Oberdeutschen auch die Zeitwörter bemaschen und vermaschen, für bemakeln, beflecken, üblich.

    • Die Masêrle, plur. die -n, eine Art des Ahornes, welche eigentlich eine Heckenstaude ist, aber doch zu einem kleinen Baume wächset; Acer campestre L. Sie hat ein schönes gemasertes Holz, das besonders an den Wurzeln schön geflammet ist, welchen Masern sie auch den Nahmen zu verdanken hat, von Mase, Maser. In andern Gegenden wird sie Masholder, (bey dem Altensteig Masalter,) Maslieben, Mescheller, Massern, Wasserhülsen, Weißbaum, Binbaum, Binnenbaum, Weißeper, Epelern, Weißlöber, Bergahorn, Anerle, kleiner Deutscher Ahorn, Flader, Fladder, Flaser, genannt. Bey einigen Schriftstellern führet der Ahorn überhaupt den Nahmen des Masholders, und alsdann heißt unser Masholder bey ihnen Feldmasholder. Im Wallis. heißt dieser Baum Masarn, und im Isländ. Mosor, Mausur, dagegen Masur im Schwed. die Birke ist. S. Mase und der Maser.

  • Grimm (1895) 12,1698 ff

    • mase, f.wundenmal, fleck; ahd. mâsa, cicatrix Graff 2, 861, mhd. mâse, mnd. mase Schiller-Lübben 3, 41a; über andere dialekte nicht verbreitet. das wort ist auch der nhd. schriftsprache seit dem 17. jahrhundert entfremdet, lebt aber noch in oberdeutschen mundarten: alem. mosa flecken, mal Tobler 223b; mose mal und schmutzflecken Seiler 210a; schwäb. maas fleck Schmid 375; bair. masen, oberpfälz. mausen Schm. 1, 1658 Fromm.; tirol. måsen und måsel mal, narbe Schöpf 426; kärnt. måse und måsel narbe Lexer 187; es bezeichnet
      1) die narbe einer wunde
      2) auch mal am leibe, das nicht von einer verwundung herrührt, fleck, muttermal oder
      krankheitszeichen
      3) endlich fleck an irgend einem dinge, schmutzfleck oder farbfleck

    • maser, m. f.tuber.
      1) das wort, in der alten sprache nur masc., später mit zum theil erweiterter bedeutung auch ins feminine geschlecht übergetreten, findet sich im altnord. als mösurr, mösur-trê ahorn, altengl. maser ahorn; ahd. masar, mhd. maser aber (und wol in älterem sinne, vgl. unten 3) ist der knorrige auswuchs eines baumstammes und das daraus gefertigte. die etymologischen bezüge von maser sind eben so dunkel, als die von mase, oben sp. 1698; verwandtschaft beider durch ursprüngliche kürze und länge des stammvocals von einander getrennten wörter wäre nicht unmöglich, da sie als im ablautverhältnis zu einander stehend aufgefaszt werden können, und da auch die bedeutung nicht weit auseinander liegt, indem der begriff des fleckes am masc. wie am fem. maser sich entwickelt findet.
      2) maser, auswuchs am ahorn oder an einem andern baume: tuber, knortz an holtz, maser Dief. 600b; maser bruscum, maser an eim baum, tuber Dasyp.; maser, tuberculum, bruscum. Maaler 284b
      3) wol wegen der auswüchse ist der ahorn selbst maser genannt worden, wie im altnordischen und altenglischen (oben 1): murra ein maeszer, maser, masser (neben masirbaum, masserpaum) Dief. 372c.
      4) das aus dem maser verfertigte trinkgeschirr, becher, ein im mittelalter gewöhnliches gerät (vgl. die stellen oben unter 2), in das mittellat. als scyphus maserinus, altfranz. madelin, maderin trinkgefäsz, übergegangen (Diez wb. der rom. spr. 2, 366) Bild
      5) maser, flammen- und geäderzeichnung, wie sie sich am maser (nr. 2) findet, sonst flader, th. 3, 1708 fg. die bedeutung ist schon im 16. jahrh. ausgebildet, vgl. unten masericht
      maser auch das so gezeichnete holz selbst, s. unten maserholz.
      6) von der ähnlichkeit ihres gehäuses mit einer solchen zeichnung heiszt eine porcellanschnecke, cypraea lynx, maser. Nemnich
      7) maser, verhärtung in der haut; eine übertragung der bedeutung 2, wobei doch aber auch ahd. masala blutgeschwür (s. nachher das fem. maser) einzugreifen scheint:

    • maser, f. erhabener ausschlag auf der haut, pustel

  • Fick (1909 / 2005) 162

    • 162 (mês, mas) etwa flecken. Germanisch in mêsôn, masura, masalô. Ig. Wz. (s)mēs : (s)mas, Weiterbildung zu (s)mē in gr. σμῆν, σμήχειν wischen, schmieren, streichen, μôμος Fleck, Schandfleck, Hohn, lat. ma-cula Fleck, Makel.
      mêsôn f. Flecken. ahd. mâsa, mhd. mâse entstellender Flecken, Narbe.
      masura m. geflammtes Holz. an. mǫsurr m. geflammtes Holz (zufolge der Knorren); and. masur »tuber«; ahd. masar, masor, mhd. maser m. knorriger Auswuchs am Ahorn u. anderen Bäumen, Becher daraus, nhd. Maser. Vgl. von den verwandten germ. Wzn. map (s. memp) und mat : an. mǫpurr Ahorn, ags. mapulder, mapul-treo (engl. maple, mapletree), and. mapulder Ahorn, und ahd. ma(ʒ)ʒaltra, ma(ʒ)ʒoltra f., mhd. maʒalter, maʒolter, maʒʒelder f., nhd. Maßholder

  • Kluge 2002

    • Maser (9. Jh.), mhd. maser m. "knorriger Auswuchs an Bäumen, gemasertes Holz", ahd. masar m., as. masur m. Vergleichbar ist anord. mǫsurr m. "Ahorn". Herkunft des Wortes und Zusammenhang mit Maßholder sind ungeklärt. Verb: masern mit dem Abstraktum Maserung.

  • Alternative

    • P706 2. med- 'schwellen'?

Diskussion

  • Der Knorren am Baum (Maser) ist eine Wucherung aufgrund einer Infektion oder Verletzung (Web), lässt sich verstehen als Narbe, Wunde' und kann daher zu ahd. māse 'Narbe' gehören.

  • Frz. madre 'Maser' gibt aber zu denken, das eher zu madrier 'Diele' < lat. materia 'Holz' gehört als zum deutschen Wort.

    • Godefroy 5,62 f

      • MADERIN, madrin, maserin, mazerin, macrin, maizerin, madlin, magdelin, maselin,. mazelon, macelin, manderin, adj., de madre

      • MADRE, maddre, maadre, masdre, mazre, masre, masere, madere, magdre, s. m., semble avoir désigné soit une matière précieuse, que l'on croit être l'agate onyx, soit des imitations de cette matière en bois veiné.

    • < span. madera 'Holz'. Das afrz. Wort ist maiere

      Godefroy 5,70

      • MAIERE, mayere, mahiere, madiere, mahare, s. f., menu bois

Erklärung

  • Maser, Masel, ahd. mazal < frz.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 07.04.2016