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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Maulaffe

änhd. 'müßiger Gaffer'

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Quellen:

  1. mhd. mundaffe 'Mundaffe (Virginal 320,5; 12b")
    din affenmuot der triuget dich, daz du niht lâst belîben daz du dich selben zückest vür. sniudeln und mundaffen, mich dunkt, du ritest ûf der spür. iô du bist gar erlaffen. = Dein Affenmut, der trügt dich, dass du es nicht bleiben lässt, dass du dir selber den Vorrang gibst. Wichtigtuer und Mundaffen, ich glaube, du bist auf dem besten Weg dazu. Ja, du bist ein richtiger Weichling.

    Der Riese wirft König Dietrich vor, er sei ein verweichlichter Weiberknecht, der Angst vor einem Kampf hat. "Mundaffe" ist nach dem Zusammenhang eher ein 'Maulheld' als ein 'Gaffer'.

  2. fnhd. mûlaffe 'Maulaffe' (Fastnachtsspiele 539,18. 14", zit. GrWb 12,1796)
    lacht, greint und singt ein wenig leis, ir kelber, tortschen und maulaffen! = Lacht, weint und singt ein bisschen leiser, ihr Kälber, Trottel und Maulaffen!

    Die Fastnachtsnarren werden aufgefordert, leise zu sein. Ein Maulaffe wäre demnach ein 'schreiender Affe'.

  3. änhd., schwäb., CH, thür., sächs. Gähnaffe in der Wendung jemandem Gähnaffen machen 'pah sagen, höhnen' (GrWb 4,1148)
    "Den Gähnaffen machen" bedeutet 'einen Affen spielen, der gähnt'

  4. schwäb. CH Galaffe
    <  änhd. Gal, Gall 'Schrei' < gellen GrWb 1180 ff)

    • schwäb. Golaffe feil habe 'müßig im Dorf herum laufen' (Schwäb. Hand-Wb. 168)

    • Bern: Galaff 'Gaffer, Herumsteher, Laffe'; galaffe 'mit offenem Mund zuschauen' (Berndeutsches Wb. 127)

Deutung

  • Alle vier Wörter kennzeichnen Menschen, die sich wie Affen verhalten, die das Maul aufreißen, großspurig reden, lärmen oder gähnen. Die alten Belege lassen nicht erkennen, dass gemeint sein soll 'mit offenem Mund gaffen' oder 'untätig herumstehen'. Da hat offenbar eine Bedeutungsentwicklung stattgefunden.

  • Maulaffen feilhaben (zum Verkauf anbieten) ist dasselbe wie Narren feilhaben (GrWb 3,1447).
    In dieser Redewendung haben sich zwei Gedanken überschnitten: 1. Du bist ein Maulaffe und 2. Du hast deinen Laden (Mund) offen, als hättest du etwas zu verkaufen.

  • Es gibt keinen literarischen Hinweis, dass man einen Kienspanhalter in Form eines Kopfes mit offenem Mund "Maulaffe" genannt hätte, wie Röhrich 3,1011 zu beweisen versucht. Es gab zwar diese Figuren, aber aus den Neuzeit. Röhrich unterstellt den obigen Belegen die Bedeutung 'Kienspanhalter' und datiert die Figuren ins Mittelalter.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Abkürzungen

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Übersicht

Systematik

 

Sprachecke 15.09.2009

 

Datum: 2009

Aktuell: 18.04.2017