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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Ölgötze

änhd. 'eine regungslose Gestalt'

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Belege

nach Röhrich 4,1120

  1. Luther 1520 wen wyr ynn der kirchen seyn unter der meß, da stehn wir wie die öl götzen, wissen nichts auff zcu bringenn = Wenn wir in der Kirche sind während der Messe, da stehen wir wie die Ölgötzen und wissen nichts aufzubringen (zu sagen)." (Weimarer Ausgabe IX,266).

  2. Luther 1520 das aber der Bapst odder Bischoff salbet ... mag eynen gleysner und ölgötzen machen = Was aber der Papst oder Bischof salbt, kann einen Heuchler oder Ölgötzen machen. (Weimarer Ausgabe VI,407).

  3. 159 Johannes Agricola Ein stock vnd ein holtz, das geferbet ist, vnd ölgetrencket, auff daz die farbe bleibe vnd vom regen nicht abgewaschen werd, ist ein ölgötze. Götze kompt von Gott, vnd ist etwas das ein bildtnis hat on leben, on seele, darumb ist ein ölgötze ein mensch, der nyrgent zu nütze ist, da wedder verstandt noch witze bey ist. = Ein Stock und ein Holz, das gefärbt ist und mit Öl getränkt, damit die Farbe bleibt und vom Regen nicht abgewaschen wird, ist ein Ölgötze. Götze kommt von Gott und ist etwas, das ein Bildnis hat, ohne Leben, ohne Seele. Darum ist ein Ölgötze ein Mensch, der zu nichts nütze ist, da er weder Verstand noch Wissen hat. (Sprichwörter Nr. 186)

Deutung

  • Ölgötze ist ganz deutlich dasselbe wie das einfache Götze in der ursprünglichen Bedeutung 'Heiligenbild'. Luther in Nr. 2 denkt nicht an "mit Öl gesalbte Priester", sondern dass die Priester sind wie Heiligenbilder: zu nichts nütze, ohne Verstand und Wissen.

  • Die Redensart "dasitzen wie ein Ölgötze" meint also: regungslos, dumm und willenlos dasitzen wie ein Heiligenbild". Der Verweis auf den Sprachgebrauch der Reformatoren im Sinne von 'Priester' ist irreführend.

  • Ob Agricola Recht hat mit seiner Deutung 'mit Ölfarbe gestrichene Statue', ist eine andere Frage.

  • GrWb 13,1279 f und Röhrich verweisen auf einen späteren landschaftlichen Sprachgebrauch,  wo Ölgötze einen Pfosten, an dem man eine Lampe aufhängte, oder ein Heiligenbild mit Lampe bezeichnete. Dagegen spricht, dass Öl immer nur das flüssige Fett bezeichnet und nicht eine Lampe. Der Ausdruck ist eher eine scherzhafte Weiterbildung des Sprichworts.

  • Dieselben Quellen erwägen auch eine Verkürzung aus Ölberggötze: Die schlafenden Jünger am Ölberg wurden ja oft genug bildlich dargestellt. Aber nicht der Schlaf der Jünger ist der Vergleichspunkt, sondern die Bewegunnglosigkeit der Figuren.

  • Nach GrWb war Ölgötze in Thüringen eine "figurenartig geschnitzte Abflussröhre des Öls in den Ölmühlen". Das gehört offensichtlich nicht zu Götze 'Heiligenbild', sondern zu gützen 'aus einer Röhre spritzen' (zu gießen, GrWb 9,1494). Da Luther aus Thüringen stammt, könnte er dieses Wort auf die Heiligenbilder bezogen haben.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Systematik

 

Sprachecke 15.09.2009 | 31.01.2017

 

Datum: 2009

Aktuell: 16.04.2017