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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

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Diskussion Ostern

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Das Wort Ostern

Das Zeugnis Bedas

Das östliche Fest

Frühlingsfest

Kein 'Schöpf-Fest'

 

  Fast die ganze Christenheit benennt das Osterfest nach dem jüdischen Passafest bzw. griech. πάσχα páskha, lat. pascha < aram. פסחא pasḥâ < hbr. פסח päsaḥ

Das Wort Ostern

Lediglich das Deutsche und Englische machen eine Ausnahme:

  • ahd. ôstara, ôstaru, nhd. Ostern, aengl. Éastre, Pl. Éastron, engl. Easter
  • dagegen and. pascha, ndl. Pasen, anord. páskar. Das Wort scheint im Ahd. zu fehlen.

Das lässt vermuten, dass der Name dieses Festes an Stelle des lat. pascha durch die angelsächsische Mission nach Deutschland kam. Erst zu Beginn der Neuzeit hat Ostern das lateinische Wort im Deutschen endgültig verdrängt.

Im Englischen steht für das jüdische Fest Passover von to pass over 'vorübergehen'. Das Wort kam durch die englische Bibelübersetzung im 15er Jahrhundert in Umlauf (nach der biblischen Deutung des Namens Ex 12,23).
Das moderne Wort
Passa(h) ist offenbar eine moderne gelehrte Bildung nach dem Hebräischen. Das Wort fehlt noch in Grimms Wörterbuch. Katholische Theologen bevorzugen die unaussprechliche Form Pascha [pʰasça:].

Das Zeugnis Bedas

Der angelsächsische Kirchenvater Beda Venerabilis (um 700) behauptet, der aengl. Name des Festes sei ursprünglich Name einer Göttin Eostræ gewesen. Diese Göttin war aber wohl kaum eine Frühlingsgöttin, wie oft behauptet wird und wie man aus dem aengl. Monatsnamen eostur-monath schließen könnte, sondern eher die idg. Göttin der Morgenröte (lat. Aurora). [1] 

Im Westgermanischen heißt 'Frühling' nicht Ostern, sondern dt. Lenz, Frühling, Frühjahr, ndl. lente, voorjaar, engl. spring. Von daher ist es unwahrscheinlich, das Eostræ eine Frühlingsgöttin war.

Das 'östliche Fest'

Der Festname Ostern, Easter ist wie das Adjektiv osterneastern 'östlich' von der Himmelsrichtung Osten abgeleitet. Das deutsche Wort steht wie Pfingsten, Weihnachten im Plural, weil es mehrere Feiertage sind.

Nach der Bibel ist die Auferstehung Christi fest mit der Geschichte verankert, wie die Frauen am Sonntagmorgen noch vor Sonnenaufgang ans Grab kamen und erfuhren: „Der Herr ist auferstanden.“ Der Name des Festes lässt sich also ganz gut deuten als ‚das östliche, morgendliche Fest’, zumal wenn man bedenkt, dass in der alten Christenheit der Ostergottesdienst in der Nacht stattfand und bis in den frühen Morgen ging. Auch sind die meisten alten Kirchen so gebaut, dass der Altar im Osten steht; in manchen fällt das Licht der aufgehenden Ostersonne durch ein besonderes Fenster auf den Altar.

Die frühe Erwähnung bei Beda lässt vermuten, dass das Wort Ostern bei den Angelsachsen aufgekommen ist. Daher ist eine Ableitung von vlat. alba 'Morgendämmerung' = klat. alba 'weißes (Tauf-) Kleid' unwahrscheinlich, zumal der Gedankengang ziemlich verworren und nicht einsichtig ist. Die Angelsachsen haben auch sonst keine Lehnübersetzungen gebildet, sondern einheimische Wörter mit ähnlichem Inhalt verwendet.
Da das Wort
Ostern ausgerechnet in der Urheimat der Angelsachsen, in Norddeutschland, in alter Zeit fehlt, ist es kaum anzunehmen, dass die es von dort mitgebracht haben. Vielmehr werden sie es aus dem Adjektiv éasterne 'östlich' neu gebildet haben.

'Frühlingsfest'

Germ. *austrō kann auch als 'Frühlingsfest' eine Ableitung von idg. *ḫəʊés- 'Frühling' sein. Im Germanischen hat sich sonst nur anord. vár gehalten: Idg. *ḫəʊés- 'Frühling' > *ḫəʊés\t/rā- 'zum Frühling gehörige' > germ. *austrō 'Frühlingsfest' >> Ostern. Wenig wahrscheinlich. die überlieferten Wörter für 'Frühling' haben keinen vokalischen Anlaut und air. errach hat leniertes f.

Kein 'Schöpf-Fest'

Andere fühlen sich bei Ostern erinnert an anord. ausa 'schöpfen; mit Wasser übergießen, besprengen', das in Island u. a. für einen heidnischen Ritus der Namensgebung verwandt wurde. Dazu austr 'das Schöpfen' (vom ins Schiff eingedrungenen Wasser).
Dagegen spricht:

  • Der heidnische Ritus ist spät bezeugt und offenbar von der christlichen Taufe beeinflusst.
  • Das zugrunde liegende Verbum hat nur im Anord. die Bedeutung 'übergießen' und bedeutet im Westgermanischen ausschließlich 'schöpfen' (mnd. osen, mhd. ôsen).

  • Ein heidnischer Wasserritus ist nur aus dem späten isländischen Brauch erschlossen und noch unsicherer als die Frühlingsgöttin.
  • Wenn die heidnischen Angelsachsen diesen Ritus gekannt hätten, hätten sie das christliche 'Taufen' nicht fulwian oder diepan, sondern *éasan genannt. Von diesem Wort für 'schöpfen' fehlt aber ausgerechnet im Angelsächsischen jede Spur.
  • In den nordischen Sprachen sind weder die Wörter für 'taufen' noch für 'Ostern' von ausa, austr abgeleitet.
  • Anord. austr, isl. austur bedeutet nicht 'Begießen', sondern 'Schöpfen'.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

 

[1] Die Nationalsozialisten haben die angebliche Göttin Ostara als Alternative zum christlichen Osterfest sehr geschätzt. Moderne Forscher bestreiten, dass es sie gab. Andere verweisen auf die am Niederrhein gut bezeugten Matronae Austriahenae, die aber wohl nichts mit der alten Göttin der Morgenröte (lat. Aurora) zu tun haben, sondern nach dem Stamm der Austriates 'die Östlichen, die im Osten wohnen', benannt sind.

 

 

 

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Etymologie | Diskussion

 

Datum: 2005

Aktuell: 16.04.2017