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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Schmaus

nhd. 'Festessen'

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Befund

Diskussion

Analyse

Ergebnis

 

Befund

  • Hochdeutsch

    • 1660 potaturus est apud me, er will mir ein schmaus ausführen (wörtlich: er will bei mir trinken); agere convivium, schmausen (wörtlich: ein Gastmahl machen)
      Corvinus, Fons Latinitatis (Grimm 15,956.958), offenbar Studentensprache; man sollte eher an ein Trinkgelage als an ein Festessen denken.

    • Grimm ebd.: Schmaus 'einmaliges Schmausen'; schmausen 'ein Gelage feiern, schmausend verzehren'

    • Duden (2012): Schmaus 'reichhaltige, bes. leckere Mahlzeit, die mit Genuss verzehrt wird', schmausen 'vergnügt und mit Genuss essen; behaglich verzehren'

  • Shess. Schmaus kommt wohl aus dem Hochdeutschen. Schmäusen ist einmal als 'Tabak rauchen' bezeugt, wohl mit schmauchen verwechselt.
    ShWb 18,510

  • Keine direkten Parallelen in anderen germ. Sprachen

Diskussion

  • Ableitung von Mus 'Speise'

    • Adelung 3,1580 schmausen < musen, mosen 'essen' = Grimm 12,2737 musen 'Mus essen und machen'
      = ndt. mausen 'zu Mus zerquetschen, schmieren'
      Wrede 161
      regelmäßige Lautentwicklung wie bei ndt. faut < fôt = nhd. fuß < fuoz
      Mit s-mobile: ndt. smaußeln 'schmausen'
      Wrede 23.
      S-mobile vielleicht zur Bedeutungsunterscheidung
      /Au/ ist lautgerecht und /ß, ss/ kennzeichnet bei Wrede ein scharfes /s/ aus /hs/ (Waß 'Wachs'), hier wohl aus /ts/ (Mus < mat- 'Speise',
      Pfeifer  900)

    • nfries. smous 'Schmaus' FriesWb 219.
      /ou/ entspricht auch sonst germ. /ô/.

    • wfries. smots 'Mus'; smotskje 'pappig werden' KWbFries 138.

      Zu Schmutz? Germ. /ô/ ist wfries. <oe>= [u:] (Fuß  = foet). Kurzes /o/entspricht oft dt. /u/ (bosk = Busch).
      /ts/ ist aber /t+s/, daher wohl auch zu Mus. Lautverkürzung wegen Doppelkonsonanz.

  • Zu wgerm. śmud- 'Schmutz'

    • ndt. smuddel 'Unsauberkeit', smuddelbart 'ein mit Speiseresten umrandeter Mund'

    • ndl. *smudlen > smullen 'schmausen', smulbaard (eigentlich 'beschmutzter Bart') 'Leckermaul

    • Hamburg smuddern 'schmausen'

    Gemeint ist also, dass man sich beim Essen mit Soße und triefendem Fett bekleckert.

Ergebnis

  • Aus lautlichen und inhaltlichen Gründen ist schmausen < Mus wahrscheinlicher als < schmuddeln.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Systematik

 

 

 

Datum: 2009

Aktuell: 07.04.2016