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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Schilling

 dt. 'eine Münze'

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älteste germanische Münzbezeichnung, heute noch Währung in Kenia, Somalia, Tansania, Uganda, bis 2001 in Österreich (seit 1924), vor 1968 in Großbritannien, im 19er Jahrhundert auch in Hamburg, Lübeck, Mecklenburg, Dänemark, Schweden und Norwegen.
Die Abkürzung s. stammt aus dem Karolingerreich, wo der Schilling mit dem römischen solidus gleichgesetzt  wurde. Damals hatte der Schilling einen Wert von 20, später nur noch von 6 Pfennigen. Der englische Shilling hatte 12 Pence.

  • got. skilliggs, ahd., aengl. scilling, mndl. schellingh, afries. skilling, anord. skillingr.

Das ehrwürdige Alter widerlegt die seit 1595 bis heute kolportierte Sage von einem Prägemeister Bernhard Schilling aus Lignitz oder Thorn, nach dem die Münze benannt sein soll. Umgekehrt stammt der Name Schilling, schwäb. Schelling von der Münze.

 

Ableitungsversuche:

  • von Schild, benannt also nach der Form der runden germanischen Schilde. Dementsprechend finden sich die Formen mnd. schildink (neben schillink), mnorw. skildingr, die aber zu jung (spätmittelalterlich) sind, um als ursprünglich zu gelten.

    • Die Ableitung kommt deswegen nicht in Frage, weil im Altgermanischen /ld/ erhalten geblieben ist und erst im Spätmittelalter in einigen Dialekten zu /ll/ wurde, vgl. den lautlich ähnlichen Namen Hilde (im Nibelungenlied um 1200 Hildebrant), erst in der Neuzeit Hillebrand.

  • von schellen 'tönen'. Germanisches /e/ wurde im Gotischen in jedem Fall zu /i/ (Fell = got. fills), in den anderen germanischen Sprachen musste /e/ vor /i/ zu /i/ werden, daher geben, aber gibst, gibt (aus gibis, gibit).

    • Dagegen spricht, dass in alter Zeit Ableitungen auf -ing von Substantiven und Adjektiven, kaum von Verben vorgenommen wurden. Schilling müsste also von Schelle kommen, das aber erst im 10'' Jahrhundert bezeugt ist.

  • von einem Wort für 'schneiden' (anord. skilja 'trennen, unterscheiden'), wohl im Sinne von 'abgeschnittene Scheibe'. Das kann nur ein bildlicher Vergleich gewesen sein. Ursprünglich wurden die Münzen tatsächlich von einer Stange abgeschnitten, aber das war vor 500 v. Chr.

    • Das Wort kann aber kaum direkt vom Verb abgeleitet sein, sondern von einem Nomen. Auch das ist kaum wahrscheinlich, weil die Doppelkonsonanz unerklärt bleibt.

    • Die einzigen Wörter, die dafür in Frage kommen, sind anord. skil 'Unterschied, Erfüllung einer Verpflichtung, Prozessritual', schwed. skill 'Trennung' und engl. skill 'Geschicklichkeit', also mit sehr abstrakter Bedeutung.

  • Formal keine Schwierigkeiten macht eine Ableitung aus urgermanisch *skiðlinḡaż zu einem anderen Wort für 'trennen' (daraus unser scheiden).

    • Auch hier müssen wir von einem Nomen ausgehen, das schiðl- lautete, vergleiche unser Scheitel. Da nach den frühgermanischen Lautgesetzen /ðl/ zu /ll/ werden musste, wurde kein Gleitlaut /e/ wie beim jüngeren Scheitel eingefügt.

    • Grundlage könnte ein anderes Wort für 'Schild' sein: kelt. *sceiton, mit germanischer Anfügung (-e)l + ing.

    • Schilling würde demnach tatsächlich 'etwas kleines Schildartiges' bezeichnen, abgeleitet aber nicht vom deutschen, sondern vom keltischen Wort. Hatten die Germanen das Wort schon in vorrömischer Zeit übernommen, als sie die keltischen Münzen kennen lernten?

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Abkürzungen

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Datum: 2005

Aktuell: 07.04.2016