Diskussion Trumm

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

 

Befund

  • germ. Kandidaten:

    • anord. 784.786

      • þruma 'laut tönen, krachen, donnern'

      • þramuż > þrǫmr 'Rand, Kante'

    • aengl.

      • trum 'fest, sicher, stark, gesund, kraftvoll, aktiv, vertrauenswürdig' 349

      • trym 'kleines Stück, kurze Länge' 350

      • trym 'Firmament' 350

      • trymian, trymman 'stärken, festigen, trösten, ermahnen, anreizen, ordnen, anordnen, bereiten, rüsten; stark werden, aufgestellt sein; bezeugen, bescheinigen; (Geiseln) stellen' 350

        • mengl. trimmen 'ermahnen, ermutigen, stärken; gebären; ausliefern; zusammenbinden'

          • engl. trim 'in Ordnung bringen, zurechtmachen, putzen, schmücken, stutzen, beschneiden; gleichmäßig verteilen' LT(1963) 527

      • þrymm 'Menge, Heer; Strom; Macht, Fähigkeit; Ruhm, Ehre, Glanz' 364

    • and. thrumm 'Kraft' 79

      • mnd.

        • drom, drum (dram) 'Endstück; Saum, namentlich bei einem Gewebe der letzte Teil des Aufzugs' 86f

        • drummel 'Trümmer, Baumstumpf; kleiner, gedrungener Mensch; hartes Exkrement; Name des Teufels' 86f

        • trame 'Querstab, Sprosse einer Leiter, Treppe, eines Stuhls' 415

    • ahd.

      • drum 'Ende, Stamm, Stück' 55

      • drumōn 'abschneiden, stückeln' 55

      • trāma 'Weberschiffchen, Einschlag' 317

      • nhd. Trumm 'Bruchstück', Pl. 'Ruine'

Theorien

  • Adelung (1793-1801) 4,709 Trumm

    • Anm. Im Nieders. Droom, Drum, wo Drümmel auch ein Prügel, Knüttel, Oberd. Drämel, Trämel ist.

    • Schon im Griech. ist θρυμμά, ein Stück. Im Schwed. ist Tråm, Trum, ein Strunk, Isländ. Trumba, und im Angels. Trume, der Stamm.

    • Der stumpfe dumpfige Laut dieses Wortes druckt den Begriff der Kürze und Dicke sehr bestimmt aus, entweder, so fern ein so beschaffenes Stück in der Handhabung oft diesen Laut von sich gibt, oder auch, so fern das Zerschlagen oder Zerbrechen mancher festen Körper mit diesem Laute verbunden ist.

    • Trumm ist eigentlich ein Intensivum von dem noch Niederd. Droom, Drum, wo der einfache Lippenlaut und das lange u oder nicht so stumpfe o den Begriff einer größern Ausdehnung in die Länge gewähret; wohin denn auch das Oberd. Tram, ein Balken, gehöret,

    • S. dasselbe, ingleichen Trumpfen und Strumpf.

  • Grimm (1952) 22,1336

    • trumm, trum,n., vereinzelt m.; _ trümmer, pl., vereinzelt als sing., m., f., n.

    • herkunft und form. ahd. drum, mhd. drum (vereinzelt trum, vgl. Lexer 2, 1544), mnd. drom, drum, nhd. trumm (trum), aus germ. *þruma- oder *þrumu-, vgl. ags. þrum in tungeþrum Bosworth-Toller 1020, mengl. thrum, throm, engl. thrum Murray 9, 2, t 383c, mnl. drom Verwijs-Verdam 2, 430, nl. drom (droem, dreum) woordenb. 3, 2, 3416, norw. trumm, schwed. dial. trum, trom 'stock, baumstamm, abgehauener holzklotz' Hellquist 1012;

    • vgl. ablautend aisl. þrǫmr (< *þramu-) 'rand, kante, ende', norw. tröm, wohl auch ahd. dremil 'balken', mnd. treme 'querstange, sprosse' (vgl. auch trempel 'stützpfahl' oben sp. 104 sowie unten 2trumpf sp. 1369) und mhd. trâme, drâme 'balken' (vgl. DWB dram teil 2, 1332, trom oben sp. 808).

    • die auszergerm. verwandtschaft ist nicht eindeutig bestimmbar; mit Meringrr idg. forsch. 21, 299 wird trumm meist gr. τέρμα, lat. terminus in der grundbedeutung 'pflock, pfahl' zugeordnet; s. auch Walde-Pokorny 1, 733 f.

  • Pfeifer (1995 / 2005) 1469

    • Trümmer Plur. ‘Ruinen, Reste, Bruchstücke eines einstmals Ganzen’,

    • verselbständigter Plural von obd. und rhein. Trumm n. (m.) ‘großer, schwerer Brocken’, ahd. thrum (8. Jh.), mhd. drum, trum, frühnhd. trum ‘Endstück, Ende, Stück, Splitter’, wozu entsprechend mnd. drōm, drȫm, drum, mnl. drom, dreum, drōme ‘Fadenende eines Gewebes’, nl. dreum, drom ‘Endfaden der Kette, Garnabfall’, aengl. þrum in (under)tungeþrum ‘Gewebeband unter der Zunge’, engl. thrum ‘Endfaden der Kette, Garnabfall’ (Weberei) und (ablautend) mnd. dram ‘Endstück’, bes. ‘Fadenende’ (in der Weberei), anord. þrǫmr (aus *þramuR) m. ‘Rand’.

    • Ausgehend von einer Bedeutung ‘Ende, Endstück’, vergleicht man außergerm. aind. *tárman- ‘Ziel, Spitze, Ende’ (vgl. su-tárman- ‘gut zum Ziel führend, eine gute Überfahrt habend’, zu aind. tárati ‘setzt über, fährt darüber, überwindet, übertrifft’), griech. térma (τέρμα) ‘Ziel (der Rennbahn), Endpunkt, höchster Punkt, oberste Gewalt’, lat. terminus ‘Grenzstein, Grenze, Ende, Schluß’ und schließt alle Formen als Bildungen mit m- Suffix an die unter durch (s. d.) angegebene Wurzel ie. *ter(ə)- ‘hinübergelangen, hindurchdringen, überqueren’ an.

    • Neben dem alten Plural mhd. drum (vereinzelt bis ins 17. Jh. belegt) entwickelt sich ein neuer Plural mhd. drumer, nhd. Trümmer, der seit dem 15. Jh. vorherrscht und seit Mitte des 18. Jhs. auch als Singular (f. m. n.) gebraucht wird (bis Ende 19. Jh.). Er steht in poetischer Sprache (Mitte 18. Jh.) speziell für Ruinen, Überreste großer Bauten, dann überhaupt für Überreste großer, bedeutender Gegenstände, aber auch politischer Institutionen, Imperien u. dgl. – zertrümmern Vb. ‘in Trümmer zerfallen, mit Gewalt zerschlagen’ (16. Jh.).

  • Kluge 2002

    • Trümmer (8. Jh.). Zu mhd. drum, trum n., ahd. drum n. "Endstück, Splitter", hd. (bair.) Trumm "(großes) Stück, Endstück", dazu anord. þrǫmr m. "Kante, Rand". Herkunft unklar. Präfixableitung: zertrümmern.

Diskussion

  • Lautung:

    • hdt. tr- kann sein < germ.

      • dr- < dʰr-

      • tr- < dr-
        Germ. tr- > hdt. tr- (nicht zr-)

    • hdt. dr < germ.

      • dr- < dʰr- (mdt.)

      • þr- < tr-

    • dt. um kann sein < germ.

      • um < m̥

      • Schwundstufe von üm

      • u vor i / u, sonst o

      • < ahd. uom < ōm < ōm / ām

  • Ahd. drumōn 'abschneiden, stückeln' ist abgeleitet von drum.

  • Wirklich vergleichbar ist nur mnd. drummel 'Trümmer, Baumstumpf; kleiner, gedrungener Mensch; hartes Exkrement; Name des Teufels'

  • Man kann anknüpfen an aengl. trum 'fest, sicher, stark, ...', das wohl zu treu, Trost gehört.

    • Von 'fest stark' ergibt sich > 'kompakt, dick'

    • Das würde aber ahd. trum voraussetzen, kommt nicht in Frage.

    also nur germ.

    • *drum < dʰr-

    • *þrum < tr-

  • Adelung versucht es mit Lautsymbolik. - Kluge ??

  • Grimm ein Wort für Balken

    • zu idg.

      • *dëru 'Holz' 

        wäre germ. / hdt. !trum, geht nicht

      • *trëb- 'Haus, Wohnung, Dorf' > germ. *þurpam 'Hof, Dorf'

        • < idg. *tër- 'Hölzernes, Balken, Haus' > *tr̥b-mam > germ. *þurpmom

        • Metathese geht anders rum: dorp > -trop

        • Bei Assimilation würde man bm > mm erwarten.

    Es geht beides nicht.

    Grundwort kann nur idg. *dʰ-/ tër-ü- sein.

  • Pfeifer Fachwort der Weber

    • trotz d- wohl < lat. trāma 'Kette des Gewebes, Einschlag' 1153
      d.h. die in Längsrichtung gespannten Fäden bzw. die Webkante

      • vgl. ahd. trāma 'Weberschiffchen, Einschlag' 317

    • oder urverwandt, germ. *þrōma(n)

    Kette oder Einschlag (= Webkante) sind alles andere als "Trümmer".

  • Alternative: Pokorny 274f dhreu- 'zerbrechen, zerbröckeln'

    • dazu auch das von Adelung erwähnte griech. θρυμμά tʰrymmá 'Zerbröckeltes' < θρύπτειν tʰrýptein 'zerbröckeln' JaSei 719

Erklärung

  • < japhet. *dʰrü-

zurück

 

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Email:

Aktuell: 10.02.2019