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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

verpulvern

nhd. 'verschwenden'

Email:

 

 

Befund

  • nhd. verpulvern 'verschwenden'
    fehlt bei
    GrWb 25 (1895/ 1956), kann also nicht alt sein

Älteste Belege bei DHWS:

  • 1906 12 Millionen verpulvern
    Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe) 03.02.1906, S. 3

  • einziger Beleg, der nicht vom Geld handelt:
    1911 (Der Held hatte eine Ohrfeige verdient, aber der Vater sagte:) "
    Ein Glück für dich, daß man deine verpu
    lverten Ohrwascheln noch allweil ein bissel schonen muß!" (Er hatte sich längere Zeit vorher bei einem Spiel mit Schießpulver das Gesicht verbrannt).
    Ohrwascheln sind 'Ohrmuscheln'.
    Ganghofer, Ludwig, Lebenslauf eines Optimisten. 1909-1911.

Diskussion

  • Bezug auf Pulver allgemein:

    • KüpperU 883 "Leitet sich her vom Pulver, anfangs von dem für alchimistische Zwecke, später von Arzneien."
      Herstellung von Pulver und nicht von unsinnige Geldausgaben, die damit verbunden sein könnten.

    • ndl. verpulveren 'zu Pulver machen, pulverisieren'
      möglicherweise unabhängig vom deutschen Wort.
      Man könnte sich notfalls vorstellen, dass jemand einen Gegenstand so zertrümmert, dass nur noch Pulver übrig bleibt, wie es Mose mit dem Goldenen Kalb gemacht hat (Ex 32,20). Wer aber "Geld verpulvert", tut das nicht, um es zu vernichten, sondern gibt es unüberlegt aus. Die ndl. Bedeutung kommt also nicht in Frage.

  • Bezug auf Schießpulver

    • Das Ganghofer-Zitat lässt sich verstehen als 'durch eine Pulver-Explosion beschädigen'.
      Da dieser Sprachgebrauch sonst nicht nachzuweisen ist, handelt es sich wohl um eine eigenwillige Verwendung des Wortes, aus der keine Schlüsse zu ziehen sind.

    • ShWb 2,581 Sonderbedeutung 'verschießen': er hodd sei ganze Baddrone vebulwerd "er hat seine ganzen Patronen verpulvert" (verstanden als 'verschossen'; Groß-Umstadt, einziger Beleg)
      Gemeint kann nur sein: Er hat geschossen ohne zu treffen, die Munition also vergeudet. Das erklärt nicht das Wort und ist nur eine Sonderbedeutung.

    • Der Große Duden: "wie Schießpulver zerknallen, verpuffen lassen'
      Dabei ist wohl nicht an den regulären Einsatz von Schusswaffen zu denken, denn dafür ist das Schießpulver ja da, sondern an den spielerischen Umgang damit (vgl. Ganghofer).

Erklärung

Die ursprüngliche sinnliche Bedeutung scheint also gewesen sein 'mit Schießpulver spielen und es dadurch vergeuden'.

Ich habe das Kind selbst erlebt, als mein Vater gefundene Patronen geöffnet und das Pulver verbrannt hat. Er wollte mir damit zweigen, dass Pulver allein nur brennt und nicht explodiert. Dass auch andere Leute mit Pulver gespielt haben, zeigt nicht nur das Ganghofer-Zitat, sondern auch der Ausdruck "Pulvermännchen": Man formt aus feuchtem Schießpulver einen Kegel und zündet ihn an.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Datum: 2010

Aktuell: 16.04.2017