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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

bardos

 akelt. 'Dichter und Sänger'

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Barden

Geschichte

Worterklärung

Heutiger Sprachgebrauch

Barditus

 

Barden

Geschichte

Poseidonios (135-50) berichtet als erster in seinem verlorenen 3. Buch über die Geschichte der Kelten von wandernden keltischen Sängern, die in großen Ehren gehalten wurden und βάρδοι (bárdoi, lat. bardi) genannt werden (FHG t. 3 p. 259). Sie waren neben den Propheten (οὐάτεις váteis, lat. vātēs, air. fáith) und Druiden einer der drei angesehendsten "Geschlechter" (φῦλα phŷla, bei Strabon 4,4,4 p.127). Sie trugen Lob- und Spottlieder auf der Leier vor (Diodor 5,31,2; Ammian 15,9,8).
Das Wort
Barde bedeutet nach Auskunft der antiken Autoren 'Dichter und Sänger', soll aber auch Name eines Stammes gewesen sein (Scholion zu Iuvenal, sal. 16,13 sg.). Tatsächlich waren die Barden wie die Druiden und Propheten wohl eine Art Kaste.

Worterklärung

  • noach. *ɢëλ- 'auffallend'

    • japhet. *ɢër- 'laut sein'

      • japhet. *ğër- 'die Stimme erheben' 478

        • vkelt. *ğɐrdʰós > kelt. bardos 'Sänger'

Heutiger Sprachgebrauch

Im Neukeltischen ist dieses Wort in allen Sprachen erhalten:

  • cymr. bardd 'Barde, Dichter'
    neben pryddyd, awenydd

  • corn. barth 'Musiker, Gaukler

  • breton. barz 'Barde, Dichter'

  • air. bard 'Dichter'

    • ir. bárd 'Poet' 32

    • gael. bàrd 'Poet, Verseschmied' 31 
      neben gael. filidh, ir. file

    • Manx bardagh 'Poet'

Die Verschlechterung ihres Images teilen die Barden mit ihren festländischen Kollegen: An die Stelle der adeligen germanischen scopa und ritterlichen Minnesänger, die an Fürstenhöfen sangen, traten fahrende Spielleute niederer Herkunft, die sich ihr Geld auf Jahrmärkten verdienten.
Der moderne, historisierende Sprachgebrauch ist wohl von der romantischen Ossian-Dichtung McPhersons im 17er-Jahrhundert beeinflusst.
In corn. barz spiegelt sich noch die mittelalterliche Bedeutung des Wortes, als die Barden als fahrende Sänger auf Jahrmärkten aufgetreten sind.

Im Deutschen versteht man heute unter einem Barden einen Sänger, der vor einem anspruchsvollen Publikum selbstgedichtete erzählende und lyrische Lieder zur Gitarre vorträgt. Er unterscheidet sich damit z.B. von Opern- oder Schlagersängern, die zwar auf unterschiedlichem Niveau singen, aber nicht selbst dichten und komponieren.

Barditus

Tacitus Germ. 3 findet es bemerkenswert, dass die Germanen vor der Schlacht Lieder, genannt bardītus, anstimmten und dabei die Schilde vor den Mund hielten, um sich selbst Mut und den Gegnern Angst zu machen.

  • Barditus findet sich nur an dieser Tacitusstelle; in einigen schlechteren Tacitushandschriften steht stattdessen barritus.
    Bei Ammianus und Vegetius (beide 3") bezeichnet barritus 'barbarisches und römisches Kriegsgeschrei.' Wahrscheinlich hat man in späterer Zeit barditus als barritus 'Gebrüll' verstanden (in dieser Bedeutung erstmals bei Apuleius (+1").

Barditus ist also wohl von kelt. bardos abgeleitet ('Gesang nach Art der Barden'), scheint aber eine lateinische Bildung zu sein. Verbalnomina auf -itus sind im Lateinischen häufig, im Keltischen kaum nachzuweisen und im Germanischen selten:

  • lat. auditus 'Gehör', spiritus 'Wind, Geist' < audire 'hören', spirare 'wehen, atmen'

  • ahd. zimbrid 'Bau', ferid 'Schifffahrt' < zimmern, fahren.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 07.04.2016