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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

 

Etymologie

*leigis

 akelt. 'Arzt'

 

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kelt. legis 'Arzt'

germ. lubja 'Heilpflanze'

germ. lekis 'Arzt'

dt. Arzt 'Mediziner'

lat. medicus 'Arzt'

griech. ἰατρός (iatrós)

 

 

 

 

keltisch *lēgis

  • air. liaig, Gen. léga 'Arzt', léges 'Heilung'

  • ir. lia 'Arzt', léighius 'Heilung', leigheas, liacht 'Arznei', gael. léigh, liagh 'Arzt'

  • manx lheeya 'Arznei'

Das Wort ist nur in den goidelischen Sprachen überliefert und lässt sich lautgesetzlich ableiten von japhet. *leıg-.

Das Cymrische hat

  • für Arzt: lat. medicus > meddyg und physicus > ffisygwr,

  • für 'heilen': kelt. iachau  
    für 'verarzten': lat. medicari > meddygu

  • für 'Arznei': lat. *mediciatum > meddygiaeth

Aus der längst vergessenen keltischen Heilkunst stammt wohl auch germ. *lubja 'Heilpflanze, Zaubermittel, Gift':

  • kelt. *lubis 'Strauch, Pflanze, Kraut'

    • anord. lyf 'zauberkräftiges Kraut, Heilmittel', lyfja 'Heimittel eingeben'

    • got. lubja-leis 'zauberisch', lubjaleisi 'φαρμακεία, Giftkunde, Zauberei'

    • isl. lyf 'Arznei'

    • aengl. lyb 'Gift'

    • ahd. lub 'Gifttrank, Zaubertrank', lubbâri 'Giftmischer, Zauberer', lubben 'vergiften', lubbi 'Zauberei, Gift'

    • mnd. lub

  • ir. lubh, lben 'vergiften'

germanisch *lēkis

  • got. leikeis 'Arzt', leikinassus 'Heilung', leikinon 'heilen'

  • anord. læknir 'Arzt', lækna 'heilen', læknan 'Heilung'

  • dän. læge 'Arzt', læges 'heilen'

  • norweg. lege 'Arzt, heilen'

  • isländ. læknir 'Arzt', lækna 'heilen'

  • schwed. läkare 'Arzt', läka 'heilen

  • aengl. lǽce 'Arzt', lǽcnian 'heilen'

  • ahd. lâhhi, lâhhinâri  'Arzt', lâhhan 'Arznei', lâhhanon 'heilen'

  • mhd. lâchenære 'Besprecher, Zauberer', lâchen 'Arznei',  lâchenen 'verarzten', lâchenie 'Besprechen, Zaubern, Hexen'

Japhet. *leıg- hätte lautgesetzlich german. *līk- geben müssen. Da aber lēk- > lāk- überliefert ist, muss es sich um ein Lehnwort aus dem Keltischen handeln, das aber noch vor der 1. Lautverschiebung übernommen wurde, bei einer späteren  Übernahme müsst es *lēg- heißen.
*leıgis 'Arzt' lässt sich verbinden mit alban. lig 'krank sein, krank machen, böse'; ligë 'Böses, Unglück, Krankheit'. Der Arzt wäre also einer, der die Krankheit vertreibt.

Lehnwörter aus dem Germanischen:

  • a-slaw. *ŀēk > rum. leac 'Arznei'

  • finn. lääke 'Arznei', lääkäri 'Arzt', lääkitä 'heilen'

Wie die Lautung mit /e, ää/ und /k/ zeigt, haben die Slawen und die Finnen die Wörter von den Germanen übernommen.

Deutsch: Im Mittelhochdeutschen hat die Wortfamilie eine abschätzige Bedeutung angenommen. Das ist sicher eine spätere Entwicklung und kaum ursprünglich. Die Grundbedeutung 'Besprecher' lässt sich also nicht aus dem Mittelhochdeutschen erschließen.
Die abschätzige Bedeutung entstand wohl, weil in der Merowingerzeit das Wort Arzt (ahd. arzât, ndl. arts) aufgekommen war, abgeleitet von mittellat. archiater [artçia:tεr] < griech. ἀ
ρχια
τρός arkʰiatrós 'Oberarzt am Fürstenhof', dem wohl ein besseres Können zuzutrauen war als dem gewöhnlichen einheimischen lâhhi, römischen mĕdicus und griechischen ἰατρός iatrós.

Lehnwörter aus dem Deutschen:

  • estn., lett. arsts 'Arzt'

Lateinisch medicus 'Arzt', medicamen 'Heilmittel', medicina 'Heikunst; Arznei', medēri und medicari 'heilen' kommt wohl von japhet. *med- 'messen, ermessen', vgl. mĕditari 'nachdenken', griech. μέδειν médein 'an etwas denken'.

Griechisch ατρός iatrós und ατήρ iatêr 'Arzt', ἰᾶσθαι iâstʰai 'heilen', ἰατρεία iatreía  'ärztliche Behandlung', ἰατρεύειν iatreúein 'verarzten'

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

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Datum: 2005

Aktuell: 07.04.2016