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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Grammatische Begriffe

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  • Abfärbung: Einfluss eines Lauts auf andere Laute im Wort

    • bei Vokalen

      • nachlautend: Vokalharmonie

      • vorlautend: Umlaut

    • bei Konsonanten:

      • Kontakt-Assimilation

      • Fernassimilation

      • Vorklang eines folgenden Konsonanten (thesaurus > Tresor)

  • Alliteration: Mehrere Wörter haben denselben Anlaut (Kind und Kegel)

  • Ammensprache: Art, wie man mit kleinen Kindern spricht

  • Anfügung: angefügte Silbe als Mittel der Wortbildung :: Endung als Mittel der Flexion (Bänd-el 'Mittel zum Binden' :: Bänd-er, Plural)

  • Aspekt: Gesichtspunkt, wie man eine Handlung betrachtet:

    • durativ: fortwährend tun (fliehen 'auf der Flucht sein', stecken 'hineingesteckt und drinnen befindlich sein)

    • exitiv: herauskommend

    • faktitiv: bewirken, das etwas getan wird (setzen 'sitzen machen')

    • inchoativ: beginnend (erröten 'rot werden')

    • finitiv: tun und aufhören (entfliehen 'fliehen und entkommen', abdecken 'solange decken, bis alles völlig bedeckt ist')

    • instrumental: auf ein Instrument, Hilfsmittel, Werkzeug bezüglich (der Bändel 'womit man bindet' :: das Bändel 'kleines Band')

    • intensiv: mit Nachdruck tun (stecken 'etwas fest hineinstechen und drin lassen')

    • iterativ: kurz hintereinander immer wieder dieselbe Bewegung ausführen (stechen 'einmal etwas Spitzes hineinstoßen und herausziehen' - stochern 'mehrmals stechen') 

    • kausativ: 'bewirkend' (setzen 'sitzen machen')

    • privativ: 'beraubend, wegnehmend' (abdecken 'die Decke abnehmen)

    • punktuell: momentan etwas tun (längere Zeit ziehen, ruckartig zücken)

    • resultativ mit Rücksicht auf das Ende einer Handlung  (knuddeln 'liebdrücken', verknuddeln 'solange drücken, bis man nicht mehr kann'

    • reversiv: wieder so, wie's war (entleeren wieder leer machen')

    • separativ: trennend (weggehend)

  • Assimilation: Angleichung an den Nachbarlaut (ent + fangen > empfangen)

    • Fernassimilation: Angleichung an einen weiter entfernten Laut (Pelznickel > Penznickel)

  • Auslautverhärtung:

    • 1. frühmittelalterlicher Ersatz der weichen durch harte Verschlusslaute (liep, aber lieber)

    • 2. spätmittelalterliche Anfügung eines Verschlusslauts an einen Dauerlaut (môn > Mond; anders > anderst)

  • Copula: verbindendes Wort, z.B. zwischen Subjekt und Prädikatsnomen (Hans ist Maurer / arbeitet als Maurer).

  • defektiv: Da fehlt ein Wort, das man sich dazu denken muss (ab sein 'abgeschnitten sein')

  • denominal: von einem Nomen (Substativ) abgeleitet

  • Desimilation: falsche Aufhebung einer vermeintlichen Assimiliation (shess. Pʰūl > Pʰuddəl 'Jauche')

  • deverbal: von einem Verbum abgeleitet

  • Diminutiv: Verkleinerung (Bübchen 'kleiner Bub', kränkeln 'ein bisschen krank sein')

  • Dissimilation: Differenzierung benachbarter ähnlicher Konsonanten (lat. mortarium > dt. Mörtel)

    • Hauchdissimilation: von zwei behauchten Konsonanten behält nur einer den Hauch: *bʰebʰ- >

      • vorgreifend: *bebʰ- (Standard)

      • rückwirkend: *bʰeb-

  • Endung

  • Ereignis: was durch ein Verb ausgedrückt wird (nicht nur "Tätigkeiten", sondern auch Befindlichkeiten usw.)

  • Erweichung, erweicht: Konsonantenschwächung, weniger scharfe Aussprache (Lebzucht 'Lebensunterhalt' > shess. Lɛ̄bßucht)

  • Gelegenheitsbildung: ein Wort, das nicht regelmäßig gebraucht wird und nur bei einer bestimmten Gelegenheit gebildet wurde.

  • Gemination: Konsonantenverdopplung (Kater / Katze)

  • Hüllwort

  • Klammerwort

  • konditional: gibt eine Bedingung an (wenn..., Folge: dann...)

  • Koinzidenz: zufälliges Zusammentreffen (Fehlschlüsse: weniger Störche > weniger Geburten; engl. much = span. mucho 'viel')

  • konzessiv: ein Eingeständnis machend (obwohl ..., trotzdem)

  • Kraftwort: Ein als ungehörig empfundener Ausdruck, mit dem man seinem Herzen Luft macht.

  • Kurzwort: längeres Wort, bei dem ein Teil weggelassen wurde.

    • Klammerwort: dreigliedrige Zusammensetzung, deren mittleres Glied ausgefallen ist (Kirschbaumblüte > Kirschblüte)

  • Lautidee (Phonaesthem): Eine bestimmte Vorstellung von der Bedeutung einer Silbe, die wir uns beim Spracherwerb angeeignet haben, mit unbekannten Vokabeln verbinden und die zur Bildung neuer Vokabeln anregt (kreischen, krähen, greinen, grummeln 'laut sein', also wohl auch "grepsen")

    Sprachecke 10.03.2015

  • metonym: in übertragener Bedeutung (Ohr 'ohrförmiger Griff, Henkel')

  • missdeuten: eine nur vom Hören bekannte Lautung falsch verstehen und daher falsch schreiben (Gāiðənɐu [ga:rənə] > Gāðərnhəim > Gadernheim)

  • Objektbezug bei Verben:

    • absolut: (ohne Objekt)

    • transitiv:

      • braucht ein Akkusativobjekt (ich sehe (wen?) dich)

      • bildet ein persönliches Passiv (du wirst von mir gesehen)

    • intransitiv:

      • hat kein Objekt (ich lache)

      • oder nur ein Dativobjekt (ich danke dir)

      • bildert kein persönliches Passiv (ich werde weder gelacht noch gedankt)

    • bitransitiv:

      • braucht Akkusativ und Dativobjekt (ich gebe (wem?) dir (was?) die Hand)

    • reflexiv:

      • Das Subjekt ist auch Objekt (Ich wasche mich)

  • Pleonasmus: überflüssige Verdeutlichung (Militärsoldat: Es gibt keine anderen.)

  • Reduplikation, reduplizieren: Verdopplung eines Wortbestandteils

    • vollständig (wack-wack)

    • verkürzt

      • vorklingend

        • (wa-wack: Bi-ber)

        • (ck-wack > quack)

      • nachklingend (wack-ack: hbr. כלה kálô = כלל kálôl 'vollenden', nhd. Menk-enke, Schlamp-ampes)

  • rückbilden: eine Mundartform aus dem Hochdeutschen erschließen (Heidelbeere > Hādelbēr; richtig ist Hālebēr)

  • rücklauten: einen Umlaut rückgängig machen (ü > u)

  • s-mobile: Formen mit und ohne s(ch) im Anlaut: (lecken / schlecken)

  • Satzteile

    • Objekt: worauf die Handlung abzielt ("Klaus gibt MIR [Dativ] das BROT [Akkusativ]")

    • Prädikat: was ausgesagt wird ("Klaus "KOMMT")

    • Prädikatsnomen: Ergänzung des Prädikats (Klaus ist mein FREUND. Mein Freund heißt KLAUS.)

    • Subjekt: worüber die Aussage gemacht wird ("KLAUS kommt")

  • tabuistisch entstellt: Man wagt in Kraftausdrücken nicht, das verpönte Wort direkt zu benutzen und tauscht Laute aus (Potzblitz < Gott's Blitz, Scheibenkleister statt Scheiße)

  • tabuistisch umschrieben: Die Gegenstände aus den verpönten Bereichen werden nicht direkt genannt, sondern mit anderen Wörtern bezeichnet: (schwanger > guter Hoffnung, Geburt > freudiges Ereignis)

  • Tautologie: dasselbe so und anders formuliert ("nie und nimmer", "dunkle Nacht")

  • Übertragung der Bedeutung eines fremden Wortes auf ein einheimisches (englisch raid 'Überfall > Razzia')

  • verhüllt, Hüllwort: Man gebraucht für das verpönte Wort einen Ersatzausdruck, das den gemeinten Sinn nicht unmittelbar erkennen lässt. (Scheiße > Stuhl; Teufel > Luzifer). Vgl. "tabuistisch entstellt / umschrieben".

  • Wurzel: angenommene Grundform, von der überlieferte Vokabeln abgeleitet werden (*bʰër- 'tragen' > Bahre')

  • Zerdehnung: Aufspaltung einer Silbe in mehrere

  • Zusammensetzung: Wort, das aus mehreren Einzelwörtern zusammengesetzt ist (Haus-tür)

    • Rotbart war Spitzname eines Kaisers, der einen roten Bart hatte. Diese Art von Zusammensetzung bezeichnet nicht das, was ausdrücklich genannt wird, sondern den Besitzer.

 

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2006

Aktuell: 09.03.2017