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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Redensarten

"Pech"

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  • Pech 'Unglück' in der Studentensprache 1795 (Kluge, Studentensprache 111)

  • Pech haben 'ein (einzelnes) Missgeschick erleiden'

    • Nach mittelalterlichem Glauben wurde die Hölle mit Pech und Schwefel geheizt. Quellen Die Sünder litten darunter, aber sie hatten das Pech so wenig wie den Schwefel.

    • Die Sitte des Teerens und Federns als Strafe für Übeltäter gab es auch in Deutschland (Grimm, Dt. Rechtsaltertümer 2,322, bezeugt für 1189): Die Delinquenten wurden mit einer klebrigen Masse (Pech, Honig) bestrichen und mit Federn überschüttet.  Auch da würde man nicht sagen "Er hat Pech gehabt".

    • Im Märchen von der Frau Holle wird die arbeitsscheue Schwester der Goldmarie am Ende ihres Dienstes mit Pech übergossen. Das Märchen scheint die Redensart bereits vorauszusetzen: Die Fleißige wird mit Gold überschüttet, das an ihre kleben bleibt, d.h. sie wird  immer Geld haben, weil sie fleißig ist. An der Faulen bleibt das "Pech" kleben, d.h. sie wird nie Glück und Erfolg haben, weil sie nicht arbeiten will.

    • "Pech haben" kann auch so zu verstehen sein, dass man in der zähflüssigen Masse stecken bleibt und nicht weiterkommt. Dieses Bild ist bereits 1479 bezeugt. Quelle

    Pech ist also in den Märchen ein Bild für Misserfolg, so wie das Gold bei der Goldmarie und bei Hans ein Bild für Erfolgt ist. Die beiden Metaphern erklären sich selbst und setzten keine konkrete Situation voraus wie Hölle oder Teeren und Federn.

    • Diese bildliche Verwendung ist auch in den Niederlanden (pech, nicht pek) bekannt, in Polen und Tschechien, aber nicht im Englischen und den romanischen Sprachen.

  • Pech kaufen / geben 'die Flucht ergreifen'

    • "Pech kaufen" meint "sich Pech eingehandelt haben", bei einer Missetat ertappt oder gestört werden, sein Vorhaben nicht durchführen können. Quelle

    • "Pech geben" ist wohl so zu verstehen, dass der flüchtige Missetäter sein Pech an den abgibt, der ihn gestört hat, aber nicht festhalten konnte.

    Beide Redensarten setzen also Pech 'Missgeschick' voraus.

  • Pechvogel

    • 1889 "Bezeichnung eines Menschen, der Unglück hat... oder von dem man glaubt, dass er Unglück bringt." (Grimm Dt. Wb. 13,1521). Adelung Wb. (1793-1801) kennt diesen Ausdruck noch nicht.

    • Es ist kaum an den Vogel gedacht, der dem Vogler "auf den Leim ging" und an einer Leimrute festklebte.

    • Auch diese offensichtlich junge Redensart setzt "Pech = Unglück" voraus. Auch in anderen Zusammenhängen nennt man Menschen "Vogel" (ein seltener, leichtfertiger, komischer, loser, schräger Vogel).

    • Mit zu bedenken ist der Unglücksrabe (Grimm  Wb 24,1006). Bekannt geworden ist er durch Wilhelm Buschs "Hans Huckebein, der Unglücksrabe" (1867). Gedacht war ursprünglich an einen Vogel, der Unglück ankündigt. Auch Unglücksvogel (Gr. 24,1008 f) als 'Unglücksbote, schadenfroher Mensch, Unheilstifter, Pechvogel, Unglück', das Gegenteil von Glücksvogel 'Glücksbringer, Glück, Glückskind'. (Gr. 8,413 f).

    Pechvogel scheint also eine neuere Weiterentwicklung von Unglücksvogel, -rabe zu sein.

  • zusammenhalten wie Pech und Schwefel

    • Pech und Schwefel dachte man sich als Brennmaterial in der Hölle. Quelle Die beiden leicht brennbaren Substanzen halten nicht physisch zusammen, sondern haben die gleiche Wirkung.

 

 

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Übersicht

 

Pechmarie bei Frau Holle | Sprachecke 30.11.2010

 

Datum: 2010

Aktuell: 26.03.2016