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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Mutationen im Anlaut

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Hebräisch

Hethitisch

Althochdeutsch

unorganische H im Anlaut

Inselkeltisch

Altkeltisch

s mobile

 

Im Hebräischen wechselt bei den Lauten /b , d, g, p, t, k/ die Aussprache

  • als Verschlusslaut nach Konsonant und im absoluten Anlaut:

    • יצחק בנו Jiṣḥáq benô 'sein Sohn Isaak'

    • על־פניו ʕal-pánáʲw 'auf sein Angesicht'

  • als Reibelaut nach Vokal

    • הנני בני hinnännî venî 'hier bin ich, mein Sohn'

    • לפניך lefánäʲχá 'vor deinem Angesicht'

So war es auch im Aramäischen. Dem Ostsemitischen und Arabischen ist dieser Wechsel fremd.

 

Anlautvarianten im Hethitischen:

  • idg. ńomen > leniert lāman-, verhärtet atama- 'Name'

Im Althochdeutschen gab es wenigstens im Alemannischen etwas Ähnliches (Notkers Anlautgesetz) §103 

  • nach Vokal und l, m, n, r steht b, d, g, v (oder f)

  • sonst p, t, k, f

weich: unde demo gólde [unðɛ ðɛmo ɣolðɛ] 'und dem Gold'

hart: tes kóldes [dɛs golðɛs] 'des Goldes'

Vielleicht lässt sich so auch das unorganische H im Anlaut erklären (lenierte Aussprache des Kehlkopfverschlusses), sogar im lateinischen Kontext:

  • hart: CL 198 (779) et Erifeldon (Erfelden)

  • weich: CL 3671 (830/50) De Herifelden; CL 228 (782) uillam Hurfeldo. marcam Hurfeldun (Erfelden und Urfelden = Fehlheim)

Weitere Beispiele

  • ahd. eiskōn / nhd. heischen 'verlangen'

  • nhd. Allotria 'dummes Zeug' / shess. Hallotrie 'leichtfertiger Mensch'

  • nhd. Endivie / shess. Handivtchen 'Cichorium endivia'

  • nhd. Irrwisch / shess. Hērwisch 'Irrlicht'

Die im Frühneuhochdeutschen entstandenen Verschmelzungen von Präposition und Artikel

  • um das > ums, bei dem > beim,

die Verkürzung von her-, hin- in den Vorsilben:

  • heraus, hinaus > enaus, eraus > raus, naus

und die im Südhessischen häufige Verkürzung des Artikels

  • das Kind, dem Mann > ɘs Kʰind, əm Mánn

könnten Spuren einer alten Anlautlenition sein:

  • germ. þat > ahd. thaz > daz [ðaß], unbetont leniert [ɐß] > əs,
    vgl. ndl. het 'das', betont [hɛt], unbetont [ət], das seinerseits leniertes þat sein könnte.

In den inselkeltischen Sprachen verändern sich die Anfangskonsonanten in engen Wortverbindungen (Lenition):

  • gael. mo + mac > mo mhac [maχk / vaχk] 'mein Sohn'

  • cymr. fy + mab > fy mhab [mab / vab] 'mein Sohn'

Keltischer Sprachgebrauch scheint auch das Nebeneinander von

Im Altkeltischen ist der Wechsel schwer nachzuweisen. Einige Schreibunsicherheiten deuten aber darauf hin:

  • Cintu-gena / Nemeto-cena (gena 'Tochter')

  • Stadt Vesontio / Besantio

  • Stadt Bingium / Vincum

  • Stamm Parisii / Stadt Barisiacum

  • *beccos 'klein' / roman. picc- 'klein'

Im Persischen steht oft /b-/ für altiranisch /ʊ-/ (Anlautverhärtung):

  •  awest. vāta-, pers. باد bād 'Wind'

Auch das s mobile könnte auf einer Anlautmutation beruhen (Erklärung). Dieses ist aber so alt, dass ich meine Vermutung nicht mit Satzbeispielen beweisen kann:

  • nhd. naschen = shess. schnäschen 'heimlich Leckerbissen essen'

  • griech. τέγος = στέγος tégos = stégos 'Dach, Zimmerdecke'

Dazu das sehr alte Nebeneinander von *la-*ma- / *na- / *ʊæ- 'Wasser'

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

weitere Bespiele

 

 



 

weitere Beispiele

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Übersicht

 

Spezielle Lautentsprechungen:

 d / l

n / l / ø 

n / l

m / ʊ / v / ƀ / b

 

Datum: 2007

Aktuell: 23.08.2017