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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Konsonantengerüst oder Wortstamm bei den Semiten?

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    Die semitischen Sprachen haben angeblich die Besonderheit, dass der Wortstamm nicht aus Silben, sondern aus einem Konsonantengerüst besteht, das mit verschiedenen Vokalen ergänzt werden kann:
  •  כתב (k-t-b) kann gelesen werden als kátôb ‚schreiben‘, kátab ‚er schrieb‘, kátûb, ketîb ‚geschrieben‘, kotéb ‚schreibend‘ ...

Das Japhetitische dagegen soll durch feste Wortstämme gekennzeichnet sein:

  • mach.en, mach.te, ge.mach.t.

Dabei werden zwei Dinge übersehen:

  • Die ostsemitischen Sprachen (akkadisch, assyrisch, babylonisch) wurden mit der Keilschrift geschrieben, die Vokalbezeichnungen mit einschloss. Das Ostsemitische kam also ohne diese Theorie eines Konsantengerüstes zurecht.
  • Durch Ablaut und Umlaut hat ja auch im Deutschen derselbe Wortstamm verschiedene Vokale, z.B. brechen, bricht, brach, gebrochen, Bruch; Ähnliches finden wir auch in anderen japhetitischen Sprachen.

Der Unterschied liegt also nicht im Wesen der Sprache, sondern in der Schrift. Das griechische Alphabet ist mit seinen Vokalen genauer als das semitische, welches nur Konsonanten kennt. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile: Bei der europäischen Schrift weiß man, wie das Wort ausgesprochen wird – bei der Semitischen erkennt man besser den Wortstamm.
Die Unterscheidung zwischen dem semitischen Konsonantengerüst und den japhetitischen integrierten Vokalen ist also eine Erfindung der Grammatiker und kein Kennzeichen der Sprachen, sondern nur ihrer Schrift.

   

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Datum: 1999 / 2005

Aktuell: 26.03.2016