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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Paemani

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Caesar Bell. Gall. 2,4,10 Condrusos, Eburones, Caerosos, Paemanos, qui uno nomine Germani appellantur = die Condrusi usw. nennen sich mit gemeinsamem Namen Germani

Das Gebiet dieser Stämme an der Maas wurde später von den Tungri besetzt.

Die ersten drei Namen sind eindeutig keltisch.

Paemani erinnert mit seiner Endung -mani an die Germanen, klingt wegen des anlautenden p- aber weder keltisch noch germanisch. Dieser Laut ist in beiden Sprachen ursprünglich sehr selten.

P- könnte aber keltische Lautsubstitution für germanisches /f/ sein, wie ja auch germ. /h, þ/ durch <c, t> wiedergegeben wird. Die Paimani lebten ja in keltischer Umgebung.
Dann liegt vielleicht ein germ. *Faim-anōs zugrunde, zu dem seltenen mhd. der faim, verdeutlicht als lantfriden (Lexer zu vëme).

Die mittelalterliche Feme war ein "freies" Gericht, das in Konkurrenz zu der obrigkeitlichen Gerichtsbarkeit stand und deren Aufgabe es war, der Landfrieden zu wahren, der durch Fehde (Privatkrieg und Selbstjustiz) gebrochen werden konnte.

Lat. <ae> entspricht germ. /ai/, das aus japhet. /oi/ entstanden ist. Die ursprüngliche japhet. Namensform ist auf einer Inschrift in Spanien erhalten, die von einer

dea Poemana 'Göttin Poimana' oder 'poimanischen Göttin'
Lateinisch <oe> hatte ursprünglich den Lautwert /oi/.

redet. (CIL 2,2573. Man muss daraus nicht schließen wie Pauly 2,765, dass die Paemani oder gar die Germanen bis nach Spanien gekommen wären. Der Name der Göttin könnte ja auch aus demselben Grundwort abgeleitet sein.

Eine merkwürdige formale Übereinstimmung zeigt Linear B po-me, griech. ποιμήν poimḗn 'Hirte', das in germanischer Zunge *faima, Gen. *faimans lauten würde. Eine vergleichbare Bildung liegt nur in lit. piemuõ 'Hirte' vor, beides Ableitungen aus *poḫi- 'hüten, schützen' + men-. Finn. paimen (mit Lautsubstitution /p/ für /f/) scheint aus dem Germanischen zu stammen.
Die Anfügung -men- kennzeichnet außer nomina agentis (wie ποιμήν poimên) 'Hirte' auch nomina actae rei (z.B. got. hliuma 'Gehör'), zu griech. κλύειν klýein 'hören', die sich aber wegen der Verwechslungsgefahr kaum in einer Sprache nebeneinander finden.

Im Germanischen gibt es kein ähnliches Wort, das als nomen agentis die Bedeutung 'Hirte, Hüter, Schützer' hat. Also wäre der Platz frei für ein nomen actae rei:

Einem idg. *poḫimṓn 'Obhut, Schutz' würde germ. faima entsprechen,
daraus mnd. die vême 'Freigericht zum Schutz des Landfriedens'
und durch Übergang in die o-Klassen mhd. der faim 'Landfriede'.

Die dea Poemana könnte also auch eine 'Hirten-' oder 'Schutzgöttin' gewesen sein.

   

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Datum: 2005

Aktuell: 26.03.2016