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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Nachhaltig

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Als ich dieses Wort zum ersten Mal hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, was damit gemeint sein könnte. Da hatte ein landwirtschaftlicher Betrieb einen Preis für Nachhaltigkeit bekommen. Was soll das sein? ,Hartnäckigkeit’ im Überlebenskampf’? ‚Ausdauer bei der Arbeit’? ‚die Garantie, dass die angebotenen Waren immer zu bekommen sind’?

Erst später wurde mir klar, dass dieses Wort Nachhaltigkeit verkürzt ist aus nachhaltige Entwicklung, Lehnübersetzung aus englisch sustainable development.

Ich habe daraufhin in verschiedenen englischen Wörterbüchern nachgeschlagen: sustainable kommt von to sustain ,1. jemanden (auch moralisch) stärken’. 2. ‚Interesse usw. aufrechterhalten’. 3. ‚Schaden, Verlust erleiden’. 4. musikalisch ‚einen Ton (aus)halten’. 5. juristisch ‚einem Einspruch usw. stattgeben. 6. ‚ein Gewicht aushalten, tragen’.

Grundbedeutung ist also ‚tragen, ertragen, aushalten’. Diese Bedeutung hat schon lateinisch sustinére, von dem das englische Wort abstammt.

Dazu sustained ‚anhaltend’ und sustainable 1. ‚haltbar; vertretbar; tragbar; aufrechtzuerhalten’. 2. ‚kontinuierlich, zukunftsfähig’ 3. ‚erneuerbar, resourcenschonend’.

Die englische Anfügung -able zeigt an, dass etwas im Sinne des vorgesetzten Verbums gemacht werden kann und entspricht unserem -bar, z.B. readable = lesbar. Sustainable ist also ‚was gehalten, ausgehalten, aufrechterhalten werden kann’.

Eine „nachhaltige Entwicklung“ hätte man vor 40 Jahren auch den so genannten „Entwicklungsländern“ gewünscht: schnelle und dauerhafte Industrialisierung und Förderung des Lebensstandards. Hier geht’s aber nicht um allgemeinen Wirtschaftsaufschwung. Gemeint ist vielmehr die Entwicklung umweltfreundlicher Techniken, u. zw. eine Entwicklung, die 1. lange anhält und 2. dauerhafte Früchte trägt.

Dass eine positive Entwicklung dauerhaft ist, wünscht sich doch wohl jeder. Mit „nachhaltiger Entwicklung“ ist besonders eine ‚umweltverträgliche Entwicklung’ gemeint.

   

 

 

Leserbrief

Ein Blick in unseren Nachkriegs-Brockhaus von 1958 zeigte mir, dass die Nachhaltigkeit schon zu dieser "frühen" Zeit im deutschen Sprachraum gebräuchlich war, und zwar in der Forstwirtschaft. Mit ihm bezeichnete man die Bewirtschaftung unter der Berücksichtigung aller Produktionsfaktoren mit dem Ziel, nur so viel Holz zu einzuschlagen, wie auch nachwächst.

 

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Datum: 16.12.203

Aktuell: 26.07.2016