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Heinrich Tischner

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Zum neuen Jahr

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Einen guten Rutsch

Prosit Neujahr

Schreibt man neues Jahr oder Neues Jahr?

 

Einen guten Rutsch

Weder eine glimpfliche Glatteispartie noch den schadlosen Gebrauch einer Rutschbahn meinen wir an Neujahr, wenn wir einander einen guten Rutsch wünschen, sondern Komm gut ins neue Jahr. Dieser Ausdruck ist gekürzt aus jiddisch an gutn Roscheschune: Rosch bedeutet 'Anfang', e ist Artikel (des), Schune 'Jahr'.

Jiddisch ist die deutsch-hebräische Mischsprache der Juden in Osteuropa, Amerika und im orthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim. Es gilt als eigene Sprache mit germanischer Grammatik und einem Wortschatz aus hebräischen, deutschen und slawischen Bestandteilen. Grundlage ist nicht das Hochdeutsche, sondern ein mittelalterlicher deutscher Dialekt.
Die Juden in Hessen sprachen natürlich nicht Jiddisch, sondern Hessisch oder Hochdeutsch, gebrauchten aber untereinander auch hebräische Wörter. Einiges davon ist in die ältere Umgangssprache eingedrungen und z. T. schon wieder vergessen, z.B. Scháwweß, Mischpôke, Bâjeß, díbbern, scháchern, schôfel 'Sabbat, Verwandtschaft, Haus, reden, handeln, gemein'. Dazu gehört auch der gute Rutsch.

Prosit Neujahr

Ein anderer Neujahrsgruß ist Prost oder Prosit Neujahr. Prost oder Prosit sagen wir auch, wenn wir die Gläser anstoßen: Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit!. Lateinisch prosit bedeutet 'es möge nützen'. Prost ist daraus verkürzt. Dieser Neujahrswunsch muss nicht bedeuten: Kommt, wir stoßen aufs neue Jahr an und trinken noch einen. Er kann auch im wörtlichen Sinn verstanden werden als das neue Jahr möge nützen. Prost Neujahr sagt man ja auch, wenn man sich auf der Straße begegnet, ohne Umtrunk.

Schreibt man neues Jahr oder Neues Jahr?

Neujahr ist der Name eines Feiertags, der sich von anderen Feiertagen unterscheidet. Das neue Jahr unterscheidet sich vom alten aber nicht durch seine Neuheit, sondern durch seine Nummer 2004. Vor einem Jahr war 2003 neu, in ein paar Wochen trifft der Ausdruck neues Jahr für 2004 schon nicht mehr zu. Neu schreibt man in diesem Zusammenhang also klein (ähnlich voriges Jahrdieses Jahrnächstes Jahr).
Dagegen schreibt man Heiliger Abend = 24. Dezember groß, weil das der Name des Vorabends von Weihnachten ist. Auch der Vorabend von Karfreitag ist ein heiliger Abend (klein), an dem Gottesdienst gefeiert wird. Ein heiliger Abend (klein) ist allgemein der Vorabend eines Festes. Der Vorabend von Karfreitag hat einen eigenen Namen: Gründonnerstag oder Grüner Donnerstag (groß).

Der blaue Montag (klein) dagegen ist nicht Kollege oder Konkurrent dieses Festes, sondern irgendein Montag, an dem man blau macht und nicht arbeitet. 

Ich wünsche Ihnen ein gutes Neues Jahr meint also einen guten Neujahrstag. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, aber nicht nur einen schönen 1. Januar, sondern ein gutes neues Jahr 2004, vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.

   

Alfred Klepsch, Westjiddisches Wörterbuch 2, 1182

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Übersicht

 

Begriffe: Feiertage

Sprachecke 04.01.2011 | Sprachecke 16.02.2016

 

Datum: 30.12.2003

Aktuell: 26.03.2016