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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Eszett

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ausländer haben manchmal Schwierigkeiten mit deutschen Adressen. Da kann es schon mal vorkommen, dass da StraBe (mit großem B) steht statt Straße (mit Eszett). Was hat es mit diesem merkwürdigen Buchstaben auf sich?

Wie schon der Name sagt, ist das Zeichen ß (Eszett) aus den deutschen Buchstaben s + z entstanden, in der alten Schrift  ſ + ʒ. Solche Zeichenverbindungen nennt man "Ligaturen". Es gab in der alten Schrift viele davon. Dieses ß ist ein Sonderzeichen, das es nur im Deutschen gibt.

Da es nie am Anfang eines Wortes steht, gibt es dafür keinen Großbuchstaben. Wenn wir nur Großbuchstaben schreiben, setzen wir an die Stelle von ß doppeltes s: STRASSE. Es gibt nur wenige Fälle, wo es zu einer Verwechslung kommen könnte: Maße / Masse, Buße / Busse.

Das ß bezeichnet nach heutiger Auffassung den scharfen s-Laut zwischen zwei Vokalen, während normales s an dieser Stelle weich gesprochen werden muss, also Maße scharf, Hase weich. Diese Unterscheidung wird aber nicht in allen Teilen Deutschlands gemacht. In Hessen ist bei den s-Lauten in beiden Wörtern kein Unterschied festzustellen. Das weiche s wird in der Hochlautung sonst nur noch am Wortanfang gesprochen und spielt bei der Unterscheidung von Wörtern überhaupt keine Rolle. Rein theoretisch könnten wir also auf das ß verzichten.

In den meisten Fällen entspricht ß bzw. ss in den anderen germanischen Sprachen einem t, vgl. deutsch weiß, Wasser mit englisch white, water. Das anlautende germanische t ist im Hochdeutschen dagegen zu z geworden, vgl. englisch ten und deutsch zehn.

Bis etwa 1300 hat man dieses ehemalige t auch im Wortinnern mit z wiedergegeben und schrieb heiz, wazzer. Seit etwa 1300 taucht dann die Schreibung ß auf und zugleich beginnt man ß und s zu verwechseln. Ursprünglich haben beide z ähnlich geklungen, dann aber hat sich das z im Wortinnern immer mehr dem s angenähert, so dass man beide Laute verwechseln konnte. Worin der geringe Unterschied im Spätmittelalter bestand, lässt sich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich wurde das in den einzelnen Mundarten verschieden gehandhabt.

Diese spätmittelalterliche Unsicherheit führte dazu, dass die alte Regel hochdeutsch ß aus germanisch t nicht mehr in allen Fällen zutrifft. So entspricht unserem Los das englische lot, vgl. Lotterie. Historisch richtig wäre also die Schreibung Loß. Dazu kommt, dass in vielen kurzen Wörtern am Ende statt ß einfaches s geschrieben wird, vgl. aus mit außen und englisch out.

Völlig unübersichtlich ist es bei der Schreibung ss. Dies kann sowohl ursprünglichem ss wie altem t entsprechen. Die tiefe Stimmlage schrieb man nach der alten Rechtschreibung Baß, obwohl das Wort von romanisch basso ‚tief’ kommt.

Die neue Rechtschreibung hat endlich einige Klarheit geschaffen. Die Regel ist ganz einfach:

  • Nach langem Vokal und Diphthong (ai, au, äu, ei, eu) steht ß, also Fuß, Füße, beißen.

  • Nach kurzem Vokal steht ss, also Fluss, Flüsse, bissen.

Leider gibt es aber keine Regel, wann ß und wann einfaches s geschrieben werden muss. Die alte Regel „ß aus t“ stimmt nur noch bedingt. Die neue Regel „ß ist scharf“ kann nur denen helfen, die makelloses Hochdeutsch sprechen. Letztlich müssen wir uns wie bisher bei jedem einzelnen Wort merken, wie es geschrieben wird

   

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Übersicht

 

Korrespondenz dazu | Buchstabe ß

Sprachecke 04.07.2017

 

Datum:

Aktuell: 03.07.2017