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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

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Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Logistik ‚Transportwesen’

Logo ‚logisch’ und ‚Schriftzug’

Logik ‚folgerichtiges Denken’, logisch ‚folgerichtig gedacht’

Logarithmus ‚Potenzzahl’

Algorithmus ‚Anleitung für ein Berechnungsverfahren 

 

Logistik‚Transportwesen’

Das Wort war ursprünglich ein militärischer Fachausdruck.

Grundlage scheint zu sein frz. loge ‚militärisches Quartier’, loger ‚einquartieren’. Wenn große Truppenmassen unterwegs sind, müssen sie verpflegt und untergebracht werden. Logistik war also früher wohl die Beschaffung von Quartieren in Privathäusern. Eigentlich sollte man dieses Wort französisch aussprechen "Loschistik", mit weichem /g/.

Nicht direkt damit zu tun hat das ältere Wort Logistik ‚mathematische Logik’ (mit hartem /g/).

Das moderne Wort Logistik ‚Transportwesen’ kam in den Neunzigerjahren auf an Stelle von 'Fuhrunternehmen, Transportunternehmen, Spedition’. Es sollte wohl klar stellen: Diese Firmen fertigen nicht nur Waren ab (expedieren > Expedition > Spedition), um sie zu transportieren, sondern sie müssen vor allem den Einsatz ihrer Wagen und Fahrer organisieren. Dazu gehört auch logisches Denken. Wer denkt nicht auch an Logik, wenn er Logistik hört?

 

Logo ‚logisch’ und ‚Schriftzug’

 

In den Achtzigerjahren war im saloppen Sprachgebrauch das Wort logo (mit langem ersten /o/) sehr beliebt: „Das ist doch logo“ ‚Das ist doch einleuchtend, klar, selbstverständlich’.

Dieses kurzlebige Modewort ist eine Kurzform von logisch ‚folgerichtig gedacht’.

In den Neunzigerjahren kam dagegen das Logo auf (mit kurzem ersten /o/) in der Bedeutung ‚Symbol eines Unternehmens in Form eines typischen Schriftzugs’, eine Kurzform von Logogramm, zu griech. lógos ‚Wort’ + grámma ‚Schrift’.

 

Logik ‚folgerichtiges Denken’, logisch ‚folgerichtig gedacht’

Die beiden Wörter stammen bereits aus dem Altgriechischen und kommen ebenfalls von lógos ‚Wort, Vernunft’.

 

Logarithmus ‚Potenzzahl’

Der mathematische Fachbegriff wurde neu gebildet aus griechisch lógos ‚Wort, Vernunft’ + arithmós ‚Zahl’.

 

Algorithmus ‚Anleitung für ein Berechnungsverfahren'

Sprachecke 0212.2014

Dieser Ausdruck hat nichts mit den obigen Wörtern zu tun, obwohl das <th> an griechisch arithmós ‚Zahl’ erinnert.

Im Mittelalter war lat. Algorismus gleichbedeutend mit ‚Mathematik’. Dieser Begriff hält die Erinnerung aufrecht an den persischen Mathematiker Muhammad ibn Musa, nach seinem Heimatort al-Chwarismi genannt. Er lebte im 9. Jahrhundert und schrieb ein Mathematikbuch, dessen verkürzter Titel „al-Dschabr“ ‚Einrenkung’ in einem anderen mathematischen Fachausdruck weiterlebt, nämlich Algebra ‚Rechnung mit Gleichungen’.

Ähnlich erinnern wir uns noch an den deutschen Mathematiklehrer Adam Riese (1492-1559), der das schriftliche Rechenverfahren in Deutschland bekannt gemacht hat. Vorher hatte man mit dem Rechenbrett und Steinchen (lat. calculi) kalkuliert. Die Wissenschaft hat Riese zwar keinen Fachbegriff gewidmet. Aber wir sagen heute noch: „Nach Adam Riese ist zwei mal zwei vier.“

   

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Begriffe Mathematik

 

Datum:

Aktuell: 11.07.2016