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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Uhrzeit

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Als in den Achtzigerjahren die ersten elektronischen Uhren aufkamen, war man folgende Scherzfrage im Umlauf: „Was ist das Gegenteil von Digitaluhr?“ (Die Antwort ist im Text versteckt.) Tatsächlich sind die herkömmlichen Uhren Analoguhren, weil sie die Zeit nicht digital, das heißt in Ziffern darstellen, sondern analog mit Zifferblatt und Zeiger.
Die ersten Räderuhren hatten zunächst nur einen Zeiger und zeigten nur die Stunden an. „Drei Uhr“ war es, wenn der Zeiger auf der Drei stand. Kleinere Einheiten konnte man mit Hilfe der Analoganzeige abschätzen: Wenn der Zeiger ungefähr in der Mitte zwischen Drei und Vier stand, war es „halb vier“, sonst „viertel nach drei“ (manche sagen auch:  „viertel vier“) oder „drei viertel vier“.
Mit der Einführung des Minutenzeigers und später des Sekundenzeigers konnte man die Zeit genauer messen. Die alten analogen Zeitangaben blieben trotzdem bis heute in Gebrauch. Wohl mit der Eisenbahn und ihren genauen Fahrplänen wurde es nötig, die Uhrzeit „digital“ auszudrücken, also „drei Uhr achtundvierzig“ oder noch genauer: „fünfzehn Uhr achtundvierzig“.

Wir unterscheiden zwischen dem vierundzwanzigsten Teil des Tages, der Stunde und dem Zwölftel-Strich auf dem Zifferblatt, der Uhr, wenn wir sagen: „Die Zeit zwischen zwei und drei Uhr dauert eine Stunde.“
Uhr kommt von lateinisch hora ‚Stunde’. Im Altertum rechnete man nicht mit Strichen auf dem Zifferblatt, sondern mit Zeiteinheiten. Mittagsruhe war nicht „um 12 Uhr“, sondern sexta hora ‚zur 6. Stunde, von etwa 12.00 bis 12.45 oder 13.15 Uhr, abgekürzt „6 h“. Die Stunden waren je nach Jahreszeit verschieden lang, weil die 1. Stunde mit Sonnenaufgang begann und die 12. Stunde mit Sonnenuntergang endete.
Das Zeitmessgerät
Uhr ist verkürzt aus Uhrglocke, nach dem Glockenschlag, der den Beginn einer neuen Stunde verkündigte. Ähnlich das englische clock ‚Turmuhr’. Englisch hour, französisch heure hat die alte Bedeutung von lateinisch hora bewahrt und bedeutet ‚Stunde’.
Stunde ist dagegen ein altes deutsches Wort und bezeichnete ursprünglich allgemein einen ‚Zeitabschnitt’.

Die kleineren Zeiteinheiten Minute und Sekunde bekamen ihre Namen aus dem Lateinischen: Minuta bedeutet ‚die verminderte (Einheit)’, secunda ‚die nächstfolgende (kleinere Einheit)’.
Warum teilen wir den Tag in zweimal 12 Stunden und weiter in 60 Minuten und Sekunden? Das heutige Dezimalsystem (1 m = 100 cm, 1 Euro = 100 Cent) ist noch recht jung. Vor 1871 hatte 1 Gulden den Wert von 60 Kreuzern, 1 Fuß die Länge von 12 Zoll. Dieses System war praktisch, weil sich 12 und 60 durch viele Zahlen teilen lassen. Man konnte also wie bei der „Dünni-Berg-Uhr“ Zwischenwerte gut mit Brüchen angeben. „Sechs ein halb Fuß kosten zwei ein Viertel Gulden“. Dezimalbrüche („6,5 Fuß kosten 2,25 Gulden“) gibt es zwar seit etwa 400 Jahren. Sie wurden aber im täglichen Leben kaum gebraucht.

   

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Übersicht

 

Etymologie Uhr

 

Datum: 02.03.2004

Aktuell: 26.07.2016