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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Grüße

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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guten Tag

Hallo

Hey, hi

 

Traditionell „bieten“ wir einander „die Zeit“, wenn wir uns begegnen und wünschen uns „einen guten Morgen, guten Tag, guten Abend“. Das geht ganz automatisch, sodass wir uns gar nichts dabei denken, wenn wir beim Anblick eines anderen Menschen „Moin!“, „Tach!“ sagen. Da können wir das Grüßen auch gleich bleiben lassen, oder? 

Warum grüßen wir überhaupt? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Wir geben zu erkennen, dass wir unsere Bekannten auf der Straße gesehen haben. Wir könnten ja auch weggucken und ihnen aus dem Weg gehen, weil wir nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Zu dieser Art Gruß gehören nicht nur Worte, sondern auch Gesten wie Blickkontakt, Kopfnicken, Hutziehen, eine Handbewegung.

  2. Wir geben zu erkennen, dass wir nichts Böses vorhaben, daher die guten Wünsche, Zeichen der Demut, wie Verbeugung und Hutziehen, oder der Freundlichkeit, wie Lächeln. Das ist besonders wichtig, wenn wir ein fremdes Gebäude betreten. Damit zeigen wir: Wir dringen nicht gewaltsam ein, sondern kommen mit friedlichen Absichten.

  3. Wir geben zu erkennen, dass wir mit den anderen in Liebe oder Freundschaft verbunden sind, daher Handschlag, Umarmung, Kuss.

In Süddeutschland und katholischen Gegenden „bietet“ man nicht „die Zeit“, sondern man sagt „Grüß Gott“. Diese Formulierung ist in ihrer Kürze unverständlich. Gemeint ist: „Grüß dich Gott“, das heißt: Gott möge dir seine Aufmerksamkeit zuwenden. 

In der letzten Zeit hat es sich eingebürgert, als Gruß „hallo, hey oder hi“ zu sagen. Das waren ursprünglich keine Grüße, sondern Zurufe, mit denen man auf sich aufmerksam machen wollte: „Hallo, ist da jemand?“, „He, was soll denn das!“, „He, Sie da!“

Hallo: Der Zuruf ist verwandt mit hallen ‚tönen, schallen’ und holen, das ursprünglich die Bedeutung ‚herbeirufen’ hatte. Mit „Hallo!“ rief man einen Fährmann herbei, der einen über den Fluss bringen sollte: „Hol über!“
Ähnliche Bildungen sind holla, halli hallo, der Jagdruf Halali (aus dem Französischen) und spanisch olé: alles Wörter, die einen Ruf in Worte fassen.
Hallo
hat nicht nur im Deutschen, sondern auch im Englischen eine alte Geschichte. Wir finden dort die Formen hallo, hello (alt auch hollo, hullo) sowie to holler ‚rufen’, to halloo, hallow 'rufen, anfeuern'. Im älteren Sprachgebrauch ist „hallo“ kein Gruß, sondern ein Ausruf wie bei uns: „Hallo, das ist aber eine Überraschung!“ Auch im Englischen ist der Gruß „Hallo“ eine Neuerung.

Hey, hi sind im Englischen zwei Varianten eines Wortes, das unserem he, mundartlich häi entspricht. „Hej“ grüßte man sich schon vor 50 Jahren in den nordischen Ländern. Der Gruß scheint aus Skandinavien ins Englische eingedrungen zu sein.

Hier haben sich also international die Grußsitten geändert. Man kann bedauern, dass dabei der gute Wunsch und die Förmlichkeit verloren gehen. Aber es ist doch besser, wir grüßen überhaupt als gar nicht. Ich habe gerade bei Kindern Grüße mit überwältigender Herzlichkeit erlebt: „Hallo, Herr Tischner!“ Das war überzeugender als ein gezwungenes, flüchtiges „Tag!“ oder ein tonloses „Hi!“.

   

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Datum: 16.03.2004

Aktuell: 26.07.2016