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Heinrich Tischner

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Ostern

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Leserbriefe

Gründonnerstag

Ostern

 

Die katholische Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern heißt auf Evangelisch Passionszeit, da sie begangen wird in Erinnerung an das Leiden Christi (lateinisch passio 'Leiden').

Nichts damit zu tun hat das jüdische Passafest, das eine Woche lang dauert und meist in der Zeit gefeiert wird, in der unser Ostern ist. Passa kommt aus dem Hebräischen und lautet dort Pessach.

In fast allen christlichen Ländern ist der Name des christlichen Festes der Auferstehung Christi von Passa abgeleitet. Nur im Deutschen (Ostern) und Englischen (Easter) ist es anders. Beide Wörter bedeuten eigentlich 'östlich'. Das Name des Festes kam wohl durch die angelsächsische Mission nach Deutschland und wird erstmals von dem englischen Kirchenvater Beda Venerabilis (um 700) erwähnt. Beda behauptet, Eostrae sei der Name einer Göttin gewesen (vielleicht die englische Aurora 'Göttin der Morgenröte'). Den Nationalsozialisten war das gerade recht; sie glaubten, das Fest der "Ostara" sei heidnischen und nicht christlichen Ursprungs. Dass es eine germanische Göttin dieses Namens gab, ist aber sonst nirgends bezeugt. Also könnte sich Beda geirrt haben. England war damals schon seit fast 100 Jahren christlich. Heidnische Gottheiten wurden zur Zeit Bedas nicht mehr verehrt.

Nach der Bibel ist die Auferstehung Christi fest mit der Geschichte verankert, wie die Frauen am Sonntagmorgen noch vor Sonnenaufgang ans Grab kamen und erfuhren: "Der Herr ist auferstanden." Der Name des Festes lässt sich also ganz gut deuten als 'das östliche, morgendliche Fest', zumal wenn man bedenkt, dass in der alten Christenheit der Ostergottesdienst in der Nacht stattfand und bis in den frühen Morgen ging. Auch sind die meisten alten Kirchen so gebaut, dass der Altar im Osten steht; in manchen fällt das Licht der aufgehenden Ostersonne durch ein besonderes Fenster auf den Altar.

Die Woche vor Ostern trägt den Namen Karwoche. Damit hängt zusammen der Gedenktag an die Kreuzigung Jesu, der Karfreitag: beide von althochdeutsch karôn 'klagen, trauern, sich sorgen, verwandt mit englisch care 'sorgen für'.

 

 

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Am Vorabend seines Todestags hat Jesus nochmals mit seinen Jüngern zu Abend gegessen und dabei das Abendmahl gestiftet. Das Wort bedeutete ursprünglich einfach 'Abendessen'.

Diesen Donnerstag nennen wir Gründonnerstag. Der Tag trägt zwar schon seit dem 13. Jahrhundert diesen Namen, aber bis heute hat man noch nicht herausgefunden, warum. Messgewänder, Altardecken und Kanzelbehänge am Gründonnerstag sind seit dem Mittelalter weiß.[1] Sonst liegt während der ganzen Passions- und Fastenzeit violett auf, die Farbe der Buße. Es gab aber vor 1570 keine einheitliche Regelung, sodass der Name des Tages doch am einfachsten mit der liturgischen Farbe zu erklären ist.[2]

 

  1] Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz - Liturgische Farben
daher auch "Weißer Donnerstag" (Hermann Grotefend,
Taschen-buch der Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters und der Neuzeit 66)

[2] Kreuzdenker, Diskussion "Weißer Sonntag"

   

Der Sonntag vor Ostern heißt Palmsonntag. Das Sonntagsevangelium erzählt vom triumphalen Einzug in Jerusalem, bei dem die Volksmenge Palmwedel auf die Straße legte. In der katholischen Kirche werden an diesem Tag "Palmen", das heißt Buchsbaumzweige gesegnet, die die Gläubigen mit nach Hause nehmen dürfen.

Sprachecke 03.04.2012

   

 

 

Leserbriefe:
Gründonnerstag

Mehrere Leser fragten an, was das mit der Deutung des Gründonnerstag als 'Greindonnerstag' auf sich habe.

Meine Antwort:
Es ist ja nicht so, dass es irgendwo ein Schriftstück gibt, in dem steht: "Wir nennen künftig den Donnerstag vor Ostern aus den und den Gründen Gründonnerstag. Sondern die Alten waren so gemein und haben irgendwann einmal den Namen der grüene donerstac zum ersten Mal erwähnt, ohne zu verraten, warum sie diesen Tag so nannten. Wahrscheinlich wussten sie's auch nicht. So sind wir allein auf diese Formulierung angewiesen und müssen raten, woher der Name kommt:

1. Grüen bezeichnet eindeutig die Farbe und war so wenig mit grinen zu verwechseln wie heute grün mit greinen. Auch wenn der Name älter sein sollte, war eine Verwechslung nicht möglich: Um 800 hieß die Farbe gruoni und das laute Heulen grinan.

2. Eine Übersetzung aus dem Lateinischen kann's auch nicht sein; lateinisch dies viridium 'Tag der Grünen' (evtl. Anspielung auf ein grünes Büßergewand) ist wesentlich jünger (17. Jahrhundert).

3. Schon im Mittelalter aß man im Frühjahr gern grüne Kräuter. Ob die aber schon damals am Gründonnerstag gegessen wurden? Oder hat sich die Sitte wegen des zufällig passenden Namens an diesem Tag festgemacht?

Sprachecke 31.03.2015

 

 

 

Ostern

In einem Buch aus dem Jahre 1896 mit dem Titel "Die Schönheit der katholischen Kirche in ihren heiligen Zeremonien und äußeren Gebräuchen während des Kirchenjahres" nach G. Rippel fand ich dann auch Erklärungen, die z. T. mit den Ihrigen übereinstimmen. Es wird darin auch bestätigt, dass es für den Namen Gründonnerstag keine sichere Deutung gibt. Vermutet wird jedoch: "Die Juden pflegten das Osterlamm und das vorgeschriebene ungesäuerte Brot mit einem Salat aus grünen bittern Kräutern zu genießen. Dieser Sitte mögen denn die Christen vieler Gegenden gefolgt sein, und am Tage, wo das neutestamentliche Ostermahl eingesetzt wurde, und wo in alter Zeit alle ihre Osterkommunion empfingen, den Genuss junger Kräuter, wie sie der Frühling um diese Zeit liefert, andern vorgezogen haben. Noch jetzt wird ja in vielen Familien an diesem Tage der Tisch mit grünen Speisen besetzt."
Aus einer anderer Stelle zitiere ich zum Namen Ostern: "Der kommt wahrscheinlich von dem altdeutschen Worte Urständ, d.h. Auferstehung."

Meine Antwort:

Dass die Juden beim Passa einen Salat mit bitteren Kräutern essen, ist mir bekannt. Er gehört seit über 3000 Jahren mit zum Menü des Mahles: "Bittere Kräuter zur Erinnerung an die Bitterkeit der Knechtschaft in Ägypten." Ich glaube aber kaum, dass die christliche Mehrheit diesen Brauch von der jüdischen Minderheit übernommen hat. Umgekehrt haben die Juden von uns das hartgekochte Ei übernommen, das neben einem gebratenen Knochen an Stelle eines Passalamms auf dem Tisch liegt. Das Lamm dürfen sie nicht mehr essen, weil es keinen Tempel gibt, in dem sie schlachten können.
Die christliche Sitte, grüne Kräuter zu essen, wird einen ganz einfachen praktischen Grund haben: Im Frühjahr gibt's wieder Grünes und man nutzt den zufällig (?) daran erinnernden Gründonnerstag, um es erstmals wieder zu essen. Genauso scheinen die Ostereier ihren Ursprung darin zu haben, dass man den Eierüberschuss der Fastenzeit aufarbeiten musste oder dass die Hühner wieder mehr Eier legten. Denn dass sie das ganze Jahr über legen, ist ja wohl nicht ursprünglich. Vielmehr werden die Urhühner nur ein- oder zweimal im Jahr gelegt haben. Im Winter war es wohl nicht sinnvoll, Küken aufzuziehen; was soll sich das Federvieh da bemüht haben, Eier zu legen? Meine Mutter hat kurz vor Kriegsbeginn ihre Landwirtschaftsmeisterin gemacht und sagte, sie habe gelernt, dass ein gutes Huhn etwa 150 Eier im Jahr legt. Sagen Sie das mal einem heutigen Hühnerzüchter, der lacht Sie aus!
Die Ableitung des Wortes Ostern von Urständ lässt sich nicht halten. Das Fest hieß im Althochdeutschen (vor über 1000 Jahren) ôstara, ôstaru mit langem "o"; Urständ dagegen urstenti mit kurzem "u". Bei Urständ wird "st" wie "scht" gesprochen (da aus Ur+Ständ zusammengesetzt), bei Ostern nicht. Auch werden "nt, nd" nicht einfach zu "r". Und schließlich: Wenn der Name des Festes wirklich aus England kommt, dann ist die Ableitung von Urständ erst recht unmöglich, weil es dieses Wort im Englischen nicht gibt und damals auch nicht gab. Die einfachste Erklärung ist immer noch, deutsch Ostern, englisch Easter mit der Himmelsrichtung Osten, East in Verbindung zu bringen.

 

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Übersicht

 

Begriffe: Feiertage

 

Datum: 06.04.2004

Aktuell: 26.03.2016