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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sommerloch

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Saure-Gurken-Zeit.

Urlaub

Ferien

Muße

Freizeit

Auszeit

 

 

Im Hochsommer sind viele Leute verreist, auch die Politiker. Da geschieht nicht viel, was eine Zeitung berichten könnte. Das Sommerloch ist da oder die Saure-Gurken-Zeit.
Das fahrende Volk früherer Zeiten hatte eine Geheimsprache, das Rotwelsch, entwickelt, mit der man sich verständigen konnte, ohne dass Außenstehende ahnten, wovon die Rede war. Ein Uneingeweihter hörte etwas von "sauren Gurken", gemeint aber war eine schlechte Zeit, eine 'Zeit der Not und Teuerung', abgeleitet von jiddisch Zores 'Not' und
Jokres 'Teuerung'. Saure-Gurken-Zeit haben im Sommer vor allem die Geschäftsleute, wenn ein Teil der Kundschaft Urlaub hat und verreist ist.

Urlaub, das gesetzlich verbriefte Recht auf zusammenhängende arbeitsfreie Tage, ist eine moderne soziale Errungenschaft. Das Wort ist aber wesentlich älter und bedeutete ursprünglich 'Erlaubnis' allgemein, auch die Genehmigung, den Arbeitsplatz zu verlassen und ihm für einige Zeit fernzubleiben.

Auch Schüler und Lehrer dürfen eine Zeitlang der Schule fernbleiben. Das war früher keine großzügige Erlaubnis, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn bei der Getreideernte im Sommer und der Kartoffelernte und Weinlese im Herbst wurde jede Hand gebraucht. Noch vor 50 Jahren gab es keine "Herbstferien", sondern "Kartoffelferien".
Ferien kommt von lateinisch feriae und meinte ursprünglich das, was wir heute Feiertage nennen: arbeitsfreie Tage, an denen kultische Handlungen stattfanden, verwandt mit lateinisch festum 'Fest' und deutsch Feier, das von feriae abgeleitet ist. An Weihnachten, Ostern und Pfingsten finden heute noch viele Gottesdienste statt, aus diesem Grund ist an diesen feriae schul- und arbeitsfrei.

Wenn die tägliche Arbeit getan ist, haben wir Feierabend. Da haben wir Muße, das heißt die Möglichkeit, uns mit angenehmen Dingen zu beschäftigen.

Heute ist unsere Arbeitszeit auf eine bestimmte Stundenzahl begrenzt, ansonsten haben wir Freizeit. Trotzdem haben wir nur wenig "freie Zeit". Denn wir haben uns angewöhnt, diese Mußestunden mit allen möglichen Freizeitbeschäftigungen zu füllen. In ihnen geben wir unser Geld aus, das wir durch unsere Arbeit verdient haben.
In der schulfreien Zeit veranstalten Kirchen und Vereine gern Feriengemeinschaften oder Freizeiten, gemeinsamen Urlaub von Gruppen mit vielen Unternehmungen. Diese Sitte kam im Rahmen der Jugendbewegung nach dem 1. Weltkrieg auf.

Aus dem Sport stammt der Ausdruck Auszeit. Er bezeichnet die Zeit, in der ein Spieler an keinen Wettkämpfen teilnimmt. Der Ausdruck wurde auf andere Bereiche übertragen, um klarzumachen, dass es sich wirklich um "freie Zeit ohne die gewohnte Betätigung" und nicht um "freie Zeit für etwas" handelt.

   

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Übersicht

 

Sprachecke 17.07.2007 | 10.09.2013

 

Datum: 20.07.2004

Aktuell: 26.07.2016