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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Olympiade

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ólympos hießen mindesten 14 Berge im alten Griechenland und Kleinasien. Einer davon ist der berühmte Götterberg in Mittelgriechenland.
Olympía dagegen gab’s nur einmal, ein Städtchen im Westen der Halbinsel Peloponnes mit einem wichtigen Heiligtum des Göttervaters Zeus. Dort lassen sich schon um 1000 v. Chr. sportliche Wettkämpfe nachweisen, die aber wieder zum Erliegen kamen. Die klassischen olympischen Spiele wurden 776 v. Chr. wiedereingeführt und bis 394 n. Chr. alle vier Jahre abgehalten. Der christliche Kaiser Theodosius hat schließlich diese Sportveranstaltung verboten.

Die Spiele hießen auf Griechisch einfach Olýmpia ‚die Olympien’. Eine Olympiade (griechisch Olympiás) war dagegen das Jahr, in dem die Spiele stattfanden, oder die vier Jahre zwischen zwei Wettkämpfen. Die Griechen zählten ihre Jahre nach den Olympiaden. So soll z.B. im 4. Jahr der 202. Olympiade eine totale Sonnenfinsternis gewesen sein, d.h. 33 n. Chr., im Todesjahr Jesu.
Heute dagegen bezeichnen wir mit Olympiade die modernen olympischen Spiele selbst, die seit 1896 durchgeführt werden.

Von den Griechen haben wir auch andere Ausdrücke des Sports übernommen wie Gymnastik (zu gymnós ‚nackt’; die Griechen trieben keinen Aufwand mit Sportbekleidung). Gymnásion bedeutete ‚Sport, Sportschule, Sportplatz’.
Den sportlichen Wettkampf nannten sie ágon ‚Kampf’ oder áthlon ‚Kampf, Siegespreis’ (daher Triathlon ‚Dreikampf’) Ein athlēthḗs war kein Athlet ‚Kraftmensch’, sondern ein ‚Wettkämpfer, berufsmäßiger Ringer oder Boxer’, aber auch ein ‚Meister’ seiner Disziplin.

Meister nennen wir heute diejenigen, die bei Ausscheidungskämpfen die besten sind. Das Wort stammt aus dem Handwerkswesen. Ein Meister ist dort einer, der einen Betrieb führen und Lehrlinge ausbilden darf. Ein Meister muss besonders viel können, daher die Übertragung auf den Sport.
Unsrem Meister entspricht im Englischen und Französischen champion, aus einem westfränkischen Wort campio, das unserm ‚Kämpe, Kämpfer’ entspricht. Der Ausdruck wurde vom Militär auf den Sport übertragen.

Sport stammt aus dem Englischen und ist verkürzt aus disport ‚Vergnügen’. Aus England kommt anscheinend die Sitte, zum Vergnügen und zur Unterhaltung Mannschaftsspiele wie Fußball durchzuführen. In Deutschland legte man dagegen mehr Wert auf „Leibesertüchtigung“. Der „Turnvater Jahn“ hat dafür gymnastische Übungen und Geräte ersonnen und 1811 das Wort turnen geprägt, das an althochdeutsch turnen ‚bewegen, drehen, lenken’ anknüpft. Dieses Wort stammt aus altfranzösisch tornier ’sich drehen, tummeln, wettkämpfen’, daraus unser Turnier ‚mittelalterlicher und moderner Wettkampf’.

   

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Datum: 03.08.2004

Aktuell: 26.07.2016