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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Nikolaus

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In Lappland am Polarkreis hat der Weihnachtsmann das ganze Jahr über seine Sprechstunden. Er lässt sich dort mit den Besuchern fotografieren und wechselt mit ihnen ein paar Worte in ihrer Muttersprache. Er nennt sich auf Finnisch Joulupukki: der Julbock ‚Weihnachtsbock’ galt in Skandinavien als Geschenkebringer. Er ist damit der tierische Kollege unsres Osterhasen. Er konkurriert mit dem menschengestaltigen Jultomte, Julenisse (tomte, nisse ‚Kobold’).

Unser Weihnachtsmann hat keine alte Tradition. Er wird erstmals 1820 erwähnt. Bekannt wurde er ab 1837 durch den Dichter Hoffmann von Fallersleben und macht seitdem bis heute seinen Vorgängern, dem evangelischen Christkind und dem katholischen Sankt Nikolaus, Konkurrenz. Der heilige Bischof Nikolaus konnte sich tapfer halten, das Christkind dagegen scheint weitgehend aus unseren Bräuchen entschwunden zu sein und existiert nur noch in der Sprache: Hessisch Christkindchen bedeutet ‚Weihnachtsgeschenk’. Der ungehobelte Begleiter des Gabenbringers, Knecht Ruprecht, gerät ebenfalls in Vergessenheit.

Noch vor dem 2. Weltkrieg trat auch in Hessen das Christkind leibhaftig auf, gespielt von einem weiß gekleideten, verschleierten Mädchen: eine Engelsfigur. Ursprünglich war damit das neugeborene Christuskind in der Krippe gemeint. Der Brauch soll entstanden sein durch eine Anregung Luthers, dass die Geschenke doch besser dem „heiligen Christ“ und nicht dem heiligen Nikolaus zugeschrieben werden sollen. Richtig Gestalt angenommen hat diese Empfehlung erst nach dem 30jährigen Krieg. Da begann man den Kindern ein Schauspiel vorzuführen, wo der „heilige Christ“ oder ein Engel und der Teufel die guten Taten und kleinen Sünden der Kleinen so gegeneinander aufrechneten, dass es zu einer Belohnung reichte.

An die Stelle des Satans trat bald eine weniger gefährliche Figur, allgemein bekannt als Knecht Ruprecht, verstanden als Diener (Knecht) und Begleiter des Geschenkebringers. Der Name Ruprecht wurde wohl gewählt, weil er an Rüpel ‚grober, unhöflicher Kerl’ erinnerte. Im evangelischen Hessen nannte man diese Gestalt Nikeloos oder Belznickel. Dieser sah Furcht erregend aus mit seinen Pelzen und Ketten.

Sein Namenspatron, Bischof Nikolaus von Myra (um 300) hat damit nichts zu tun. Er wurde verehrt als Wohltäter und als Schutzpatron der Seeleute und zu Unrecht Gefangenen, aber nicht als Kinderfreund. Der Geschenkebringer bekam seinen Namen nicht, weil der historische Nikolaus Kinder beschenkt hat, sondern weil sich der Geschenkbrauch an seinem Gedenktag, dem 6. Dezember, festgemacht hatte. Als man dann um 1800 begann, an Weihnachten zu bescheren, erhielt der Bärtige mit dem Sack den Namen Weihnachtsmann.

   

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Sprachecke 05.12.2006

Die Wahrheit über den Nikolaus

 

Datum:07 12..2004

Aktuell: 26.07.2016