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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Bildung

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Schon vor Jahrzehnten klagten die Medien über den "Bildungsnotstand" in Deutschland und auch heute diskutieren wir darüber, wie wir unser Bildungssystem verbessern können.

"Bildung", was ist denn das eigentlich? Wir benutzen bilden ja noch in der ursprünglichen Bedeutung 'formen, gestalten, entstehen': "Die Kinder bilden einen Kreis." "Bei einer Infektion bilden sich Antikörper". Entsprechend kann man einen Menschen formen und "bilden" durch Erziehung und Unterricht. Die Erziehung leistet sozusagen die grobe Arbeit, die Bildung die feine. Ein "ungezogener" Mensch ist nicht erzogen worden. Er hat nicht gelernt, auf andere Rücksicht zu nehmen und sich an Regeln zu halten, auch wenn er vielleicht viel weiß und kann. Ein "ungebildeter" Mensch dagegen kann zwar nett und höflich sein, aber er hat in der Schule nicht aufgepasst oder keine weiter führende Schule besucht. Ein "gebildeter" Mensch hat nicht nur Wissen gesammelt, sondern viel gelesen und versteht etwas von Kunst und Kultur. Unser Wort Bildung setzt voraus, dass Schulbesuch, Literatur und Kunst nicht nur den Geist, sondern auch den Charakter formen, also "bilden". Dennoch muss auch ein "ungebildeter" Mensch nicht dumm oder charakterlos sein, denn "nicht das Buch bildet den Menschen, sondern der Mensch bildet den Menschen". Auch der Umgang mit anderen Menschen formt den Charakter und schleift Ecken und Kanten ab.

Das Wort Bildung hat erst um 1800 diese pädagogische Bedeutung bekommen. Früher bedeutete das Wort 'Bildnis, Gestalt, Muster, Phantasie (heute sagen wir Einbildung, Lehnübersetzung von lateinisch imaginatio, zu imago 'Bild'). Zugrunde liegt wohl ein pädagogisches Konzept, nach dem man die jungen Menschen formen oder "bilden" wollte.

Erziehung dagegen ist Lehnübersetzung von lateinisch educatio, eigentlich 'Herausführung': Der Pädagoge (griechisch 'Kinderführer') führt den jungen Menschen aus dem Zustand der Rohheit heraus und begleitet ihn auf seinem Weg zu einem kultivierten Erwachsenenleben. Die moderne Entsprechung education hat in den romanischen Sprachen und im Englischen eine sehr viel weitere Bedeutung und umfasst auch das, was wir Bildung nennen.

Wenn wir die Schule abgeschlossen haben, sind wir vielleicht "gebildet" aber noch nicht "ausgebildet". In der "Ausbildung" lernen wir nämlich alles, was wir für unseren späteren Beruf wissen und können müssen. Und auch während der Berufstätigkeit müssen wir uns immer "weiterbilden", sei es dadurch, dass wir uns "fortbilden", indem wir unsere Kenntnisse erweitern und Fähigkeiten verbessern, um unsere bisherige Tätigkeit wirkungsvoller ausüben zu können – sei es dadurch, dass wir eine andere Tätigkeit erlernen und uns "umschulen" lassen.

   

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Sprachecke 27.10.2015 | Begriffe: hell und dunkel | Farben | Psychologie

Fragen: wissen /  weiß

 

Datum: 11.01.2005

Aktuell: 12.11.2016