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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Beschäftigungen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wer zu tun hat oder wenigstens so tut, als hätte er was zu tun, ist „beschäftigt“. Viele Beschäftigungen dienen zum Gelderwerb. Wer zusätzlich noch woanders Geld verdient, hat eine Nebenbeschäftigung und sollte dies seinem Dienstherrn melden, sonst gibt es Ärger, so wie neulich bei einigen Bundestagsabgeordneten.

Die Beschäftigung, mit der wir unseren Unterhalt verdienen, hat ganz verschiedene Namen, je nach Art der Tätigkeit und vielleicht auch nach unsrer Einstellung dazu:

Ein Arbeiter geht „auf die Arbeit“ oder schaffen, ein Beamter zum Dienst, ein Angestellter oder Selbständiger ins Büro, in die Firma oder ins Geschäft. Wobei Geschäft speziell ein kaufmännisches Unternehmen bezeichnet. Der Beamte ist bei einer öffentlichen Einrichtung angestellt und „dient“ dabei nicht nur seiner "Dienststelle", sondern auch der Allgemeinheit. Ähnlich ist es beim Kundendienst: Ein Mitarbeiter beim Kundendienst „arbeitet“ zwar für seine Firma, aber er „dient“ dem Kunden und verrichtet für ihn Arbeiten, die dieser selbst nicht leisten kann. Ähnlich die „Bedienung“ im Restaurant und das Verkaufspersonal, das die Kaufinteressenten „bedient“. Ganz deutlich ist es beim Butler, der den Menschen „bedient“, der ihn angestellt hat.

Arbeit hat ursprünglich allgemein ‚Mühsal’ bedeutet. Das verwandte slawische robota ‚Arbeit’ ist abgeleitet von rob ‚Sklave, Knecht’. Auch das Wort Erbe ist damit verwandt. Ein Erbe war ursprünglich wohl ein Waisenkind (lateinisch orbus). Wenn ihm die Eltern keine Erbschaft hinterlassen hatten, musste es sich für fremde Leute abmühen, „arbeiten“.

Arbeiten müssen galt in der Antike als Schande. Erst durch das Christentum kam der Gedanke auf, dass Arbeit eine ehrenvolle Tätigkeit ist. In den Klöstern galt der Grundsatz „bete und arbeite“ und die Reformatoren verkündeten: „Arbeit ist eine Art Gott zu dienen“. Diese neue Einstellung kam zum Ausdruck mit dem Wort „Beruf“: Auch der einfachste Handlanger konnte sich von Gott zu dieser Tätigkeit „berufen“ fühlen und damit zufrieden sein.

Andrerseits sieht mancher wenig Sinn, in dem was er tut. Er arbeitet nicht, weil er sich dazu berufen fühlt, sondern weil er Geld verdienen muss. Er betrachtet seine Beschäftigung als Job. Dieses englische Wort hat ursprünglich wohl ‚Stück’ bedeutet, dann ‚Stück Arbeit’, also eine zeitlich begrenzte Tätigkeit, keine Lebensaufgabe.

Andere betrachten ihre Arbeit als eine Möglichkeit Karriere zu machen, d.h. in der Hierarchie aufzusteigen, möglichst viel Geld zu verdienen, berühmt zu werden (zu französisch carrière ‚Rennbahn’). Job und Karriere, das scheint die typisch moderne Einstellung zur „Beschäftigung“ zu sein.

   

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Datum: 25.01.2005

Aktuell: 26.03.2016