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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Globale Erwärmung

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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weltweit

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Welt

weltlich

Umwelt

 

Das kann doch nicht sein! Alle reden sie von der globalen Erwärmung. Und dabei vermeldeten die Wetterämter in den letzten Wochen Minusrekorde. Schnee bis in den März hinein, wann gab's denn so was? Droht uns etwa eine globale Abkühlung?

Global, das meint 'den ganzen Globus, die ganze Erde betreffend', nicht nur einzelne Gegenden, Länder oder Erdteile. Wir gebrauchen diesen Begriff auch; wenn es um die Globalisierung der Wirtschaft geht, den Aufbau eines Marktes, der die ganze Erde umspannt.

Im Informationswesen hat sich dagegen der Ausdruck World Wide Web eingebürgert: 'weltweites Informationsnetz' (englisch web bedeutet eigentlich 'Gewebe'). Weltweit ist in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich, also wahrscheinlich keine Lehnübersetzung des gleich gebildeten englischen world wide.

Lateinisch globus 'Kugel' bezeichnete noch nicht den Erdball. Für die Erde als Ganzes sagte man tellus (verwandt mit Diehle), während terra (verwandt mit verdorren, Durst) mehr das "trockene" Festland oder einen Teil davon bezeichnete. Was wir heute Globus 'Erdkugel' nennen, die Vorstellung von der gesamten Erdoberfläche, nannten die Römer orbis, eigentlich 'Kreis, Scheibe'. Daher der päpstliche Segen "urbi  et orbi" 'der Stadt Rom und dem Erdkreis'

Das Wort globalis gab's im klassischen Latein noch nicht. Für 'global, weltweit' sagte man universus, universalis 'gesamt', daraus universum 'Gesamtheit', daraus unsere Lehnübersetzung All, Weltall 'Erde und alle Himmelskörper' (seit dem 17. Jahrhundert). Etwa genauso alt ist das Wort Weltraum, kurz Raum. Es ist geprägt von der Erkenntnis, dass die Sterne nicht an der Innenseite einer Kugel angebracht sind, sondern in einem unvorstellbar großen dreidimensionalen Raum verteilt. Der Unterschied zwischen beiden Ausdrücken besteht darin, dass wir mit Weltall tatsächlich das Ganze meinen, sozusagen von außen betrachtet, und mit Weltraum die Innenansicht, den Ort der Himmelskörper, die wir beobachten und zu denen wir "Raumschiffe" schicken.

In diesem Zusammenhang gebrauchen wir auch das aus dem Griechischen stammende Wort Kosmos, das eigentlich 'geordneter Zustand' bedeutet im Unterschied zum Chaos. Merkwürdigerweise nehmen wir dafür nicht das uns doch näher liegende lateinische mundus, das denselben Sinninhalt hat.

All das benennen wir mit dem Wort Welt (althochdeutsch wer-alt, eigentlich 'Menschenalter'). Dieses ist wohl entstanden als Lehnübersetzung von lateinisch saeculum 'Zeitalter', später 'Jahrhundert'. Im kirchlichen Sprachgebrauch war saeculum das jetzige, böse Zeitalter, das vom Reich Gottes abgelöst werden soll. Da es die gesamte Menschheit und die ganze Erde betrifft, nahm dieser zeitliche Begriff dann auch die räumliche Bedeutung 'Universum' an.

Die Goten kannten die Zusammensetzung *wair-alds nicht und behalfen sich mit midjungards 'der von Menschen bewohnte "mittlere" Teil der Welt', manaseþs 'Menschheit' und aiws 'Zeitalter'. Das bestätigt, dass weralt 'Menschenalter' Lehnübersetzung des kirchlichen Begriffs saeculum ist.

Unser Wort Welt bezeichnet daher zweierlei: 1. im allgemeinen Sinn 'die Menschheit, die Erde, das Universum'. 2. Im  kirchlichen Sinn hat sich im Mittelalter die Bedeutung 'nichtkirchlicher Bereich' herausgebildet, daher weltlich 'nichtkirchlich' im Gegensatz zu geistlich 'kirchlich, klerikal'.

Umwelt (seit 1800, gleichzeitig mit dänisch omverden) meinte ursprünglich 'Umgebung, Lebensraum' und deutet seit 1909 auch  die Wechselbeziehung zwischen Lebewesen, Menschheit und unbelebter Natur an.

Ob "globale" Erwärmung oder Abkühlung – wir werden in den nächsten Jahrzehnten mit einer dauerhaften Klimaänderung leben müssen, wohl als Folge der "Umweltverschmutzung".

   

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Sprachecke 30.05.2017

 

Datum: 15.03.2005

Aktuell: 25.05.2017