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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Das Kreuz mit dem Kreuz

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Marterkreuz

Zeichen des Heils und des Todes

Das Kreuzzeichen

Kreuzen

Kreuzer

Kreuzfahrt, -gang,
-weg, -zug

Kreuzbein

Rotes Kreuz

 

 

 

 

Das christliche Markenzeichen ist das Kreuz, die beiden rechtwinklig zusammengefügten Balken, an denen Jesus hingerichtet wurde. An seinen Todestag, wohl am Freitag, den 3. April 33, erinnert der Karfreitag.

Das Marterkreuz

griechisches Kreuz lateinisches Kreuz russisches Kreuz Andreaskreuz

ägyptisches Lebenszeichen

verschiedene Kreuzformen der Konfessionen Sonderform Hieroglyphe

Das christliche Symbol hat also nichts mit anderen kreuzförmigen Symbolen wie dem ägyptischen Lebenszeichen, dem so genannten Henkelkreuz, zu tun, das in Wirklichkeit ein Sandalenriemen ist. Denn schon im Neuen Testament wird das Wort für das Marterinstrument, griechisch staurós, lateinisch crux, im symbolischen Sinn für den Tod Jesu verwendet.

Wie ein römisches Hinrichtungskreuz aussah, zeigt eine Wandzeichnung in Rom: Ein Mann betet mit erhobener Hand zu einem Gekreuzigten mit Eselskopf an einer Konstruktion, die wie ein kleines T aussieht. Darunter die ungelenke Inschrift "Alexamenos betet Gott an." Da hat also ein heidnischer Palastbewohner seinen christlichen Kollegen verspottet. Eine Abart ist das Andreaskreuz in Form eines X, an dem der Apostel Andreas hingerichtet wurde.

Dass das Kreuz nicht nur aus einem senkrecht stehenden Pfahl (griechisch staurós) bestand, sondern auch einen Querbalken hatte, zeigt der lateinische Sprachgebrauch, der für den Querbalken ein eigenes Wort besaß: patibulum, eigentlich 'Spreize'. Quelle

Das lateinische crux bezeichnet nicht nur diese barbarische Hinrichtungsart, sondern im übertragenen Sinn auch 'Marter, Qual', den schmählichen Tod. Nicht umsonst übersetzten unsere Vorfahren dieses Wort mit Galgen, der ähnliche Empfindungen in uns weckt.

Zeichen des Heils und des Todes

Das Zeichen des schrecklichen und schmählichen Todes wurde im Christentum zum Zeichen des Heils. Daher kam die Sitte auf, sich zu bekreuzigen oder das Kreuz zu schlagen, um sich zu heiligen und vor dem Bösen zu schützen oder andere Menschen zu segnen. Dieses Wort kommt von lateinisch signum 'Zeichen, Kreuzeszeichen'.

Andererseits dient das Kreuz auf Friedhöfen oder vor dem Sterbedatum immer noch als Zeichen des Todes, so wie das Sternchen als Zeichen für 'geboren' verwendet wird (wie der "Stern von Bethlehem").

Das Kreuzzeichen

Wir sehen heute im Kreuz mehr das Symbol oder eine geometrische Form: zwei Linien, die sich überschneiden (lateinisch decussis), etwa beim Pluszeichen oder beim X. Schon im Nibelungenlied heißt es, Kriemhild habe an Siegfrieds Gewand die verwundbare Stelle mit einem Kreuz markiert. Die Straßenkreuzung, kurz Kreuz, (seit dem 19. Jahrhundert, vorher Kreuzweg) hat die Form eines Pluszeichens, das Kreuzchen auf dem Wahlzettel sieht aus wie ein X. Wenn dagegen ein Schreibunkundiger mit drei Kreuzen unterschrieb, so waren das auf alten Urkunden meist drei senkrechte Striche mit einem Querstrich.

Kreuzen

An die sich überschneidenden Linien denken wir, wenn wir davon reden, dass ein Züchter zwei Rassen kreuzt, so dass schwarze und weiße Kaninchen gescheckte Junge bekommen.

Kreuzen nennen wir es auch, wenn ein Segelschiff gegen den Wind fährt. Das ist nicht direkt, sondern nur in einem spitzen Winkel möglich. Der Schiffer muss im Zickzack fahren, wenn er die Richtung beibehalten will.

Kreuzer

Ein Kreuzer ist ein Kriegsschiff, dass vor der Küste kreuzt 'hin- und herfährt'. Ein Straßenkreuzer ist ein entsprechend großes Auto. Dagegen war der Kreuzer bis 1876 eine kleine Münze, die ursprünglich mit einem Kreuz gekennzeichnet war, daher abgekürzt mit xr.

Kreuzfahrt, -gang, -weg, -zug

Eine Kreuzfahrt ist heute eine Vergnügungsreise zu Schiff, bei der man kreuz und quer verschiedene Häfen anläuft. Ursprünglich hatte das Wort eine Wallfahrt bezeichnet, bei der ein Kreuz vorangetragen wurde, später den mittelalterlichen Kreuzzug zur Eroberung des heiligen Landes.

Der Innenhof eines Klosters ist umgeben von einem überdachten Gang, dem Kreuzgang. Das Wort benannte zunächst eine Prozession, bei der ein Kreuz vorangetragen wurde, dann auch den heute so genannten Kreuzweg, die bildlichen Darstellungen des Leidenswegs Christi, die auch in den Klosterhöfen angebracht waren.

Kreuzbein

Seit dem 17. Jahrhundert nennt man auch die Lenden Kreuz, wohl nach dem Kreuzbein, zusammengewachsene Wirbel im Beckenbereich. Diese Knochen hießen schon im Altertum os sacrum 'heiliger Knochen'. Das Benennungsmotiv ist unbekannt. Das deutsche Kreuz nimmt wohl auf diesen antiken Ausdruck Bezug.

Rotes Kreuz

Wieder anderer Herkunft ist das Rote Kreuz, gegründet 1864 auf Anregung des Schweizers Henri Dunant. Das rote Kreuz auf weißem quadratischem Grund ist die Umkehrung der Schweizer Flagge. In nichtchristlichen Ländern wurde das christliche Motiv durch ein anderes passendes Symbol ersetzt, etwa den muslimischen Roten Halbmond.

Kreuz ist also ein Wort, das heute viele verschiedene Bedeutungen hat. Der alte römische Sprachgebrauch 'Qual, Marter' ist aber noch erhalten in unsrer Redewendung "es ist ein Kreuz mit dem Kreuz".

 

Nachtrag Kreuzbein

Die Bezeichnungen Kreuz und Kreuzbein sind seit dem 16"-Jh. nachweisbar und bezeichneten wahrscheinlich zuerst die kreuzförmig abstehenden Beckenknochen der Schlachttiere. Das menschliche Becken hat keine Ähnlichkeit damit.

Der antike Ausdruck, griechisch ἱερόν ὀστέον hierón ostéon, lat. os sacrum, wurde in der Fachliteratur mit Heiliges Bein übersetzt. Dahinter steht wohl die Auffassung, dass das Becken als Sitz der Zeugungungskraft und des Foetus sozusagen heilige Qualität hat.

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Übersicht

 

Sprachecke 19.04.2011 | 11.03.2014 | 15.04.2014

Begriffe  Leid

 

Datum: 22.03.2005

Aktuell: 26.03.2016