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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Aprilsscherze

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Schon im 16. Jahrhundert soll es üblich gewesen sein, am 1. April einander zum Narren zu halten oder "in den April zu schicken". Noch in den 50er-Jahren trieb man in Südhessen ähnlichen Unfug am 1. März. Sinn und Ursprung dieser Bräuche sind unbekannt.

Genauso unklar ist es, woher der April seinen Namen hat. Schon der Römer Marcus Terentius Varro (1. Jahrhundert v. Chr.), der für alle anderen Monatsnamen eine Erklärung hat, kommt über Vermutungen nicht hinaus: Von der Göttin Aphrodite? Das hält er für unwahrscheinlich. Von aperire 'öffnen', "weil sich alles öffnet"? Moderne Sprachforscher erwägen, genauso zweifelnd, eine dritte Erklärung: von indogermanisch aperos 'der hintere', weil der April im alten römischen Kalender der 2. Monat war – das Jahr begann am 1. März.

Klarer sehen wir beim März, lateinisch Martius, der nach dem Kriegsgott Mars benannt ist. Das weiß schon Varro. Die heutigen Gelehrten sind derselben Meinung. Mars war der besondere Schutzgott Roms. Sein Name (alt Mamers) bedeutet wohl 'Gedenken, Geist' (zu memoria 'Gedenken'). Zum Kriegsgott wurde er erst durch die Gleichsetzung mit dem griechischen Ares. Mars war auch der Gott des Ackerbaus. Wahrscheinlich wurde ihm deshalb der Frühlingsmonat gewidmet. Erst in späterer Zeit wurde er mit dem roten Planeten identifiziert und bekam nach babylonischer Sitte einen Wochentag geweiht, den Dienstag, lateinisch Martis dies, italienisch martedi, französisch mardi 'Tag des Planeten Mars'.

Ein Leser machte mich kürzlich aufmerksam auf den Ausdruck ausmerzen, der bei den Nazis in der Bedeutung 'ausrotten' so furchtbar missbraucht wurde. Eigentlich war damit gemeint 'Schafe aussortieren, die zur Weiterzucht nicht geeignet sind'. Ob dieses Wort von dem Monat abgeleitet ist, ist zweifelhaft. Im Hessischen gibt es auch noch das Wort (aus)märzen 'Kleider an die frische Luft hängen'. Dazu ist der März die richtige Zeit.

So einfach wie der lateinische Monatsname März ist auch der deutsche Lenzmonat zu erklären: Er bedeutet 'Frühlingsmonat'. Lenz ist die Zeit, in der die Tage wieder "länger" werden. Die Kelten hatten einen ähnlichen Namen für diesen Monat: Cutios 'Ende der kurzen Tage', zu cutos 'kurz'.

Leicht scheint auch der deutsche Name des April, Ostermonat, zu deuten zu sein: Das Osterfest fällt ja meist in den April. Aber war ursprünglich daran gedacht? Eher sollte man annehmen, dass auch dieser Monat nach einem Wort für 'Frühling' benannt ist: Die Sonne geht am Frühlingsanfang genau im Osten auf. Und Ostern bedeutet eigentlich 'östlich'.

Dass der April ein schwieriger Monat ist, weiß auch der Volksmund: "Der April macht was er will." Mit dem Wetter – und auch mit seinem unerklärlichen Namen.

   

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Datum: 29.03.2005

Aktuell: 26.03.2016