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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Adelsprädikate

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Endlich haben sie sich gekriegt, der Prince of Wales und die Herzogin von Cornwall, auch wenn die Königin von England und der Herzog von Edinburg nicht davon begeistert waren – klangvolle Titel, die in Deutschland seit 1918 keine Bedeutung mehr haben.

Vorher gab es Fürsten ‚Herrscher’, verwandt mit englisch first ‚der erste’ und Lehnübersetzung von lateinisch princeps ‚der Erste, Anführer, Chef’, ein Titel, den sich Kaiser Augustus beilegte. Im Französischen wurde princeps zu prince ‚Fürst’ verkürzt, daraus englisch prince 'Fürst, Thronfolger, Königssohn'. Auch im Deutschen war Prinz bis ins 16. Jahrhundert gleichbedeutend mit Fürst, daneben seit dem 15. Jahrhundert die später einzige Bedeutung 'Fürstensohn, Thronfolger'.

Der oberste Fürst war der deutsche König und Römische Kaiser, also das, was heute der Bundespräsident ist. Unter ihm standen die Herzöge, vergleichbar mit den Ministerpräsidenten der Länder. Manche heutigen Bundesländer gehen tatsächlich auf frühere Herzogtümer zurück, etwa Bayern und Baden-Württemberg (ehemals Alemannien / Schwaben). Der Titel Herzog stammt aus germanischer Zeit (zu Heer und ziehen im Sinn von ‚führen’): Germanische Offiziere dienten in Byzanz als stratelátai ‚Heerführer’; der griechische Titel wurde wörtlich als heritogo, herizogo übersetzt. Diese Herzöge befehligten nicht nur die militärischen Verbände, sondern sie standen auch an der Spitze der zivilen Stämme, die sich daraus bildeten, etwa der Alemannen und Franken. Die Römer nannten diese Anführer daher reges oder reguli ‚Könige, Kleinkönige’.

Einer von ihnen, der Franke Chlodwig, schaltete um 500 seine fränkischen Kollegen aus und nannte sich Rex Francorum ‚König der Franken’. Auf ihn geht wohl unser Wort König zurück, althochdeutsch kuning (zu kunni ‚Geschlecht’, also ursprünglich ‚Angehöriger einer vornehmen Familie, Edelmann’).

Was heute der Landrat ist, war im fränkischen Reich der Graf (greve), zu einem verlorenen Wort grefan ‚anordnen’, von dem gotisch gagrefts ‚Verordnung’ abgeleitet ist. Dieser Ausdruck hat sich überschnitten mit dem Beamtentitel graphio ‚Schreiber’ (aus dem Griechischen). Die Grafen verwalteten sehr unterschiedliche Bereiche, nicht nur Gaue ‚Landkreise’, sondern auch Marken ‚Grenzgebiete’, Burgen oder Pfalzen ‚königliche Paläste’.

Der Graf auf der Wartburg nannte sich Landgraf. Seine Nachkommen regierten in Marburg, später in Darmstadt und Kassel. Napoleon beförderte den Darmstädter Landgrafen zum Großherzog im Zuge einer geradezu inflationären Aufblähung der alten Fürstentitel. Die Revolution von 1918 hat dem allen ein Ende gemacht. Adelsprädikate gibt’s bei uns nur noch als Namensbestandteil, ohne politische Bedeutung.

   

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Etymologie "Kaiser" | Begriffe Machthaber

Sprachecke 08.08.2006 | 08.02.2011 | 24.07.2012

 

Datum: 19.04.2005

Aktuell: 20.03.2017