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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Krottenschlecht

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Pardon, liebe Leserin, lieber Leser, die Überschrift ist falsch. Laut Duden müsste ich grottenschlecht schreiben. Dabei ahnt doch ein Süddeutscher, dass das Wort von Krott 'Kröte' kommt. Den Schwaben ist dieses Modewort sogar von alters her geläufig. Wie kommt es aber zu der Schreibung mit g?

Eine Nachfrage bei Duden ergab: »"Der erste Bestandteil von Zusammensetzungen wie „grottendoof, grottenschlecht“ usw. geht in der Tat mit großer Wahrscheinlichkeit auf süddeutsch Krotte zurück. Es war in den 1990er-Jahren, als das bisher im Sprachraum nördlich des Neckars völlig unbekannte Adjektiv „grottenschlecht“ plötzlich in fast allen großen Zeitungen und Magazinen zu lesen war. Allerdings wurde das Wort von den die (wahrscheinliche) Herkunft nicht kennenden „Nordlichtern“ mit g geschrieben und fand auch in dieser Schreibung Eingang in die Wörterbücher.«

Im Niederdeutschen scheint auch das umlautende Kröte unbekannt zu sein; diese Amphibie heißt dort Lork (entspricht hochdeutschem Lurch).

Das hochdeutsche Kröte ist die ostdeutsche Version und kam durch Luthers Bibelübersetzung in die Standardsprache. Es setzt wohl die mittelhochdeutsche Form krete fort, das neben krote und krate stand (mit kurzen Vokalen). Woher dieses Wort kommt, ist unbekannt.

Lurch dient seit 1815 als Übersetzung des Fremdworts Amphibie (aus dem Griechischen, eigentlich 'auf beiden Seiten lebend', im Wasser und auf dem Land).

Von den Kröten unterscheiden die Biologen die Unken und die Frösche. Unter Unke verstand man ursprünglich die Ringelnatter, so in einigen Märchen. Das Wort ist verwandt mit lateinisch anguis 'Schlange'. Im Mittelalter nannte man die Unke ûche, althochdeutsch ûhha, wohl lautmalend nach dem Ruf dieser Tiere.

Die Frösche sind schlanker als die Kröten und Unken und können mit ihren langen Hinterbeinen gut springen. Ihr Name wird daher als 'Hüpfer' erklärt (zu russisch prýgat 'springen').

Im Niederdeutschen heißen diese Tiere Padde, Pogge oder Ütsche. Die ersten beiden Wörter sind wohl wie mittelenglisch tadde, neuenglisch toad 'Kröte' aus Varianten von quak entstanden. Ütsche scheint wegen des tsch friesisch zu sein und entspricht mittelhochdeutsch ûche, altenglisch ýce 'Unke'.

Kröten sehen hässlich aus und sondern giftigen Schleim ab. Sind sie deshalb "krottenschlecht"?

Carl Zuckmayer hatte eine bessere Meinung von den Kröten: »Un das allerschönste Tierche, / Is un bleibt die Krott / Weil sie kei Gebimsebamsel, / Hinne hänge hott!« (Katharina Knie). Sie hat also nichts Unnötiges, noch nicht mal einen Schwanz, wie das arme Zirkusunternehmen Knie, bei dem der Gerichtsvollzieher nichts zu pfänden findet.

   

 

 

Leserbrief

Als gebürtiger Norddeutscher (Celle) sind natürlich die niederdeutschen Ausdrücke besonders interessant. Der Uitschenpoul war der Froschteich oder die sumpfige Wiese. Poggenpohl (Küchen) wohl nicht direkt. Nicht kannte ich die Herkunft von Lork. Mein Vater pflegte pfiffige Kinder mit diesem Ausdruck zu belegen. „Du bist aber ein Lork

Meine Antwort

Zu Lork / Lurch habe ich jetzt doch noch die Herkunft herausgefunden: Indogermanische lordos, lordkos 'krumm, schief'. Die Mundarten haben die Bedeutung 'link, linkisch, lahm' und 'falsch gehen" (die Füße nicht heben) und falsch sprechen (stammeln, Zäpfchen-r). Eine Watschelkröte hat ja auch keinen eleganten Gang.

"Du bist aber ein Lork" ist ja durchaus positiv gemeint. Bei uns sagt man zu einem Mädchen "e goldig Krott" oder genauso anerkennend "e Lauskrott".

 

   


Leserbrief aus Mainz:

"er freut sich wie ein Itsch " -Redensart . Aber was ist ein Itsch / Ietsch ?

Meine Antwort:

Das ist eine verächtliche Bezeichnung für einen Menschen, über den man sich lustig macht: krummbeinig, rothaarig, schwachsinnig oder ungeschickt. Das Wort ist auch mit Ü überliefert und daher wohl dasselbe wir das plattdeutsche Ütsche 'Frosch'.

   

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Datum: 07.06.2005

Aktuell: 11.04.2016