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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wandernde Wörter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Neulich bekam ich eine Ansichtskarte aus Hongkong mit dem Bild einer Rikscha, dazu die Bemerkung, dass dieses Wort von japanisch jinrikisha käme. Das machte mich neugierig. Im japanischen Wörterbuch fand ich dieses Wort, ferner jin 'Mensch', aber nicht rikisha, das nach einer anderen Auskunft aus riki 'Kraft' und sha 'Wagen zusammengesetzt sein soll, auch nicht diese beiden Wörter. Also nicht japanisch.

Vielleicht chinesisch? Ich fand heraus, dass dieses von Menschen gezogene Taxi in China renli-che 'Menschenkraft-Wagen' heißt. Das japanische Wort scheint also aus dem Chinesischen zu stammen, mit R statt L und nach dem chinesischen liqi 'Muskelkraft' statt einfachen li 'Kraft'.

Unser deutsches Rikscha haben wir von englisch rickshaw übernommen, das aus dem japanischen Wort gekürzt ist. Englisch -aw deutet an, dass das japanische A mehr wie englisches -aw klingt.

Ein exotisches Wort ist gereist, von China nach Japan, von dort nach England und dann zu uns. Wie wir an diesem Beispiel sehen, gehört zu einer fremden Sache auch der fremde Name. Der ist mitunter weit herumgekommen. Oft hatte man Schwierigkeiten, ihn auszusprechen und hat ihn seinen eigenen Sprechgewohnheiten angepasst.

Weitere Beispiele:

Eine Mähre ist heute ein 'schlechtes Pferd'. Im Althochdeutschen war meriha eine 'Stute', marah ein Militärpferd. Die Wörter Marstall 'Pferdestall' und Marschall 'Pferdeknecht', später 'General', erinnern noch daran. Normal nannte man dieses Tier hross 'Ross'. Das Fachwort haben wir von den Kelten, die marcos sagten. Es hat anscheinend Verwandte in Ostasien: Dieses Tier heißt auf mongolisch morin, im Chinesischen und verwandten Sprachen ma und im Koreanischen mal. Das asiatische Wort scheint durch vorgeschichtliche Reitervölker zu den Kelten gelangt zu sein, schon vor den Hunnen.

Die Kartoffel stammt aus Peru. Das Wort kommt von italienisch tartufol, das die ähnlich aussehenden 'Trüffel' bezeichnete. Das italienische Wort kam als Tartuffel bei uns an und wurde dann zu Kartoffel. Mit der Frucht gelangte der Name nach Dänemark und Island, Polen und Russland und von dort sogar ins Georgische, Armenische, Kasachische, Kurdische und andere Sprachen. Dabei wurde das Wort weiter verändert. Im Kurdischen ist von Kartoffel nur noch kartol übrig geblieben, im Kasachischen kartop.
Sprachecke 06.10.2015

Der Wein stammt wahrscheinlich aus Armenien oder Georgien und wurde vor mehr als 6000 Jahren kultiviert. Die Ureinwohner nannten ihn gwin-. Die Armenier sagen heute gini, die Georgier gwino. Die Semiten machten aus diesem Wort jajn oder wajn. Die Griechen sagten oînos, die Römer vinum. Unsere Vorfahren haben dieses Getränk durch die Römer kennen gelernt und nannten es wîn, Wein.

   

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Datum: 18.10.2005

Aktuell: 27.02.2017