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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gruselzeit

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Mit zunehmender Begeisterung feiert man jetzt auch bei uns das Gruselfest Halloween mit ausgehöhlten Kürbisköpfen, bettelnden Kindern und gespenstischen Verkleidungen. All das ist aus Amerika zu uns gekommen, ähnliche Bräuche hatten wir früher aber auch: ausgehöhlte Rüben, Heischegänge, verkleidete Gestalten.

Halloween kommt aus dem Englischen und ist verkürzt aus all hallows’ even ‚Allerheiligen-Abend’. Das Allerheiligenfest am 1. November fällt zusammen mit dem irischen Feiertag Samhain (gesprochen „Sauin“ mit ganz kurzem I). Daher glauben einige, dass Halloween auf irisches oder gar keltisches Brauchtum zurückgeht.
In der Tat gab es schon im vorchristlichen Gallien einen Monat Samonios 'Sommerende', dem ein Giamonios 'Winterende' entsprach, zu gallisch samos, giamos 'Sommer, Winter' (lateinisch hiems). Nach alten irischen Sagen war Samhain ein Fest des Friedens und der Freundschaft und wurde mehrere Tage lang an zentralen Orten begangen mit viel Essen und Trinken. Dass dieses Fest zum Gedenken an die Toten gefeiert wurde, ist nicht erwiesen.
Das alte keltische Jahr scheint mit Samhain, im November, begonnen zu haben. Mit dem 1. Tag des Monats Giamonios, im Mai, begann das Sommerhalbjahr. Auch den Monat teilten die Gallier in zwei Hälften; am 15. war Atenoux ‚Ende der Erneuerung’ (des Mondes, also Vollmond), entsprechend den römischen Iden. Die Tage nach Atenoux wurden wieder neu gezählt.
Bei den Kelten begann das Jahr im Spätherbst, wie der Tag am Abend und der Monat mit Neumond anfing. Samhain war daher nicht das keltische Totenfest, sondern das keltische Neujahrsfest.

Das Gruselfest Halloween dagegen ist in England entstanden als Gedenktag an alle Heiligen. Dort soll es üblich gewesen sein, sich als Heilige zu verkleiden, so wie man bei uns sich als Martin oder Nikolaus verkleidet. Erst in Amerika kamen fremde Bräuche dazu, die wohl vom europäischen Festland stammen.

Auch in Hessen kannte man Geister und Gespenster. Manchen Odenwäldern gruselt es noch heute vor dem Burggespenst Schnellerts, dem Vorläufer des Rodensteiners. Harmlos waren die Elbentritscher, Tappen oder Trappen, eigentlich die Fußtapfen der Elben 'Naturgeister'. Man weiß von ihnen nur, dass Leichtgläubige versucht haben, sie bei Vollmond in einem Sack zu fangen. Gelungen ist das noch keinem. Gefährlich werden konnten dagegen die Herwische (eigentlich Irrwische, zu Wisch 'Strohfackel'), die Seelen derer, die im Grab keine Ruhe fanden und als Irrlichter herumspukten. Mancher Wanderer soll von ihnen in die Irre geführt worden sein. Ihre Hauptsaison war die Walpurgisnacht (1. Mai). Unsre Gruselzeit war ein halbes Jahr nach Halloween. Sehnen wir uns danach zurück?

   

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Datum: 25.10.2005

Aktuell: 26.03.2016