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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Plätzchen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Schon seit Monaten gibt es sie in den Geschäften, die Weihnachtssüßwaren. Aber nun wird es wirklich Zeit für Plätzchen, 'Weihnachtsgebäck', auch Kekse genannt. Das Wort Keks wurde im 19. Jahrhundert aus englisch cakes 'Kuchenstücke' übernommen und der deutschen Schreibweise angepasst. Aber kein Angelsachse würde unsere Kekse cakes nennen, sie heißen in England biscuits und in den Staaten cookies.

Seltsam, dass wir ein "Gebäck" Kuchen, cookies, cakes, Keks nennen, denn wir unterscheiden ja zwischen kochen und backen. Lateinisch coquere und seine Nachfolger (französisch cuire) bezeichnen beides zugleich. Französisch und englisch biscuit entspricht italienisch biscotto 'Keks', aus lateinisch bis coctus 'zweimal gebacken'. Das italienische Wort wurde zu Beginn der Neuzeit als Zwieback ins Deutsche übersetzt. Zwieback bezeichnete noch vor 150 Jahren sowohl süßes Gebäck als auch das lagerfähige Brot (Schiffszwieback).

Das Weihnachtsgebäck heißt in Hessen aber nicht Kekse, sondern Plätzchen. Ein Platz war ein flacher Kuchen, vor allem einer aus restlichem Brotteig. Damit konnte man sich nicht nur sättigen, sondern auch ein Wortspiel machen: Die Familie sitzt bei einer Feier, ein Nachbar kommt dazu und fragt: "Habt ihr noch Platz für mich?" Antwort: "Mehr Platz als Kuchen". Dieses Wort ist durch veränderte Backgewohnheiten in Vergessenheit geraten, die Verkleinerungsform Plätzchen immer noch in aller Munde.

Platzbecke 'Kuchenbäcker' gab es schon im 14. Jahrhundert. Dieses Platz scheint die hochdeutsche Form von platt 'flach' zu sein, das aber nicht niederdeutsch ist. Es kommt vielmehr von vulgärlateinisch plattus, französisch plat 'flach' und letztlich aus griechisch platýs 'flach, eben, weit, breit'. Das Femininum des griechischen Wortes, plateîa 'breite Straße' ergab über lateinisch platea und französisch place unser Platz 'freie Fläche'.

Ein typisches Weihnachtsgebäck ist der Lebkuchen, auch Honigkuchen, Pfefferkuchen genannt. Pfeffer sind wohl allgemein die Gewürze, die in dieses Gebäck kommen. Leb- erinnert an ein altes Wort Lebhonig 'handelsüblicher wilder Honig' und kommt von Lebbe 'geronnene Milch' (zu Lab): Der ursprünglich flüssige Honig "gerinnt", verfestigt sich mit der Zeit. Honigkuchen ist also wohl eine neuere Übersetzung des unverständlich gewordenen "Lebkuchen".

Die birmanische Stadt Martaban war berühmt durch Porzellangefäße, in denen man Zutaten aufbewahren konnte. Unter dem Namen der Stadt lernten die Araber diese Behälter kennen und von ihnen die Italiener. Das italienische marzapane war aus Holz, eine Schachtel. Darin bewahrte man eine Süßware aus Mandeln und Zucker auf, die den Namen der Schachtel erhielt, daher deutsch Marzipan.

   

 

 

Ein Leser wies auf die Deutung als 'Markusbrot' (Marci panis) hin. Diese Deutung hat möglicherweise die deutsche Schreibung mit <i> bewirkt.

 

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Datum: 13.12.2005

Aktuell: 26.03.2016