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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Dreikönig

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Die heilgen drei König' mit ihrem Stern, sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern" spottete Goethe über den damaligen Brauch, verkleidet von Haus zu Haus zu gehen und sich einladen zu lassen.

Die Kirche feierte im 4. Jahrhundert am 6. Januar die Geburt Jesu (so heute noch in Armenien), die Anbetung der Magier, die Taufe Jesu, das Weinwunder von Kana, die Speisung der Fünftausend und die Auferweckung des Lazarus, alles unter dem griechischen Namen epipháneia 'Erscheinung der Herrlichkeit Gottes', daher der heutige Name Epiphanias. Um 350 verlegte man den Geburtstag Christi auf den 25. Dezember. Seit 450 gilt der 6. Januar als Tag der Magier.

Nach der Bibel waren es Magier, die kamen um das Jesuskind anzubeten. Sie gehörten einer iranischen Priesterkaste an. Ihr Name, altpersisch Magus, Mehrzahl Maguv, ist verwandt mit Macht, vermögen. Unser Magie 'Zauberei' ist davon abgeleitet und daraus Magier 'Zauberer'.

In einer Nacherzählung aus dem 2. Jahrhundert sind es viele Magier in persischer Tracht (Hosen und Zipfelmütze), die dem Stern folgen und nach dem Kind suchen. Seit dem 5. Jahrhundert glaubt man, dass es drei waren, vielleicht wegen der drei Geschenke und weil drei eine heilige Zahl ist. Unversehens sind aus den heidnischen Priestern Könige und christliche Heilige geworden. Luther hat in seiner Übersetzung "die Weisen aus dem Morgenland" versucht, der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Magier gerecht zu werden.

Um 500 tauchen die uns bekannten Namen Melchior, Kaspar, Balthasar auf. Melchior (älter Melchon) ist hebräisch melech 'König' und Kaspar altpersisch ganzabara 'Schatzmeister'. Balthasar ist in der lateinische Bibel der babylonische Name eines Kanzlers: Da kommt also ein ausländischer König mit Finanzminister und Kanzler, um dem jüdischen König zu huldigen, ist die Aussage dieser Namen. Gold, Weihrauch und Myrrhe waren keine Mitbringsel für eine arme Familie, sondern der Tribut, den der König seinem Großkönig brachte.

Seit dem 12. Jahrhundert verkörpern die Magier in der Kunst die drei Lebensalter. Seit 1300 ist der Jüngste ein Mohr: Man sah jetzt in den Königen Repräsentanten der drei bekannten Erdteile Asien, Europa und Afrika.

Zu den italienischen Kindern kommt nicht der Weihnachtsmann, sondern in der Nacht zum 6. Januar die Hexe Befana, eigentlich die 'Epiphaniasfrau'. Ihre deutsche Entsprechung war Frau Bertha, ein weiblicher Dämon und Kinderschreck, begleitet von den Furcht erregenden Perchten, beide Namen zu altfränkisch beraht, altbairisch peraht (englisch bright) 'leuchtend' für griechisch epiphanês 'aufleuchtend, offenbar'. Anscheinend gehen beide Bräuche auf denselben Ursprung zurück: auf das christliche Epiphaniasfest.

   

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Echo Online | Sprachecke 28.12.2004 | 03.01.2012 | 20.08.2013

Begriffe: Feiertage | Biblische Geschichte, Text und Auslegung

 

Datum: 03.01.2006

Aktuell: 26.03.2016